Alsdorf - Für Lehre werben mit einem Bus voll Technik

Für Lehre werben mit einem Bus voll Technik

Von: Stefan Schaum
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Nicht reden, anpacken: Berater Wilfried Peggen (l.) setzt im Technik-Bus auf praktische Erlebnisse der Jugendlichen. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Klaus Bräu verliert nicht viele Worte. Natürlich könnte er den Schülern eine Menge erzählen über Fräsmaschinen und Elektronik, über technische Ausbildungsberufe und die schulischen Voraussetzungen dafür. Will er aber nicht.

„Die Jugendlichen sollen hier nicht zugetextet werden, die sollen selbst anpacken.“ Hier, das ist ein Gelenkbus, der keine Sitze hat, weil er mit Technik vollgepackt ist. Jüngst steht er vor der Ofdener Realschule. Sein Ziel: Jugendlichen die Lehre in einem technischen Beruf schmackhaft zu machen.

Seit 24 Jahren schickt der Arbeitgeberverband der Metall- und Elek-tronikindustrie in Köln die Busse durch ganz Deutschland. Neun Mobile sind es derzeit. „Als das Ganze begonnen hat, war unser Ziel, die Ausbildungsmöglichkeiten überhaupt mal bekannt zu machen, das waren teilweise ja neue Berufsfelder.“ Heute ist eher das Ziel, die Leerstellen zu füllen. Bräu: „Da herrscht oft richtiger Mangel.“ Im IT-Bereich sei die Nachfrage noch ganz gut, im Elektronikbereich passabel, im mechanischen Bereich aber richtig mau. „Die Schüler können sich oft gar nicht vorstellen, was hinter den Berufen steckt.“

Erinnerungsstütze

Im Bus sollen sie es erfahren durch praktische Erfahrung. Die Schüler kommen rein und dürfen gleich ran. An das kleine Kontrollpult der Fräsmaschine zum Beispiel. Jede Buchstaben-Zahlenkombination, die sie dort eintippen, lässt den Bohrer an einer bestimmten Stelle rotieren. Knapp zehn Minuten vergehen – und die Schüler haben das Ergebnis: ein eingefräster Stern in einem Alu-Werkstück. Das dürfen sie behalten. Als Erinnerungsstütze soll es im besten Fall dienen, wenn es dann an die Bewerbung geht.

Ein Zerspanungstechniker werden? „Ich könnte mir schon vorstellen, sowas zu machen“, sagt der 15-jährige Maurice Weckauf. Er hat einen Onkel in dem Job. „Bislang konnte ich mir nicht viel darunter vorstellen, wenn der von seiner Arbeit erzählt hat.“ Jetzt schon. Und um diese praktischen Übungen geht es ja. „Das kann der Unterricht nicht bieten“, sagt Techniklehrerin Claudia Neugebauer, die es daher sehr begrüßt, dass der Bus erstmals auch in Ofden Station macht. Zwei Tage lang besuchen die Schüler in kleinen Gruppen – nie sind es mehr als zwölf Schüler gleichzeitig – das Gefährt. Auch Siebtklässler sind dabei im Blick. „Es kann nicht schaden, die Berufsfindung früh zu fördern“, sagt Klaus Bräu.

Er spürt in dieser Sache übrigens Aufwind. „Die Zeit der Ausbildungsmuffel scheint langsam vorüber zu sein“, sagt er. Vor fünf, sechs Jahren habe er ständig mit unmotivierten Jugendlichen zu tun gehabt. „Die hatten wirklich keinen Bock auf Lehre.“ Das habe sich geändert. „Die Teenager von heute merken, dass es wichtig ist, Ehrgeiz zu entwickeln – und sie haben auch wieder Spaß daran.“

Wenn er dafür mit dem Bus den Grundstein legt, dann soll ihm das nur Recht sein.

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