Gebäude aus den 1950er Jahren sollen moderner Bebauung weichen

Von: Stefan Schaum
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Alt und zum Teil abrissreif: An der Fidelisstraße sollen neue barrierefreie Wohnungen entstehen. Foto: S. Schaum

Baesweiler. Für Arnold Fries stand immer fest, dass diese Wohnung seine letzte sein wird. Schon seit mehr als 30 Jahren lebt er an der Fidelisstraße, und mit seinen 75 Jahren hat er nicht vor, den Umzugswagen noch mal kommen zu lassen. Er findet: altengerecht ist, was man daraus macht.

Zwar hat er nicht viel Platz auf seinen gerade mal 50 Quadratmetern und es gibt nach vorne raus auch ein paar Stufen, „aber dafür kenn‘ ich jeden Winkel. Das ist überschaubar, gemütlich und günstig.“ So war es jedenfalls lange Zeit. Doch das Haus, in dem er seinen Lebensabend verbringen wollte, soll bald weg. Weil an dieser Stelle – und hier wird die Geschichte beinahe tragikomisch – seniorengerechte Wohnungen geplant sind. . .

Widerspruch eingelegt

„Witzig, oder?“, fragt Fries und sieht dabei gar nicht amüsiert aus. Er sitzt am Tisch in der kleinen Küche, wie so oft. „Ich brauch‘ kein großes, schönes Wohnzimmer, ich hab‘ hier meinen gewohnten Platz.“ Dann schaut er raus zu den Bäumen vorm Fenster und sagt, „einen altem Baum verpflanzt man doch nicht“. Ein paar Nachbarn, sagt er, sehen das genau so.

Das Kündigungsschreiben, das er am 1. September von der Baugenossenschaft Baesweiler bekommen hat, liegt auf dem Tisch. Er hat Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt, mittlerweile wird er in der Sache vom Mieterbund vertreten. Sein Sohn Paul sitzt auch am Tisch. „Wir lassen es drauf ankommen“, sagt er. Für ihn steht fest: Der Vater soll bleiben dürfen in dem Haus, in dem auch dessen Eltern schon wohnten.

Erst vor zwei Jahren hat Arnold Fries die ebenfalls angemietete obere Etage aufgegeben und sich ins Erdgeschoss zurückgezogen. Warum er nun ganz gehen soll, kann er nicht nachvollziehen. Dass das Haus energetisch nicht auf dem neusten Stand ist, ist ihm klar. „Aber das ist aus dem Jahr 1954, also noch nicht wirklich uralt. Soll man nun hingehen, und alle Gebäude aus den 1950ern abreissen?“ Nein, das versteht er nicht.

Was die Fidelisstraße betrifft, ist das zumindest zum Teil der Plan. Zehn Vierfamilienhäuser stehen dort auf der von der Albert-Schweitzer-Straße aus gesehen rechten Seite. Von „wohnungswirtschaftlich kritischen Objekten“ spricht Professor Dr. Axel Thomas, kaufmännischer Vorstand der Baugenossenschaft Baesweiler.

Soll heißen: man müsste investieren, um sie auf Vordermann zu bringen – doch das Geld, das dann hineingesteckt wird, bekommt man nicht mehr raus. Vor vier Jahren hat eines der Gebäude versuchsweise ein modernes Wärmedämmverbundsystem bekommen. Da habe man gesehen: viel zu teuer. Thomas: „Da sind wir an unsere Grenzen gestoßen.“

Vier müssen weg

Deshalb liegt für die Häuser der Baugenossenschaft nun folgender Plan auf dem Tisch: Für die fünf hinteren Gebäude Richtung Beggendorf laufen derzeit Verhandlungen mit einem Interessenten, der die Häuser kaufen und selbst auf Vordermann bringen will. Das bereits sanierte Gebäude soll weiterhin im Eigentum der Baugenossenschaft bleiben und vermietet werden.

Die übrigen vier – auch das, in dem Arnold Fries wohnt – sollen abgerissen werden. Nicht heute und morgen, aber definitiv. „Wir haben den derzeitigen Mietern hier eine sehr lange Frist eingeräumt“, sagt Axel Thomas. Erst zum 31. August kommenden Jahres müssen sie raus sein, „zudem sind wir behilflich, neue Wohnungen zu finden“. Fair, findet er.

Wenn alles leer ist und der Bagger da war, gibt es vier leere Grundstücke, aus denen zwei werden sollen. Auf einem davon will die Baugenossenschaft aus eigener Kraft und mit rund 1,5 Millionen Euro ein Zwölf-Familienhaus errichten. Barrierefrei, altengerecht, mit Wohnungsgrößen von 50 Quadratmetern für Alleinstehende und 65 Quadratmetern für Paare.

Modern, jedes mit Balkon und Garage, zentrumsnah gelegen. Die Nachfrage dürfte entsprechend groß sein, ahnt man bei der Baugenossenschaft. Daher soll dieses Objekt Vorbild für ein weiteres Gebäude sein, dass ein privater Investor oder mehrere einzelne Bauherren auf dem Grundstück daneben errichten könnten. So weit der Plan.

Dass es Menschen wie Arnold Fries gibt, die lieber alles beim alten lassen möchten, sieht der Plan nicht vor. Was will man machen? „Man kann nicht immer warten, bis der Letzte freiwillig raus ist“, sagt Bürgermeister Dr. Willi Linkens. „Das ist aus städteplanerischer Sicht nicht vertretbar.“ Was passiert, wird sich zeigen. So schnell will Fries die Koffer nicht packen. „Ich hab‘ gehört, dass ich ja erst ausziehen könnte und dann später in das neue Gebäude wieder einziehen.“ Das findet er dann doch komisch. „Wovon soll ich das denn bezahlen?“

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