Gefahr für Leib und Leben: Streit um Baesweiler Pappeln

Von: Karl Stüber
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Die Gefahr ist offensichtlich: In unmittelbarer Nähe zur Ausstellungsfläche des Steinmetzbetriebes (l.) an der B 57 in Baesweiler stehen riesige Pappeln, deren Standfestigkeit ein Gutachter warnend in Zweifel gezogen hat. Im Hintergrund ist ein umgekippter Baum zu sehen. Foto: Karl Stüber
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Engagiert im Naturschutz und ein Fürsprecher auch für Saatkrähen: Hans Raida aus Herzogenrath (l.). Foto: Karl Stüber
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Einige Zeit sorgte eine Saatkrähenkolonie auch am St.-Brieuc-Platz in Alsdorf (r.) für Ärger.

Baesweiler. Saatkrähen erfreuen sich nicht gerade großer Beliebtheit, vor allem, wenn sie dem Menschen zu nahe auf die Pelle rücken. Nistende Vögel dieser Art haben schon mehrfach im Nordkreis zu großem Ärger geführt. Lärm und Kot sind in der Tat problematisch.

Krähenkolonien verschwanden aus den Bäumen am Parkplatz nahe dem Alsdorfer Hallenbad (St.-Brieuc-Platz) ebenso wie aus dem Volkspark Baesweiler und einem Wäldchen in Oidtweiler, wie Hans Raida, Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), gegenüber unserer Zeitung in Erinnerung ruft.

Der Herzogenrather ist Mitglied des Landschaftsbeirates der Städteregion Aachen. Das Gremium hat jetzt dem Fällen von Pappeln am Rande des Betriebsgeländes eines Steinmetzbetriebes in Oidtweiler aus rechtlichen Gründen zugestimmt, obwohl dort eine Saatkrähenkolonie schon mit dem Nestbau als Vorbereitung auf die nächste Brutzeit beschäftigt ist, wie Raida festgestellt hat.

Stockfäule festgestellt

Der Eigentümer des Steinmetzbetriebes an der B 57 hatte die Fällung von zwölf Pappeln aus Gründen mangelnder Verkehrssicherheit beantragt. Die 50 bis 60 Jahre alten und rund 30 Meter hohen Hybridpappeln stehen direkt am stark frequentierten Außenschaugelände des Betriebes. Es waren bereits Gegenstände (Starenkästen) auf das Außengelände gefallen, heißt es seitens des Umweltamtes der Städteregion.

Ein Baum-Gutachter hatte daraufhin exemplarisch fünf der Pappeln auf deren Verkehrssicherheit untersucht. Laut Aufsichtsbehörde hat er nachgewiesen, „dass die Bäume stark gefährdet sind und eine akute Gefahr für Leib und Leben darstellen“. Die Stichworte lauten: Stockfäule, Defizite im Kronenaufbau, Befall mit Pappelbock, Erreichen des Lebensalters. Es sei nicht auszuschließen, dass ein Baum auf das Außengelände der Firma stürzt.

Zuletzt 50 Nester gezählt

Auch für die nicht explizit untersuchten sieben Bäume gilt es laut Gutachten als wahrscheinlich, „dass sie eine Stockfäule aufweisen und somit in ihrer Bruch- und Standfestigkeit gefährdet sind“.

Im vergangenen Jahr wurden jedoch in den nun zum Fällen anstehenden Pappeln 50 und im angrenzenden Baumbestand entlang der B57 weitere 17 Nester gezählt. Die Saatkrähe ist als geschützte Tierart eingestuft. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, „Fortpflanzungs- oder Ruhestätten wild lebender Tiere aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören. Außerdem darf sich der Erhaltungszustand der lokalen Population nicht verschlechtern“, heißt es in der Entscheidungsvorlage.

Aber von diesem Verbot kann laut Bundesnaturschutzgesetz eine Befreiung erteilt werden, wenn eine unzumutbare Belastung vorliegt – „zum Beispiel bei Verursachung eines enteignungsgleichen Eingriffs an einem Grundstück mit Vorkommen geschützter Arten oder bei objektiver unverhältnismäßiger Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit“.

Ohne Fällen der Pappeln könnte Gefahr für Leib und Leben „ausschließlich durch Absperrung des Außengeländes beseitigt werden“. Und die Behörde weiter: „Das Außengelände ist aber essenzieller Bestandteil des Betriebs, und eine alternative Lage ist aufgrund der Platzverhältnisse nicht gegeben.“ Heißt also: Es darf gefällt werden.

Aber das geht laut Umweltamt der Städteregion nicht ohne „Verminderungs- beziehungsweise Kompensationsmaßnahmen“: Fällung außerhalb der Brutzeit; Erhalt der Stämme bis zu einer Höhe von drei bis vier Metern, so dass der vorhandene Nistraum für Spechte und andere weiter erhalten bleibt; Pflanzung von zwölf Ersatzbäumen.

Ausweichquartier am CAP?

Raida bedauert, dass zwischen Erstellung des Gutachtens und Gestatten der Fällaktion viel Zeit vergangen ist und die Krähen mittlerweile mit dem Nestbau begonnen haben. Fraglich ist, wohin die Saatkrähen ausweichen, wenn ihre Nistplätze abgeholzt werden.

Auch das Umweltamt ist sich da nicht sicher und schreibt: „Ob die lokale Saatkrähenpopulation durch Übersiedeln der Krähen in den Baumbestand entlang der B 57, in dem schon ein Teil der Population gebrütet hat, erhalten bleibt, ist fraglich.“ Nach den Erfahrungen der Städteregion lösten sich kleinere Splitterkolonien der Saatkrähen nach wenigen Jahren auf.

Was schlägt der Nabu vor? Die Saatkrähen könnten am Haldenfuß am Rande des Carl-Alexander-Parks (CAP) angesiedelt werden – aber an der Boscheln zugewandten Seite, nicht in dem von Erholungssuchenden genutzten Bereich. Offen bleibt, ob die Krähen der Einladung auch folgen.

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