Gebäude der evangelischen Gemeinde sind sanierungsbedürftig

Von: Markus Bienwald
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Ein räumlicher Neuanfang? Den schlägt das Presbyterium mit Hartwig Kamps, Gwendolyn Reusch, Georg Fleps, Britta Rosen, Pfarrer Joachim Wehrenbrecht, Britta Schwering, Ulrike Ermert, Wiebke Gerhardt und Dirk Steinnagel vor. Foto: Markus Bienwald
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Die Markuskirche in Mitte ist einer der beiden Standorte der Evangelischen Kirchengemeinde, die künftig aufgegeben werden könnten. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Das Logo der Evangelischen Kirchengemeinde in Herzogenrath weist eigentlich schon den Weg, den das Presbyterium nun gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern versucht zu gehen: Denn dort führen zwei Wege zu einem Kreuz.

So könnte es auch in Zukunft sein, denn am Sonntag erklärte die Leitungsebene der Kirchengemeinde mit den beiden Sitzen in Kohlscheid und in Mitte den rund 60 Anwesenden bei der Gemeindeversammlung nach dem Gottesdienst in der Markuskirche, wo der Weg der Gemeinde hinführen könnte.

Der von der Leitungsebene einstimmig getragene Vorschlag heißt dabei Verkauf der beiden bisherigen Zentren und aller Liegenschaften und ein Neubau im geografischen Zentrum der Gemeinde. Natürlich waren die Versammlungsbesucher überrascht von dem, was sie da hören mussten. Ablehnung, Akzeptanz oder Aufbruch: All das war aus den durchaus leidenschaftlichen Wortmeldungen der Gemeindeglieder zu entnehmen. Klar war bei fast allen, dass sie vor dem großen Schritt zu einer Lösung aber erst einmal mehr Information haben wollen. „Wir werden Workshops anbieten, in denen wir unsere Idee noch einmal erläutern“, so Pfarrer Joachim Wehrenbrecht, der nach der Verkündigung der neuen Botschaft ein wenig erleichtert wirkte.

Gemeinde laufend informieren

Das Presbyterium will die Gemeinde weiterhin laufend informieren, um zu zeigen, dass es auch darum geht, die Gemeinde zu erhalten und für die Zukunft zu arbeiten. „Dass das noch ein langer Prozess wird, ist allen klar,“ erklärte Wehrenbrecht auf Nachfrage unserer Zeitung, „dennoch habe ich wahrgenommen und gespürt, dass ein Aufbruch zu neuen Ufern auch Energie freisetzt.“ Die Diskussion darüber, nur ein Zentrum zu erhalten, das andere zu verkaufen und das Bleibende zu ertüchtigen, hielten nur wenige Anwesende für einen gangbaren Weg. Das sei keine Lösung, sagte auch der Pfarrer stellvertretend für die Gemeinde, denn dann würden sich immer wieder Menschen benachteiligt fühlen, die ihre Gemeindeheimat verloren hätten.

Eine Idee war auch, sich mit der Katholischen Kirche über die ökumenische Nutzung eines Gemeindezentrums bei selbstständigen Kirchengebäuden für Evangelische und Katholische Christen zu einigen. Aber das war noch nicht spruchreif, wie der Pfarrer unterstrich. „Für mich steht fest, dass eine neue Ausrichtung nur funktioniert, wenn im Presbyterium an einem Strang gezogen wird“. Zudem seien die Mitglieder der Leitung in einem Alter, das solch tiefgreifende Veränderungen zulasse.

Das Presbyterium schlug angesichts der finanziellen Aussichten für das kommende Jahrzehnt vor, die beiden Standorte zugunsten eines neu zu findenden Gemeindestandortes aufzugeben. Hintergrund ist dabei ein auf den ersten Blick kompliziertes Gefüge aus dem Neuen Kirchlichen Finanzwesen (NKF), dem Zustand der genutzten Gebäude und der Einnahmensituation. „Wir müssen mit dem NKF die neu eingeführte Substanzerhaltungsrücklage bedienen“, erklärte Ulrike Ermert, die sich um die Finanzen der Gemeinde kümmert. Auch darum erwirtschafte die Gemeinde mit den derzeitigen Standorten ein jährliches Defizit von 52.000 Euro, dass durch die vorhandene Ausgleichsrücklage zwar noch eine Zeit lang aufgefangen werden könne. Doch irgendwann sei diese Rücklage aufgebraucht und spätestens dann müsse eine Lösung her, so der Tenor der Gemeindeleitung.

Rückläufige Mitgliederzahl

Bei einem geschätzten finanziellen Aufwand für Sanierungen von rund einer Million Euro für die kommenden zehn Jahre sei ein Punkt erreicht, an dem die Gemeinde das nicht mehr leisten könne. „Dazu kommen noch leicht rückläufige beziehungsweise gleiche Einnahmen aus der Kirchensteuer“, ergänzte Ermert. Pfarrer Wehrenbrecht ergänzte, dass die Evangelische Kirchengemeinde Mitte mit rund 35 Gemeindegliedern weniger pro Jahr auch einen stark schrumpfenden Bestand an Mitgliedern habe. „Wir sind nicht mehr in der Lage, Rücklagen aufzubauen, weil es eher ein Verschieben von Geld ist, das immer negativer wird“, machte Ulrike Ermert deutlich.

Wie sehr es bei den Gebäuden ans Eingemachte geht, unterstrich Baukirchenmeisterin Britta Rosen. „Es hat total harmlos angefangen“, sagt sie und verweist auf die nach dem Besuch des Sicherheitsbeauftragten der Landeskirche in Auftrag gegebenen Brandschutzgutachten. Im Zuge der Untersuchungen sei vor allem im Lukas-Gemeindezentrum in Kohlscheid eine ganze Reihe von abzuarbeitenden Punkten herausgekommen, die so nicht mehr haltbar seien. Da wurde beispielsweise beim Bau 1964 nicht nach den eigentlich eingereichten Brandschutzplänen gearbeitet. Zwei Türen wurden damals einfach nicht eingebaut, auch die vor gut zehn Jahren angebrachte Wärmeschutzdämmung sei in ihrer Struktur mittlerweile derart angegriffen, dass eine Überarbeitung dringend Not tue, um künftige Schäden an der Gebäudestruktur zu vermeiden.

Ein weiteres Problem an beiden Standorten sind Heizanlagen, die, wie in Kohlscheid, die zu erwartende Lebensdauer schon überschritten haben, oder wie in Mitte, kurz vor diesem Datum stünden. Alleine für Heizanlagen muss die Gemeinde in den kommenden Jahren etwa 85.000 Euro aufwenden. Die aufgezeigten Punkte in Sachen Brandschutz konnten beseitigt und in Zusammenarbeit mit der Stadt Herzogenrath als Aufsichtsbehörde bisweilen ad acta gelegt werden. Doch bei mit Blick auf stets steigende Energiekosten dringend notwendigen energetischen Sanierungen, die mittelfristig notwendigen Investitionen von gut 350.000 Euro und die langfristigen Maßnahmen im Wert von gut 400.000 Euro seien die beiden Standorte nicht mehr in der jetzigen Form haltbar. „Dazu kommen noch ganz normale Kosten von 10.000 Euro pro Jahr, ohne, dass etwas außer der Reihe gemacht werden muss“, schloss Rosen. Allerdings, da sind sich alle Gemeindeglieder einig, müsse die Finanzierung bei einem Verkauf mit anschließendem Neubau auf soliden Füßen stehen, sonst sei der nun eingeschlagene Weg keine Option für die Zukunft.

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