Baesweiler/Würselen - Geldautomaten sind Sparkasse zu teuer

Geldautomaten sind Sparkasse zu teuer

Von: Tyrone Schwark
Letzte Aktualisierung:
13757703.jpg
Nicht mehr nutzbar: Die Sparkasse hat den Geldautomaten in Loverich „abgestellt“. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler/Würselen. Bewohner des Baesweiler Stadtteils Loverich wollten ihren Augen kaum trauen. Beim routinemäßigen Gang zum Sparkassenautomaten fiel ihnen sofort ein Zettel auf. Darauf hieß es unter anderem: „Wir bitten um ihr Verständnis, dass wir diesen Geldautomaten nicht mehr anbieten.“

Als Grund dafür nur kurz: „Wir überprüfen fortlaufend die Nutzung unserer Geldautomaten. Das bringt von Zeit zu Zeit Änderungen mit sich.“ Anbei gab es noch eine kurze Liste mit anderen Automaten in der Nähe. Das wird in Loverich viel diskutiert, Spekulationen über mögliche weitere Gründe angefacht.

Ausweichempfehlung

Für die Anwohner zieht sich dadurch der Gang zum Geldautomaten etwas in die Länge. „Wir empfehlen unseren Kunden, Bargeld künftig beispielsweise an den nahe gelegenen Geldautomaten in Baesweiler, Setterich oder Beggendorf abzuheben“, erklärt Erich Timmermanns aus der Abteilung „Werbung und Öffentlichkeitsarbeit“ der Sparkasse Aachen auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Automaten liegen vom geschlossenen Selbstbedienungs-Center jedoch rund zwei bis fünf Kilometer entfernt. Ohne Bus oder Auto ist das Erreichen der ausgewiesenen Automaten für die meisten Älteren kaum möglich.

Während die Anwohner von einer „Servicewüste“ sprechen, spricht die Sparkasse von einer wirtschaftlichen Entscheidung: „Die Nutzung hat sich leider nicht so entwickelt, dass wir den Automaten an diesem Standort annähernd kostendeckend betreiben können.“

Dabei hat das Bankunternehmen einerseits entstehende Kosten, wie Raummiete, Anschaffung und Wartung des Automaten sowie die regelmäßige Bestückung mit Bargeld berücksichtigt. Das Thema Geldautomaten-Sprengung, wie einige Lovericher vermutet haben, führte nicht zu der Entscheidung, sagte Timmermanns.

Am 23. Mai 2012 lautete der Tenor zu einem Automaten in Loverich noch ganz anders. Bei der Eröffnung des SB-Centers war man froh, einen Servicepunkt rund um die Uhr anbieten zu können. Auch auf der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2015 am Anfang des Jahres war von Schließungen kleinerer Filialen keine Rede, im Gegenteil. „Unser Marktanteil bei den Privatkunden in der Städteregion liegt bei 58 Prozent. Diesen Wert erreichen wir nur durch unsere starke Präsenz vor Ort“, sagte dort noch Sparkassenvorstand Hubert Herpers.

Der Prozess, den die Aachener Filialen jetzt anscheinend beginnen, läuft in den Kreisen Düren und Heinsberg längst auf Hochtouren. In beiden Kreisen wurden bereits mit Personal besetzte Filialen geschlossen oder zu SB-Center umstrukturiert. Das führte sogar zu Protesten von Bürgern und Lokalpolitikern.

Was bei der jüngeren Generation fast keiner Erwähnung wert wäre, ist ein echtes Problem vor allem für Senioren. Die Sparkasse folgt via Onlinebanking oder ihrem neuen Angebot„Kwitt“, mit der Kunden kleinere Geldbeträge einfach mit ihrem Handy hin- und her überweisen können, weiterhin dem Trend der Digitalisierung – dem kann allerdings nur ein Teil der älteren Generation folgen. Die Zeit in der eine Bankfiliale zum Treffpunkt der Dorfgemeinde und zum wichtigen Teil des Stadtbilds gehörte, ist vorbei.

Neben der Digitalisierung wird die „Landflucht“ junger Menschen als Grund dieser Entwicklung genannt. Dürens Sparkassendirektor Uwe Willner begründete die Entwicklung in seinem Zuständigkeitsgebiet Kreis Düren damit, dass sich Filialen auf einem Dorf kaum noch rentieren: „Ein durchschnittlicher Sparkassenkunde besucht mehr als 100-mal unsere Internetfiliale, nutzt fast 200-mal unsere Smartphone-App, kommt aber nur noch einmal im Jahr in die Filiale vor Ort.“

In der Städteregion Aachen ist zum Jahreswechsel auch der Betrieb des Geldautomaten im Straßenverkehrsamt des Gewerbegebiets am Aachener Kreuz (Würselen) eingestellt worden.

Als Grund gibt die Sparkasse Aachen an, für die Zahlungen der Leistungen im Straßenverkehrsamt würden zunehmend der Einsatz von Kartensystemen als Zahlungsweg angeboten und bevorzugt. Entsprechend sei die Nutzung des nur zu Öffnungszeiten des Gebäudes zugänglichen Geldautomaten stets weiter zurückgegangen. Die Sparkasse bleibe im Gewerbegebiet mit einem SB-Center und einem weiteren Geldautomaten in einem Einkaufsmarkt präsent.

Laut Timmermanns soll es danach aber keine weiteren Abschaltungen von Automaten geben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert