Gaststätte „Der Holländer“: Marodes Haus, Ratten und kaputte Straße

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
13916110.jpg
Eine ehemalige Gaststätte steht seit zweieinhalb Jahren leer. Nun hat sich offenbar ein Käufer gefunden. Foto: Karl Stüber
13916108.jpg
Handlungsbedarf in Bardenberg: Die Straße An Steinhaus ist nebst Gehwegen in einem sehr schlechten Zustand. Foto: Karl Stüber

Würselen. Seit zweieinhalb Jahren verfällt die ehemalige Gaststätte „Der Holländer“ an der Ecke Kirchenstraße/Kleine Dorfstraße. Ein Bauzaun vor dem Gebäude zwingt Passanten, auf die Fahrbahn auszuweichen oder gleich die Straßenseite zu wechseln.

Das führt immer wieder zu gefährlichen Begegnungen mit Fahrzeugen, wie Stadtrat Heinz Viehoff (SPD) und Hans Goebbels (UWG) berichten.

Vor Ort fragt eine Passantin nach, ob denn jemand von der Gruppe, die sich ein Bild von dem Zustand des Hauses macht, das Objekt kauft, damit sich da endlich was tut. Ein Schandfleck sei das.

Viehoff antwortet, dass dort eine alte Dame gewohnt habe, die aber leider in ein Heim gekommen sei. Er sehe die Stadt Würselen in der Pflicht, für eine Klärung und die Beseitigung des Gefahrenpunktes zu sorgen. Es müsse ja über die Grundsteuerpflicht und entsprechende Zahlungseingänge klar sein, wer für das Gebäude verantwortlich ist. Und sollte die Kommune gegenüber dem Eigentümer nicht weiterkommen, könnte im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht eine Ersatzvornahme fällig werden, bis hin zum Abriss des Gebäudes, sollte es sich als marode oder gar einsturzgefährdet erweisen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Stadtsprecher Bernd Schaffrath, dass es sich um einen Gefahrenpunkt handelt: „Da das Gebäude aus bauordnungsrechtlicher Sicht einsturzgefährdet ist, wurde die Absperrung errichtet – zur Abwendung weiterer Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung.“ Das Gebäude würde im Rahmen der Ersatzvornahme durch die Stadt Würselen abgerissen werden – eigentlich. Schaffrath verweist jedoch auf eine neue Entwicklung: „Bekannt ist hier aber auch, dass das Gebäude verkauft worden ist. Der Kaufvertrag muss lediglich nur noch durch das Vormundschaftsgericht bewilligt werden.“ Der Käufer habe der Stadt gegenüber bereits eine weitere Verwendung und den Abriss des Gebäudes in Aussicht gestellt, so dass sich die zuvor geschilderte Ersatzvornahme durch die Stadt Würselen erübrigen werde.

Bis dahin gilt aus Sicht der Stadt: „Hinsichtlich der angeführten Gefahr im Straßenverkehrsraum wird angemerkt, dass es sich dort um einen verkehrsberuhigten Bereich handelt und die Fußgänger die Straße nach den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung in ihrer ganzen Breite benutzen dürfen. Die Einrichtung eines Notgehweges ist daher nicht notwendig.“

Sanierungsbeginn noch offen

Dass das Haus leer steht, hat wohl einladend auf einschlägig bekannte Nagetiere gewirkt. Stadtsprecher Schaffrath teilt mit, dass aufgrund einer schriftlichen Beschwerde aus der Nachbarschaft aus dem November 2016 über unter anderem Rattenbefall die Ordnungsbehörde eingeschritten ist. Nach Klärung der Besitzverhältnisse habe die Betreuerin der Eigentümerin „die Beauftragung eines Schädlingsbekämpfers zur Rattenbekämpfung nachgewiesen“.

