Fußball lohnt sich für Wirte nicht mehr

Von: Holger Bubel
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Ende mit der Sky-Sportsbar: Wirtin Myriam Reiß vom „Schaufenberger Eck“ macht bei der Preistreiberei des privaten Anbieters Sky nicht mehr mit. Seit 1. September bleibt bei ihr der Bildschirm schwarz. Foto: Holger Bubel

Nordkreis. Manch einer erinnert sich sicher noch gut: Alemannia Aachen in der Fußballbundesliga. Da war die sportliche Welt in der Region noch in Ordnung. Und auch die Gastronomie freute sich. Vor allem die Kneipen mit Bundesliga-Berichterstattung im Bezahlfernsehen profitierten von der Erstklassigkeit der Öcher.

Sowohl bei Heim- als auch Auswärtsspielen der Schwarz-Gelben war die Hütte voll. Zum Fernsehgucken. Und nicht nur das Bier sprudelte, sondern auch der Umsatz bei Übertragungen mit Aachener Beteiligung.

„Da hat sich das Bezahlfernsehen gelohnt. Aber seit Aachen gar nicht mehr übertragen wird, zahlt man nur drauf“, sagt Jürgen Theisen, Wirt der Gaststätte „Zum Türmchen“ in Würselen, der „letzten Kneipe vor dem Tivoli“.

Nach dem neuen Preismodell des Anbieters von Live-TV-Bildern der Bundesliga, Sky, bei dem nicht mehr wie bis zu dieser Saison 2013/14 nur die Quadratmeterzahl für die monatlichen Gebühren berücksichtigt wurden, sondern nun auch die Bevölkerungsdichte, die Kaufkraft und die Sportaffinität der Region mit in die Rechnung einfließen, zahlt der Wirt monatlich 60 Euro mehr.

Gestiegen ist sein Beitrag von 360 auf 420 Euro, macht also jährlich 720 Euro, die er durch Mehrverkauf von Getränken zusätzlich erwirtschaften soll. Bei dem, was einem an einer Brauerei gebundenen Wirt bei einem verkauften Glas Bier übrig bleibt, ist das nicht wenig. „Trotzdem habe ich noch Sky. Aber nur als Service für die Gäste. Mehr Leute bringt das nicht“, hat er erfahren.

So ist auch die Einschätzung von Friedel Schleiden, Wirt der Gaststätte „Altes Rad“ am Baesweiler Reyplatz. Das Sky-Angebot hält er für die Stammkundschaft aufrecht. 50 Euro im Monat berappt er seit dem 1. September mehr für die Bundesliga-Übertragungen. Er räumt aber ein: „Ohne das Bezahlfernsehen könnte ich den Laden samstagnachmittags schließen.“ Seine Stammgäste würden zum Fußballgucken woanders hingehen – und vielleicht dort bleiben. Auch wenn er die ganze Geschichte um das Bezahlen für Fußballübertragungen nicht gerecht findet – „letztlich bezahlen wir doch die Wahnsinnstransfersummen für einzelne Spieler“ – muss er wegen des Servicegedankens im Strom der Anbieter mitschwimmen.

Die Monopolstellung des Anbieters Sky beklagt Benedikt Sigmund. Er betreibt im Sportpark Kohlscheid die Gastronomie. Jährlich zahlt er nun etwa 2500 Euro mehr an Gebühren, rund 10.000 Euro sind es aufs Jahr gerechnet. „Sport- und Fußballübertragungen gehören einfach zu einer Sportsbar“, sagt er. Bei manchen Champions-League-Begegnungen mit besonderer Brisanz strömten allerdings auch bis zu 600 Fußballbegeisterte in die 300 Quadratmeter große Bar.

Eine Gefahr für die Geschäftskombination aus TV-Übertragung und Gastronomie sieht Benedikt Sigmund in den in seinen Augen günstigen Angeboten für Sky-Privatkunden. Und in einem möglicherweise nicht so guten Abschneiden der deutschen Teams im europäischen Wettbewerb.

Der „Preistreiberei von Sky“ ein Ende setzt Myriam Reiß. Die Wirtin vom Schaufenberger Eck in Alsdorf hat die Nase gestrichen voll vom Anbieter. Von 270 Euro auf 440 Euro sollten die monatlichen Kosten für die Bundesligaübertragung angehoben werden, was eine jährliche Mehrbelastung von über 2000 Euro ausmachen würde. Zu viel: „Dieser Service für die Gäste ist finanziell nicht mehr tragbar. Zumal die meisten Leute ohnehin schon Sky zu Hause haben.“

Sie rechnet vor: „Die Auftaktspiele zu Hin- und Rückrunde werden frei übertragen. Wir müssen auch in der Sommer- und Winterpause der Liga weiterzahlen. Das zahlt sich nicht aus.“ Den Aufkleber, der sie als Sky-Sportsbar auszeichnet, hat die Wirtin schon entfernt. Die entsprechende Lichtreklame außen folgt schon bald.

Zudem ist wohl auch eine gewisse Übersättigung im Fußballangebot der freien Anbieter auszumachen: Sport 1 hat jetzt sogar die Regionalligen für sich entdeckt...

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