Geburtsklinik am MZ steht vor dem Aus

Von: Verena Müller und René Benden
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Die Geburtenabteilung im Medizinischen Zentrum Würselen schreibt rote Zahlen. Foto: Silvia Marks/dpa

Würselen. Der Fortbestand der Geburtshilfe des Medizinischen Zentrums (MZ) steht auf der Kippe. Offiziell ist es noch nicht, aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass es sie schon im nächsten Jahr nicht mehr geben könnte.

Wenn man mit dem Geschäftsführer des MZ, René Bostelaar, über diesen Teil der Gynäkologie aus rein kaufmännischer Sicht spricht, hört sich das so an: „Es gibt Benchmarks. Wenn man danach fragt: ,Wann ist eine Geburtshilfe finanzierbar?‘, dann liegt die Grenze bei 600 Geburten im Jahr.“ Und am MZ waren es im vergangenen Jahr 404. Der Trend am MZ hätte in den vergangenen drei Jahren „stabil tief“ gelegen, so Bostelaar. Wenn man sich aber den Verlauf der vergangenen Jahre anschaut, so kann man den Trend auch anders beschreiben: sinkend. 2012 waren 488 Kinder am MZ zur Welt gekommen, 2013 507 und 2014 479. Zum Vergleich zu anderen Häusern: In Stolberg waren es im vergangenen Jahr 1287, in Eschweiler 581, in Simmerath 262, am Uniklinikum Aachen 1240, im Aachener Luisenhospital 1079 und im Marienhospital 591.

Warum das so ist, dafür hat Bostelaar keine eindeutige Erklärung, aber ein paar Erklärungsversuche: Die Frauen, die gebären, würden älter, die mit einer Schwangerschaft und Geburt verbundenen Risiken würden steigen. „Da werden die Frauen anspruchsvoller und wollen lieber, das an das Krankenhaus eine Kinderklinik angeschlossen ist. Die haben wir aber nicht“, sagt Bostelaar. Insgesamt würde kritischer hingeschaut – und obwohl beispielsweise die drei Kreißsäle neu gestrichen und Angebote wie Geburt in der Wanne oder auf dem Hocker vorgehalten würden, würde das möglicherweise nicht reichen. Denn Zusatzangebote wie Familienzimmer oder ein Frühstücksbuffet gebe es nicht, auch keine Kursangebote durch Hebammen.

Was das Finanzielle anbelange, kämpfe die Abteilung mit den gleichen Problemen wie es sie an anderen Häusern auch gebe: „Sechs Leute müssen rund um die Uhr in Bereitschaft sein und es muss immer ein OP freigehalten werden“, so Bostelaar. Bei im Schnitt 1,1 Geburten am Tag kann man sich leicht ausmalen, dass es viele Tage gibt, an denen Personal und Räume nicht ausgelastet sind. Eine halbe Million Euro im Jahr macht die Abteilung deshalb Miese. Nicht ungewöhnlich, sagt Bostelaar: „Es gibt Fächer, die einfach die Verlierer sind. Die Geburtshilfe ist immer ein Zuschussunternehmen.“ Irgendwann müsse man sich dann eben entscheiden: Ja oder Nein?

Fragt man ihn, ob er den Gesellschaftern empfehlen würde, die Geburtshilfe zu schließen, weicht er aus: „Da kann ich nichts zu sagen.“ Bis jetzt seien die Zahlen „ok“ gewesen, aber man müsse auch sehen, wie sich das gesamte Krankenhaus entwickle, damit es als modernes Unternehmen fortbestehen könne.

Genau aus diesem Grund ist es wahrscheinlich, dass eine Entscheidung gegen den Erhalt der Geburtsklinik getroffen wird. Vor noch nicht allzu langer Zeit stand das MZ vor dem wirtschaftlichen Totalschaden und war tief in die roten Zahlen gerutscht. Mit einem radikalen Sanierungskurs – Bettenabbau, Stellenabbau, Investitionen von knapp 50 Millionen Euro inklusive – hat die Geschäftsführung das Haus wieder in die Gewinnzone geführt. Das ist auch zwingend erforderlich, wenn das MZ fristgerecht seine Verbindlichkeiten bedienen will. Eine Abteilung, die Verluste macht, kann sich das Haus aus rein ökonomischer Sicht kaum leisten. Und die Geburtsklinik macht Verluste.

Die konsequente Ökonomisierung des Würselener Krankenhauses dürfte jedoch seine Betreiber und auch die städteregionale Politik in eine Zwickmühle bringen. Denn in der Städteregion hatte man immer betont, für die Menschen im Nordkreis ein Krankenhaus haben zu müssen, das alle medizinischen Bedürfnisse abdeckt. Aus diesem Grund ging der Städteregionstag vor gut zwei Jahren mit großer Mehrheit das Wagnis ein, das defizitäre Haus weiter zu 50 Prozent in kommunaler Hand zu belassen. Vor gut einem Jahr verteidigte Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) diesen Schritt mit den Worten: „Ein privater Krankenhausbetreiber wird die Abteilungen, die er nicht rentabel betreiben kann, einfach schließen. Das wäre für die medizinische Grundversorgung der Region ein riesiges Problem.“ Genau das scheint die Städteregion als Betreiber nun selbst zu erwägen.

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