Aber das ist nicht die einzige „Baustelle“ im Kern von Bardenberg. Wer die Straße An Steinhaus entlanggeht, muss aufpassen und seine Füße schon mal höher heben, um nicht ins Straucheln zu geraten. Die Gehwege sind teilweise in einem erbärmlichen Zustand. Wurzeln haben die Oberfläche gewölbt, stellenweise sogar aufgebrochen. Wie hält es da die Stadt Würselen mit ihrer Verkehrssicherungspflicht, fragen Viehoff und Goebbels? Die Fahrbahn ist ebenfalls in einem schlechten Zustand. Wie mag es um den darunter liegenden Kanal bestellt sein? Wie dringend ist der Sanierungsbedarf?

Das ist ein zumindest sensibles Thema, denn würde saniert, müsste die Stadt Würselen die Anlieger der Straße im Rahmen des Kommunalabgabengesetzes (KAB) mit einer Eigenbeteiligung kräftig zur Kasse bitten.

Hierzu sagte Stadtsprecher Schaffrath, dass die Straße An Steinhaus auf Grund ihres Zustandes in die Liste der Straßen aufgenommen worden ist, für die eine Straßenerneuerung oder ein -endausbau, beides beitragspflichtig, erforderlich ist.

Diese Maßnahmenliste sei im Technik- und Bauausschuss bereits am 1. Dezember 2015 in nicht-öffentlicher Sitzung vorgestellt sowie der Beschluss gefasst worden, für die ersten fünf Maßnahmen (An Steinhaus steht an der fünften Stelle) die notwendigen Vorarbeiten zu leisten. Die Bodenuntersuchungen seien bereits erfolgt.

Zur Vorgehensweise sei festgelegt worden, dass jeweils eine Straßenbaumaßnahme umgesetzt und anschließend abgerechnet wird, damit die eingenommenen Gelder für die nächste Maßnahme wieder zur Verfügung stehen. Die erste Maßnahme auf der Liste, die Kreuzstraße, sei derzeit in der detaillierten Vorbereitung. Ein Baubeginn ist für das letzte Drittel 2017 vorgesehen.

Anlieger müssen sich beteiligen

Wann mit einem Baubeginn für die fünfte Maßnahme An Steinhaus zu rechnen sei, könne derzeit „wegen der Unwägbarkeiten in den Abrechnungsverfahren nicht abgeschätzt werden“.

„Die Verkehrssicherungspflicht liegt immer bei der Stadt, egal in welchem Zustand sich die Straße befindet. Insofern sind sich hieraus ergebende Notmaßnahmen auch bis zur Straßenerneuerung durch diese durchzuführen“, sagte Schaffrath.

Der Zustand des Kanals werde gemäß den gesetzlichen Vorgaben „regelmäßig untersucht“. Die letzte Untersuchung habe im Jahr 2000 stattgefunden; eine erneute Befahrung sei in diesem Jahr durchzuführen.

Die Schadensauswertung der Schmutz- und Regenwasserhaltungen ergebe „neben den üblichen schadhaften Einbindungsstellen der Hausanschlüsse und nicht fachgerechten Stutzen“ eine leichte Korrosion an den Betonrohren sowie vereinzelt Haar-/Querrisse geringer Breite. Die Schachtbauwerke seien alle in ordnungsgemäßen Zustand. Insgesamt sei der Kanal auf Basis der Daten aus 2000 mittelfristig sanierungsbedürftig. Eine genauere Priorisierung ergebe sich aus der anstehenden TV-Untersuchung in diesem Jahr.

Schafftrath bestätigte, dass die vorgesehene Straßenerneuerung beitragspflichtig sei. Die Straße An Steinhaus seit nach dem derzeit gültigen Straßenverzeichnis eine Haupterschließungsstraße mit den nachfolgenden prozentualen Anteilen für die Anlieger: Fahrbahn zu 40 Prozent, Gehweg 65, Beleuchtung und Oberflächenentwässerung 50.

Welche Summen damit auf die Anlieger tatsächlich zukommen, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Erst müsse eine detaillierte Entwurfsplanung als Basis für die Kostenermittlung erfolgen, hieß es aus dem Rathaus. Fristen bzw. konkrete Zeiträume waren nicht zu erfahren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert