Gedenken und Mahnung zum Volkstrauertag

Von: Beatrix Oprée
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Versöhnung über den Gräbern: Erinnerung an die Toten durch Krieg und Gewalt weltweit. Foto: W. Sevenich

Würselen. „Arbeit für den Frieden – Versöhnung über den Gräbern“: Im ganzen Nordkreis haben die Bürgermeister, Mitbürger, Institutionen und Vereine am Volkstrauertag am Sonntag der Kriegstoten und der Opfer von Gewalt weltweit gedacht.

In Würselen begrüßte Bürgermeister Arno Nelles in der Aula der Realschule eine stattliche Zahl an Abordnungen der Vereine, zudem Repräsentanten der Feuerwehr und der Polizei sowie der Bundeswehr mit Oberstleutnant Deussen an der Spitze. „Wir haben das unverschämte Glück, dass wir in Europa schon sieben Jahrzehnte in Frieden leben dürfen“, sagte Nelles. Je größer aber die zeitliche und räumliche Distanz werde, desto größer werde die Selbstverständlichkeit, rief er ins Bewusstsein, dass im Kleinen wie im Großen Tag für Tag Frieden neu erarbeitet werden müsse. Nur durch individuelles Leid werde dessen Tragweite erfahrbar.

Gemeinsames Projekt

Lobende Worte fand Nelles für ein interkommunales Projekt der Ortsverbände Stolberg und Würselen des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge: Die Idee sei zu Beginn des Jahres engagiert gemeinsam vom Goethe-Gymnasium in Stolberg und vom Heilig-Geist-Gymnasium in Broich aufgegriffen worden. 20 HGG-Schüler beschäftigten sich mit der Geschichte der Juden aus Würselen bis zur Vertreibung und ihrem grausamen Tod in den Konzentrationslagern, während acht Goethe-Schüler eine gemeinsame Exkursion mit Besuch des Soldatenfriedhofs in Vossenack, des jüdischen Friedhofs an der Lütticher Straße und der Synagoge in Aachen sowie des US-Soldatenfriedhofs Margraten in Kurzfilmen dokumentierten. Nelles dankte ihnen aufrichtig dafür.

Der Volkstrauertag ist mehr als ein Tag des Gedenkens: „Er ist viel mehr: Dieser Tag ist auch Mahnung!“, schrieb HGG-Schülerin Rebecca Kaminski, die wie am Tag zuvor in Bardenberg eine beeindruckende Gedenkrede hielt, allen Generationen ins Stammbuch. „Heute erinnern wir, heute mahnen wir! Wer weiß, ob die Menschheit einen dritten Weltkrieg überleben wird.“ Sie zitierte den französischen Philosophen Albert Camus: „Es ehrt unsere Zeit, dass sie genügend Mut aufbringt, Angst vor dem Krieg zu haben.“ Und weiter: „Der heutige Tag ist dafür gut, uns bewusst zu machen, dass Krieg das Leben verkürzt und den Tod näher holt.“ Für wichtig hielt es Rebecca Kaminski, „dass wir das Leben schätzen“.

In unserer schnelllebigen Zeit werde der Mensch meist nur nach Leistung beurteilt. „Der Tod allerdings zieht oft genug einen Strich durch diese Rechnung!“ Die nicht einmal 18-jährige Schülerin appellierte, von Generation zu Generation weiter zu geben, „was unsere Geschichte – sowohl die unseres Landes als auch die unserer Familien – ist.“ Am Ende ihrer bewegenden Rede trug die HGG-Schülerin das von Ludwig Uhland 1808 verfasste und 1925 von Friedrich Silcher vertonte Gedicht „Der gute Kamerad“ vor. Sie rief mit Nachdruck dazu auf, dass Frieden auf der Erde keine Utopie bleibe, wie Astrid Lindgren es befürchtet habe.

Musikalisch angemessen umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung vom Kammermusikkreis der Stadt Würselen unter Leitung von Julia Prinsen. Das musikalische Geleit zum Ehrenfriedhof, wo am Mahnmal Kränze niedergelegt wurden, gab das Bundestambourkorps „Alte Kameraden“.

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