Gelebte Solidarität mit Flüchtlingen

Von: ehg
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Eröffnung des Kommunikations- und Lernzentrums für Flüchtlinge an der Kaiserstraße in Würselen: Neben Wortbeiträgen durfte natürlich auch Musik nicht zu kurz kommen. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. „Ich freue mich, dass ich diesen Tag zusammen mit Ihnen und mit Euch erleben darf“, begrüßte der Sprecher des Arbeitskreises Asyl, Jürgen Hohlfeld, viele Freunde verschiedenster Nationalitäten sowie liebe Gäste – auch aus der unmittelbarer Nachbarschaft – zur Eröffnung des Kommunikations- und Lernzentrums an der Kaiserstraße 118.

Dabei machte der Uhrmachermeister von nebenan, Ulrich Kriescher, der in großer Eigenleistung mit den Flüchtlingen in zwei herunter gekommenen ehemaligen Ladenlokalen gestalteten Einrichtung eine Wanduhr zum Geschenk.

Pater Barnabas, der die Segenswünsche der Pfarrei St. Sebastian überbrachte, heizte mit seinen schwarzafrikanischen Freunden die positive Stimmung durch afrikanische Gesänge und rhythmische Trommelklänge an. Da kannte die Freude keine Grenzen mehr!

Vorbehalte abbauen

Jürgen Hohlfeld erinnerte sich: „Wir waren entsetzt, als wir zum ersten Mal die unhaltbaren Zustände bewusst wahrgenommen haben, die ihm Asylheim Jülicher Straße 24 vorherrschten.“ Auf sie aufmerksam gemacht hatten Pfarrerin Dorothea-Elisabeth Alders, der ehemalige Schüler Hans-Peter Clahsen und Hildegard Hüring, die sich seit über 20 Jahren in der Flüchtlingsarbeit in Würselen engagiert. „Unser Entschluss stand schnell fest: Das müssen wir ändern, gemeinsam mit den Flüchtlingen und mit der Politik, der Verwaltung und der Öffentlichkeit.“

Es sei nach Lösungen gesucht worden. Von der Stadtentwicklungsgesellschaft seien die Häuser Kaiserstraße 114 bis 118 als Übergangslösung angeboten worden, „was ein qualitativer Sprung war. Die Flüchtlinge kamen aus dem verwahrlosten Ghetto in der Jülicher Straße in anständige Wohnungen mitten in unserer Stadt“.

Die Menschen, die ihre Heimat aus lebenswichtigen Gründen verlassen mussten – 52 leben derzeit an der oberen Kaiserstraße – erlebten Hilfe und Unterstützung aus der Bevölkerung. Diese Erfahrung habe sich auf deren Verhalten ausgewirkt, konstatierte Hohlfeld.

Er appellierte aber auch, den Flüchtlingen Zeit zu lassen, um sich in unserer Kultur und Gesellschaft zurecht zu finden. Wichtig sei, „dass wir sie kennen lernen und so Vorbehalte ihnen gegenüber abbauen“. Entscheidend für das Gelingen des Integrationsprozesses sei es, „dass die Flüchtlinge das Gefühl haben, willkommen zu sein sowie geachtet und respektiert zu werden“.

Hohlfeld war sichtlich stolz darauf, die beiden Ladenlokale mit Hilfe ortsansässiger Unternehmen, aber in erster Linie durch den tatkräftigen Einsatz von Flüchtlingen in den Zustand gebracht zu haben, „den wir heute hier vorfinden“. An vielen Wochenenden wurden Laminat verlegt, Fußleisten angebracht, tapeziert, gestrichen, Möbel geschleppt, die Fenster geputzt und der Garten hinter den drei Häusern in einen parkähnlichen Zustand versetzt.

Besonders positiv wertete der Sprecher des Arbeitskreises, dass sich auf einer Versammlung der Bewohner der drei Häuser ein vierköpfiges Team gebildet habe, das Nutzung und Betrieb des Kommunikations- und Lernzentrums in die Hand nehmen will, natürlich mit Unterstützung des AK Asyl. Es bedarf keiner Frage: Er wird weiterhin das Integrationsprojekt begleiten und hofft auch weiterhin auf eine breite Unterstützung aus der Bürgerschaft.

Bald wird eine Internetaktion mit dem Aufruf „Gesicht zeigen“ gestartet, angelehnt an die Aktionen in Aachen und Eschweiler. Erarbeitet hat der AK ein Konzept für ein Flüchtlingsprogramm in Würselen, das schon bald im Sozialausschuss und im Rat beraten und – hoffentlich auch – beschlossen werden soll.

Bestandteil dieses Konzepts soll die Gründung eines Vereins sein, in dem alle relevanten Gruppen der Stadt vertreten sein sollen. Der Arbeitskreis Asyl will sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Um aktiv bleiben zu können, braucht er weiterhin die Unterstützung der Bevölkerung. „Die Gemeinschaft ist unsere Zukunft!“. schloss Hohlfeld.

Mit Beispielen restriktiver Ausländerpolitik trübte Hans-Peter Clahsen die positive Stimmung dieses Tages. Seit Monaten bemühe sich der AK, eine Sprachschulung aufzubauen, was aber bisher an den fehlenden Mitteln gescheitert sei.

Ein Flüchtling aus Eritrea machte sich zum Sprecher aller Bewohner der Häuser an der oberen Kaiserstraße: „Wir haben alle in Würselen einen Platz gefunden und leben in Frieden miteinander. Wir haben viele Probleme in unserer Heimat hinter uns gelassen. Es war aber auch nicht leicht, sich in Deutschland zurecht zu finden. Weil wir die Sprache nicht beherrschen.“ Der Flüchtling aus Eritrea sagte allen Menschen in der Stadt Dank für die bisher schon gewährte Unterstützung.

„Moralisch verpflichtet“

Ihm schloss sich Bürgermeister Arno Nelles an: „Wir brauchen die Akzeptanz der Menschen in unserer Stadt.“ Die Flüchtlinge seien genauso tief in ihrer Heimat verwurzelt gewesen wie wir. Aus existenziellen Ängsten hätten sie diese verlassen. „Wir müssen die Lebensumstände in den Krisengebieten der Welt so in den Griff bekommen, dass diese Menschen ihre Heimat nicht mehr zu verlassen brauchen. Menschen, die in Not geraten sind, aufzunehmen, dazu sind wir moralisch verpflichtet“, mahnte Nelles. Er appellierte an Land und Bund, die Kommunen zu unterstützen.

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