„Für manchen ist Müll ein Sport”

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Passende Tonnen parat: Mit Modellen zeigen die Abfallberaterinnen Nicole Lürken (l.) und Regina Brück auch in Kindergärten und Schulen, wie die Mülltrennung funktioniert. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Die vielen Helfer und Sammler sind immer noch fleißig unterwegs. Bis zum Samstag dauert der große „Frühjahrsputz” in Alsdorf, der den wilden Müll möglichst dauerhaft aus dem Stadtbild tilgen soll.

Warum die Abfälle überhaupt in Büschen und an Straßenrändern landen und welcher Müll stattdessen in welche Tonne gehört, hat Stefan Schaum mit den Abfallberaterinnen Regina Brück und Nicole Lürken erörtert.

Wie steht es um das Umweltbewusstsein der Bevölkerung? Wer seinen Müll einfach in die Landschaft kippt, wird schon wissen, was er da anrichtet. Oder etwa nicht?

Brück: Nicht unbedingt. Den meisten ist wohl klar, dass sie da Unrecht tun. Aber es wird oft nach dem Motto gehandelt: Da liegt doch bereits Müll, also kann ich meinen getrost dazuwerfen - irgend jemand macht das sicher weg! Es gibt aber auch solche, die etwas loswerden und denken, dass das völlig in Ordnung ist.

Wie das?

Brück: Beim Grünschnitt ist das oft der Fall. Mancher kippt Rasenschnitt oder altes Obst in die Natur und ist überzeugt, dass es dort nicht schadet. Das stimmt aber nicht. Wo so etwas landet, wird alles, was sonst dort wachsen könnte, förmlich erstickt.

Können Sie da Aufklärungsarbeit leisten?

Brück: In solchen Fällen ist das möglich. Es gibt aber auch Ferkel, die das Entsorgen ihres Sperrmülls regelrecht als Sport sehen: Einfach alles in die Landschaft kippen ohne erwischt zu werden! Die erreichen wir nicht.

Ist das ein Sport, der besonders gern in Alsdorf getrieben wird?

Brück: Nein. Das ist dort nicht schlimmer als andernorts. Wer mit offenen Augen durch die Region fährt, sieht leider immer wieder wilde Müllkippen. Aber Alsdorf ist in einer guten Position, die Mülldeponie Warden ist ja direkt vor der Haustür. Das Problem ist nur, dass die Entsorgung meist etwas kostet. Viele regen sich auf, wenn sie bei der Anlieferung zehn Euro pro Kofferraumladung zahlen sollen.

Ist das nicht verständlich?

Lürken: Eigentlich nicht. Zumal die Müllgebühren insgesamt in den vergangenen Jahren immer wieder gesunken sind. Da sind wir langsam an der Grenze des finanziell Machbaren angelangt. Es müsste ein Umdenken stattfinden, die Müllentsorgung sollte man als Dienstleistung sehen, die sie ja auch ist. Eine wichtige Leistung, für die man eben zahlen muss. Da sind auch die Kommunen gefordert, gute Angebote zu machen.

So wie beim Sperrmüll, der in Alsdorf mittlerweile kostenlos und so oft wie gewünscht abgeholt wird?

Lürken: Kostenlos sind die Abholungen ja nicht. Sie werden über eine Umlage finanziert. Aber für eine einzelne Abholung muss eben nicht mehr extra gezahlt werden. Das macht es für viele attraktiver, sie zu nutzen. Wenn jeder eine feste Gebühr für die Entsorgung insgesamt zahlt, ist die Versuchung sicher deutlich kleiner, seinen Müll auf andere Weise loszuwerden.

Brück: Das ist ein schwieriges Thema. Denn anderseits beschwert sich dann womöglich der, der wenige Abholungen seines Mülls benötigt, aber eine komplette Gebühr zahlen muss.

Blickt der Bürger beim Thema Müll denn überhaupt noch durch?

Brück: Das System ist sehr viel komplizierter geworden. In den 80er Jahren gab es nur eine große 240-Liter-Restmülltonne - und dort kam alles hinein. Dann gab es Sammlungen für Papier und Glas. Und schließlich die Gelbe Tonne, die ja hochkompliziert ist.

Die „Plastiktonne”, wie sie der Volksmund nennt.

Brück: Dieser Begriff macht das Problem deutlich: Mancher denkt, dass alles dort hinein soll, was aus Plastik ist. Vom kaputten Kinderspielzeug bis zur Zahnbürste. Das ist aber nicht so. Nur Verpackungen aus Kunststoffen wie Joghurtbecher, Tüten oder Flaschen von Spül- und Pflegemitteln sind erlaubt. Dinge, auf denen Kennzeichnungen wie der „Grüne Punkt” sind. Auch Aluminiumschalen oder Konservendosen sind ein Fall für den Gelben Sack. Doch es gibt viele Fälle, die den Nutzer verwirren können - so darf ein leerer Farbeimer zwar hinein, ein ausgedienter Putzeimer aus demselben Material aber nicht.

Ist es mit dem richtigen Mülltrennen allein getan?

Lürken: Das wesentliche Ziel unserer Arbeit ist die Müllvermeidung. Da hat sich zwar schon etwas bewegt. Heutzutage steckt nicht mehr jede Zahnpastatube in einem Karton, der zusätzlich in einer Folie verpackt ist. Auch Glasflaschen werden zunehmend dünner. Das reduziert die Müllmenge ein wenig. Aber wir sind vor 16 Jahren mit der Beratung und dem hehren Ziel gestartet, die Abfallmenge deutlich zu reduzieren. Das haben wir nicht erreicht. Dazu müsste sich das Konsum- und Produktionsverhalten insgesamt ändern.

In welchen Bereichen sollte das geschehen?

Lürken: Etwa bei Elektronikgeräten. Die könnten so produziert werden, dass sie lange haltbar sind und bei Bedarf auch repariert werden können. Tatsächlich aber kommen immer mehr preiswerte Geräte auf den Markt, die oft nach kurzer Zeit defekt sind und dann weggeworfen werden, weil sich eine Reparatur finanziell nicht lohnt.
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