Gähnende Leere auf dem Wochenmarkt

Von: Beatrix Oprée
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Gähnende Leere auf dem August-Schmidt-Platz: Die Markthändler beklagen Umsatzeinbußen, seitdem Netto weggezogen ist. Ab 7. Oktober öffnet der freitägliche Wochenmarkt deswegen auf dem Parkstreifen nahe dem neuen Netto-Standort – wie gehabt von 7 bis 14 Uhr. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Wer freitags unbedarft mit dem Auto die Kirchrather Straße entlang am August-Schmidt-Platz vorbeifährt, wird ihn auf den ersten Blick gar nicht entdecken: den Wochenmarkt. Oder besser gesagt: die vier Stände, die jenseits des Platzes im Schatten stattlicher alter Bäume aufgereiht sind.

An diesem Morgen sind es sogar nur drei Verkaufswagen. „Obst und Gemüse macht eine Woche Urlaub“, bekundet der Verkäufer hinter dem Wursttresen, durchaus froh, angesprochen zu werden. Denn die Zahl der potenziellen Kunden ringsum lässt sich an einer Hand abzählen.

Zwei ältere Männer haben sich mit ihren Elektrorollstühlen neben einer der Parkbänke postiert und beobachten stumm rauchend das spärliche Geschehen. Ein Bus hält und entlässt einen Fahrgast, der schnurstracks quer über die Wiese hinweg zur Geilenkirchener Straße marschiert.

Johann Bartnowski vom Wurststand ist schon seit Jahren in Merkstein vertreten, kennt seine Kundschaft. Die wiederum schätzt die schlesischen Spezialitäten, die er sorgfältig hinter der Glasscheibe aufgereiht hat. Krakauer, Wellwurst, Landjäger. „Meine Sorte ist heute gar nicht dabei!“, beschwert sich eine ältere Dame augenzwinkernd.

„Doch, liegt nur an einer anderen Stelle, damit Sie auch mal unser restliches Angebot zur Kenntnis nehmen“, scherzt Bartnowski zurück. Erna Scholz lässt sich zwei Graupenwürste einpacken. Wie jeden Freitag. Was sie von der Verlagerung des Wochenmarktes an die Geilenkirchener Straße und zwar auf den Parkstreifen zwischen Ligusterstraße und dem neuen Netto-Markt hält? „Ach wissen Sie“, erzählt sie fröhlich: „Wir Turnerinnen treffen uns ohnehin jeden Freitagmorgen genau dort in einer Gaststätte. Demnächst haben wir den Markt also direkt vor der Tür!“

Eine ältere Frau mit Rollator nähert sich: „Hier oder ein paar Hundert Meter weiter – das macht für mich keinen Unterschied!“, bekundet sie entschieden und rollt davon, ein paar Landjäger und frisches Sauerkraut im Gepäck.

Maria Lopez-Escobar, die am Bäckereistand ihre Einkäufe tätigt, ist indes weniger glücklich: „Traurig, das Sterben auf dem August-Schmidt-Platz geht weiter!“, befürchtet sie. „Ich wohne seit fast 28 Jahren hier. Der Wochenmarkt hat immer für Leben gesorgt. Was soll jetzt werden?“

Dass die Stadtverwaltung den neuen Standort zunächst für eine Erprobungsphase von drei Monaten avisiert hat, um die Händler vor Ort zu halten, sieht letztlich auch Passant Rudi Blaskiewicz ein. Ansonsten bringt er ähnliche Befürchtungen wie Lopez-Escobar vor: „Es ist einfach schade um den schönen Platz!“

Der Netto-Markt war es, der zuletzt bis zu seinem Umzug in die neue Immobilie an der Geilenkirchener Straße der größte Frequenzbringer auf dem August-Schmidt-Platz war. Jetzt blicken die Markthändler nur noch in die dunklen Fenster eines weiteren leeren Ladenlokals unmittelbar gegenüber.

Bäckereiverkäuferin Marlene Berau bringt es auf den Punkt: „Es war in der vorigen Woche schon ziemlich ruhig! Irgendwann sagt der Chef dann vielleicht, es lohnt sich nicht mehr.“

Genau das ist es, was die Verwaltung verhindern möchte: dass der Merksteiner Wochenmarkt aufgrund schrumpfenden Interesses eines Tages der Vergangenheit angehört. Wenn schon nicht auf dem August-Schmidt-Platz, so soll der Markt zumindest für den Stadtteil erhalten bleiben.

Johannes Vonderbank vom Seefischhandel ist geteilter Meinung, er mag den Platz, auf dem er seine Waren seit weit über zehn Jahren anbietet: „Die Leute haben hier immer zusammengefunden.“ An einer stark frequentierten Straße sei dies so nicht mehr möglich. „Ich fürchte, dass dann einige nicht mehr kommen – aber mal abwarten.“

Andererseits: Auch er hat Einbußen hinnehmen müssen, seit Netto nicht mehr die Kundschaft anlockt. „In den Leerstand muss dringend etwas Neues rein“, bilanziert Kundin Miriam Beus. „Denn der August-Schmidt-Platz darf nicht sterben!“

Aber vielleicht tut sich ja bald schon etwas: Rodas Technischer Beigeordneter Ragnar Migenda legt auf Anfrage unserer Zeitung dar, dass der Eigentümer der vakanten Immobilie schon seit längerem „in intensiven Planungsüberlegungen“ sei, um die baulichen Defizite den Erfordernissen moderner Supermarktgestaltung anzupassen: „Einfach nur einen neuen Mieter zu suchen, reicht hier nicht aus.“ So müsse etwa die Anliefersituation verbessert werden. „Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir zum Erfolg kommen werden.“

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