Gedenken an Opfer des Brandanschlags

Von: mabie
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Rassismus keine Chance geben: Dichter Hüseyin Pehlivan (l.), Angelika Wamper (2.v.l.) und Manfred Radermacher (3.v.l.), Bündnis gegen Rechts, Bürgermeister Christoph von den Driesch (3.v.l.), Ahmed Brimil (2.v.r.), Integrationsrat, und Vertreter der Falken mit Beate Kuhn (r.). Foto: M. Bienwald

Herzogenrath. Fassungslosigkeit, Trauer, Entsetzen: Noch immer können Menschen, die das, was vor 20 Jahren in Solingen geschah, kaum fassen, kaum Worte dafür finden. Am Mittwochabend versuchten rund 50 Anwesende vor dem Kulturtreff des Herzogenrather Integrationsrates am August-Schmidt-Platz in Merkstein das zu verarbeiten, was bis heute die Gemüter aller Menschen bewegt.

Damals wurden Gürsun Ince, Hatice Genc, Gülustan Öztürk, Hülya Genc und Saime Genc Opfer eines schrecklichen Brandanschlags von Rechtsextremen, die im Haus an der Unteren Herderstraße 81 einen Brand legten.

Bürgermeister Christoph von den Driesch zitierte in seiner kurzen Ansprache die Worte von Mevlüde Genc, die bei dieser Wahnsinnstat fünf Kinder verlor und zu Grabe tragen musste. „Ich vertraue unserem Staat“, sagt sie noch heute, machte der Erste Bürger Rodas klar. „Diese Aussage sollte nachhaltig unsere gemeinsame Motivation sein, rechtsradikalen Tendenzen in unserer Demokratie keine Plattform zu bieten“, so von den Driesch, „sie gehören nicht in unseren Staat, sie gehören nicht in unsere Stadt“.

Nicht nur in der Zeit nach der Tat, die Auseinandersetzungen und gewaltsame Ausschreiten zwischen Demonstranten zur Folge hatte, sondern auch gerade in der heutigen Zeit des laufenden NSU-Prozesses, werde immer wieder deutlich, wie wichtig es sei, „dem nationalsozialistischen Terror vehement die Stirn zu bieten“. Ahmed Brimil vom Integrationsrat der Stadt Herzogenrath sieht die Zeit für jeden demokratisch denkenden Menschen gekommen, Flagge zu zeigen. „Der NSU-Prozess ist ein Beweis für die Unfähigkeit aller Demokraten im Land, diese Dinge zu verhindern“, sagte er.

Wer hat versagt?

Vor dem Hintergrund, dass in Artikel eins des Grundgesetzes die Menschenwürde als unantastbar postuliert wird, stellte sich Brimil die Frage, wer versagt habe, die Würde des Menschen zu schützen. „Ist der Staat nicht in der Lage, seine Schutzaufgaben zu erfüllen?“, fragte er. Um dies zu beantworten, sei ein ständiger Dialog der Verständigung nötig, ein gemeinsames Aufstehen gegen extreme Tendenzen.

Der Integrationsrat in Herzogenrath trage dazu bei, in diesem Land in Frieden zu leben. Doch Brimil wollte auch gesichert wissen, dass die Identität der Menschen, die teilweise vor über 50 Jahren nach Deutschland gekommen seien, um das Land nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen, auch gewahrt bleibe. Manfred Radermacher vom Herzogenrather Bündnis gegen Rechtsextremismus sprach mit Blick auf das, was in Solingen geschah, von einem Schock für NRW, das erkennen musste, dass Fremdenhass im Land angekommen sei.

Mindestens 140 Menschen seien seit dieser Zeit durch den rechten Terror getötet worden. Da sei es ein überaus deutliches Zeichen der Stadt, dass sich mittlerweile mehr als 45 Gruppen in Herzogenrath dem 1992 gegründeten Bündnis gegen Rechtsextremismus angeschlossen hätten.

„Bunt statt Braun“

„Dem Bündnis ist es gelungen, durch den Herzogenrather Appell den Grundstein für das Verbot der rechtsextremen Kameradschaft Aachener Land zu legen. „Doch die Menschen dahinter sind noch da“, warnte Radermacher, „rechtsextreme Gesinnung ist auf keinen Fall akzeptabel, nie und unter keinen Umständen“. Seine Sprecherkollegin Angelika Wamper unterstrich das Motto „Bunt statt Braun“.

Auch sie zog Parallelen zwischen den Solinger Morden und dem derzeitigen NSU-Prozess. „Es ist lange her, aber die Wunden sind nicht verheilt“, so Wamper, „die Toten wurden in der Türkei beerdigt, die Täter aber leben unter uns“. Sie rief dazu auf, immer wachsam zu sein, nicht leeren Herzens solchen Geschehnissen gegenüber zu stehen und Hand in Hand miteinander zu leben.

Der Dichter Hüseyin Pehlivan erinnerte in seinen Worten schließlich noch an das, was er empfand, als die Solinger Morde offenbar wurden. Er sprach von einem Rückfall ins Mittelalter, davon, dass seine Hoffnungen, die er mit dem Leben verband, durch Ängste zerstört seien.

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