Gastschüler aus der Türkei: Nur Schnee gibt es nicht

Von: Holger Bubel
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Präsentierten ihre aufregende
Präsentierten ihre aufregenden Erlebnisse im türkischen Dalaman im Rahmen des Tages der offenen Tür an ihrer Schule: Die Teilnehmer am Comenius-Projekt an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Eine Menge Eindrücke haben die Schülerinnen und Schüler der Comenius-Projektgruppe der Gustav-Heinemann-Gesamtschule von ihrem Besuch ihrer Partnerschule Analdolu Lisesi im türkischen Dalaman mit in die Heimat gebracht.

Doch zwei Erkenntnisse waren besonders nachhaltig: „Die Türken sind nicht so, wie wir hier in Deutschland ein Bild von ihnen haben. Und: Sie sind unglaublich gastfreundlich”, sagen die Jugendlichen von 13 bis 19 Jahren unisono.

Und auch Ralf Bauckhage, der das Projekt betreuende Lehrer bestätigt das: „Der Besuch im Juni war eine faszinierende Zeit, die größte Erfahrung in meinem Job.” Zuweilen war ihm die Aufmerksamkeit, die ihm, seinen beiden Kollegen und den 28 Schülern in Dalaman und Umgebung gewidmet wurde, fast schon peinlich: „Jeder Bürgermeister hat uns empfangen und uns zu allem Möglichen eingeladen”, erzählt Ralf Bauckhage.

Dem einen oder anderen Schüler war es vor der weiten Reise schon ein bisschen mulmig: „Ich war zwar schon mal mit der Familie in der Türkei, aber so ganz alleine mit den Mitschülern - das war schon aufregend”, sagt Hatice Kacmaz. Zwar ist sie selbst Türkin, hatte aber dennoch Vorurteile, gesteht sie. Dass die Türken in der Heimat anders sind, als hier in Deutschland bestätigt auch der 14-jährige Emre Coglan: „Hier leben die Familien noch viel traditioneller.” Und Zehntklässler Nikolai Kues bestätigt den Eindruck seiner Mitschüler: „In Deutschland etwa sieht man mehr türkische Frauen mit Kopftüchern als in der Türkei.”

Dass Türken auch über in Deutschland lebende Türken Vorurteile haben, das mussten die deutschen Schüler ebenso feststellen: „Die glauben dass sie in Deutschland alle nach christlichen Maßstäben leben und alle kein Türkisch mehr können”, erklärt Tobias Neulen aus der Jahrgangsstufe 13. Vorurteile also hüben wie drüben.

Mit dem Gegenbesuch in Alsdorf soll auf diese ein Stück weit abgebaut werden, haben sich die deutschen Gastgeber vorgenommen. „Wir haben unsere Gäste schon darauf vorbereitet, dass die Türken hier nicht so sind, wie in ihrer Heimat, aber wir wollen ihnen ganz viel zeigen, auch wie das Familienleben und die Freizeit bei uns gestaltet werden”, lautet der Tenor.

Seit einer Woche sind die türkischen Schüler mit ihren Lehrern in Alsdorf bei Familien untergebracht. Das Programm, das sie hier geboten bekommen - neben dem rein schulischen - kann sich sehen lassen. Neben Ausflügen in die Städte Aachen und Köln - organisiert von den gastgebenden Schülern selbst - führte sie die Reise auch nach Brüssel, wo sie unter anderem auch das Europaparlament besuchten. Und was privat unternommen wird, da hat jeder Schüler mit seinem Gast ganz eigene Vorstellungen. Viele aber, das zeichnete sich bereits im Vorfeld ab, werden ihre Schützlinge am gestrigen Sonntag zum Heimspiel der Alemannia zum Tivoli nach Aachen begleitet haben.

Einen kleinen Wermutstropfen wird es aber wohl doch in der Gesamtheit des Besuchs geben: „Gerne hätten wir unseren Gästen Schnee präsentiert. Den haben die nämlich noch nie gesehen. Die hätten große Augen”, frohlocken die Comeniusschüler vergebens.
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