Gebastelte Brandmaschine: Wegen versuchten Mordes angeklagt

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Alsdorf. Händeringend versuchte am Mittwochnachmittag der Vorsitzende der Aachener Schwurgerichtskammer, Richter Roland Klösgen, auf den Angeklagten Kai Friedrich K. (29) einzuwirken. Er solle ihn und die gesamte Kammer doch bitte nicht für dumm verkaufen, empfahl Klösgen energisch.

Denn der arbeitslose und drogenabhängige K. ist immerhin wegen versuchten Mordes angeklagt und hatte beinahe bis zum Ende der Hauptverhandlung zu den massiven Vorwürfen geschwiegen, sogar angedeutet, dass die Wohnungsvermieter selber womöglich für den Brand verantwortlich seien.

Nun aber drängte es den jungen Mann, dem vorgeworfen wird, mit einer selbst gebastelten Brandvorrichtung – es war ein präparierter Elektrogrill – in den frühen Morgenstunden des 25. August 2016 einen Brand in seiner Alsdorfer Wohnung gelegt zu haben, dem Gericht seine eigene Sicht der Dinge zu offenbaren.

Er habe den Elektrogrill tatsächlich präpariert, hatte er zunächst dem Richter gestanden. Doch das ganze Geschehen sei eher als eine Warnung an die Umwelt gedacht gewesen. An dem Tag sei ihm beispielsweise der Strom abgestellt worden. So habe er die Sache mit der Zeitschaltuhr, an die die Brandmaschinerie angeschlossen war, nicht im Griff gehabt. „Herr Richter“, flehte er, „glauben Sie mir doch, ich wollte die Uhr auf den Nachmittag einstellen und nicht auf die nächtlichen Morgenstunden.“ Ob das wirklich so war, zweifelte Klösgen vehement an.

Er habe ein normales Handtuch auf den Grill gelegt, damit das verschmore. Es habe allerdings nicht brennen sollen, versuchte der Angeklagte die schreckliche Sache in einem rosaroten Licht erscheinen zu lassen. In diesem Sinne wollte K. dem Vorsitzenden klar machen, dass das Ganze keine menschlichen Opfer hatte kosten sollen. Nur knapp waren allerdings die Mitbewohner davon gekommen.

Die Hausbesitzerin war gegen 4.30 Uhr in der Frühe zufällig wach geworden, hatte den beißenden Rauchgeruch bemerkt – und die Feuerwehr gerufen. Sie brachte sich und den Sohn in Sicherheit, andere Mieter wurden später von der Feuerwehr aus dem Haus geholt.

Die Wehr war schnell vor Ort und löschte den Brand, noch bevor er auf das gesamte Haus übergreifen konnte. Der Elektrogrill, so erkannte man erst später, war mit einem Verlängerungskabel durch das Bad-Fenster an eine Steckdose in einem Hinterhaus angeschlossen worden, in der Wohnung von K. am Übacher Weg gab es ja keinen Strom mehr.

In der Nähe des Grills lagen zwei Plastikflaschen mit Bioethanol, einem effektiven Brandbeschleuniger, wie der Sachverständige feststellte. Die beiden Flaschen habe er nicht vorsätzlich dort deponiert, versuchte der Angeklagte sein Glück, er habe „bestimmt keine Leute umbringen wollen“, beschwor er das Gericht. Ob die Kammer ihm glaubt, ist mehr als zweifelhaft. Am Donnerstag werden die Plädoyers gehalten und womöglich ein Urteil gefällt.

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