Herzogenrath - Gebäudereiniger müssen mehr als „nur“ putzen können

Gebäudereiniger müssen mehr als „nur“ putzen können

Von: Nadine Tocay
Letzte Aktualisierung:
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Das Gebäudereiniger-Handwerk ist das beschäftigungsstärkste in Deutschland: Neben der Glasreinigung zählen auch die Schädlingsbekämpfung und Tatortreinigung zu den Aufgaben. Foto: Jens Büttner/dpa
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Britta, Jochen und Martina Herbst (v.l.) sind erfolgreich in ihrer Branche. Auszubildende zu finden, ist jedoch ein Problem. Foto: N. Tocay

Herzogenrath. Das Gebäudereiniger-Handwerk ist mit rund 600.000 Mitarbeitern das beschäftigungsstärkste in Deutschland. Doch auch in dieser Branche suchen viele Betriebe vergeblich nach Auszubildenden. So auch die Gebäudereinigung Martina Herbst aus Kohlscheid.

„Wir haben momentan rund 100 Mitarbeiter, aber das mit den Azubis ist schwierig“, erklärt Martina Herbst. Kaum jemand wolle auf diesem Gebiet eine Ausbildung machen, da das Image des Gebäudereinigers einen „negativen Touch“ habe; und diejenigen, die sich bewerben, entsprächen häufig nicht den Anforderungen.

Bereits seit 17 Jahren gibt es den Betrieb, den Martina Herbst mittlerweile gemeinsam mit ihren Kindern Britta und Jochen Herbst stemmt. „Die Leute denken immer nur: Putzen, das kann ja jeder“, sagt sie. Doch „nur“ Putzen beschreibt das Dienstleistungsspektrum der Firma nicht annähernd; der Job ist nämlich vielseitig: Herbst und ihre Mitarbeiter entrümpeln, reinigen Teppiche und Glasflächen, bekämpfen Schädlinge, führen Bauabschluss- und sogar Tatortreinigungen durch. Die Auftraggeber reichen von Privatkunden bis hin zu Firmen und Institutionen.

Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Gebäudereiniger. In der Berufsschule erlernen die Azubis das theoretische Wissen, um in der Praxis zu bestehen, unter anderem wie man Flächen richtig behandelt und wie Reinigungsprozesse funktionieren; darüber hinaus beschäftigen sie sich mit Grundlegendem der Fächer Chemie, Mathe und Biologie. 16 Jahre ist das Mindestalter, um die Lehre zu beginnen. Ein Schulabschluss ist nicht erforderlich - und dennoch mangelt es an Bewerbern.

„Wir hatten letztens eine junge Frau hier. Als sie erfahren hat, dass sie ein- bis zweimal pro Woche nach Köln zur Schule müsste, ist sie in Tränen ausgebrochen, weil sie sich die Fahrt in eine so große Stadt nicht vorstellen konnte“, erzählt Herbst. Es käme häufig vor, dass junge Bewerber recht behütet aufgewachsen und unselbstständig seien. Auch die Themen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit seien ein Problem.

Jochen Herbst erzählt, es habe vor einiger Zeit ein junger Mann ein Praktikum gemacht: „Montags kam er arbeiten, dienstags meldete er sich krank. An einem anderen Tag rief er an und sagte, dass er verschlafen hat, aber er käme am nächsten Tag wieder.“ Als er ihm im Abschlussgespräch sagte, dass er nicht übernommen werde, sei der Praktikant überrascht gewesen.

Die Arbeitseinstellung vieler Bewerber sei ein Problem. „Man darf sich in dem Job halt einfach nicht zu schade zum Arbeiten sein“, fasst Jochen Herbst die recht niedrigen Ansprüche zusammen. Jeder, der zeige, dass er den Willen habe, zu arbeiten, würde ein Chance erhalten.

Um es den Auszubildenden leichter zu machen und neue Bewerber zu generieren, übernimmt der Betrieb sogar die Kosten für Schulmaterial und den Fahrtweg dorthin. Die Firma stellt ihre Auszubildenden auch für Nachhilfestunden frei.

Nach einer erfolgreichen Gesellenprüfung kann sich der Gebäudereiniger zum Meister, Fachwirt oder Desinfektor weiterbilden. Ein beruflicher Aufstieg zum Kolonnenführer oder Vorarbeiter ist ebenfalls möglich. Ist der Geselle mit der Ausbildung fertig, erwartet ihn ein Tariflohn von 13,25 Euro. Auch Trinkgeld käme insbesondere bei Aufträgen von Privatkunden häufig hinzu. Teamfähigkeit, die Spontanität, sich schnell auf neue Situationen einstellen zu können und Spaß am Umgang mit Menschen seien in dem Beruf wichtig, erklärt Jochen Herbst.

Die Herkunft spielt im Betrieb Herbst keine Rolle. Menschen mit unter anderem spanischer, portugisischer, russischer, polnischer und irakischer Herkunft arbeiten dort. „Wir sind multikulti. Und ein tolles Team. Wir halten zusammen wie Pech und Schwefel“, meint Martina Herbst.

In den vergangenen Jahren hatte die Gebäudereinigung weniger Probleme als aktuell, Auszubildende zu finden. Jochen Herbst mutmaßt, woran es liegen könnte: „Im gesamten Handwerk gibt es Nachwuchsmangel. Die anderen Branchen schrauben ihre Erwartungen nach unten, und stellen auch Azubis ein, die sie früher nicht genommen hätten. Die hätten es sonst vielleicht bei uns versucht, fallen so aber jetzt für uns weg“, bedauert er.

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