Für Elena Wassen geht der Traum von Olympia in Rio in Erfüllung

Von: Stefan Schaum
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Eine von vielen: Ein paar Medaillen hat Elena Wassen auch noch im alten Kinderzimmer in Baesweiler gelagert. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Das Halbfinale könnte durchaus drin sein. Weiter plant Elena Wassen erstmal nicht, die Medaillenträume sind weit weg. Schließlich ist die Konkurrenz bei den Olympischen Spielen im Feld der Wasserspringer groß – und Elena noch ein ganz junger Hüpfer. Ist ja gerade mal 15 Jahre alt, die Baesweilerin. Seit zwei Wochen hat sie schriftlich, dass sie in Rio antreten darf. „Das“, sagt sie, „wird sicher riesig!“

Riesig wie ihre bisherige Karriere. Schon beachtlich, wohin das geführt hat, seit sie als Vierjährige ihre zwei Jahre ältere Schwester Christina im Baesweiler Hallenbad vom Drei-Meter-Turm hat springen sehen und gleich wusste: „Will ich auch! Ich fand das voll toll.“ Von der Parkstraße in Baesweiler ging es für beide zunächst zum SV Neptun Aachen, seit bald vier Jahren leben die Mädchen im Schul- und Leistungssportzentrum Berlin und gehören zur Deutschen Nationalmannschaft.

Ganz schön weit weg von zu Hause. In die Heimat kommen die Schwestern bloß noch drei, vier Mal im Jahr, wie kürzlich wieder. Durchatmen bei Mama Bettina und Papa Josef. Ein paar Tage mal kein Training, bloß Ruhe. Alte Freunde treffen? „Nee“, sagt Elena. Dazu sind sie schon zu lange fort – und schon früher mussten sie viel Zeit ins Training investieren. 20 Stunden pro Woche, drunter geht es nicht.

„Turmtauglichkeitsprüfung“

Was die Höhe betrifft, ist Elena schon ganz oben angekommen. Sie springt vom 10-Meter-Turm, seit sie vor zwei Jahren die „Turmtauglichkeitsprüfung“ – die gibt es tatsächlich – bestanden hat. „Bei Springern unter 18 Jahren muss medizinisch zunächst geklärt sein, dass ihr Körper Sprünge aus dieser Höhe auch verkraftet“, sagt Elena. Schließlich kommt man mit gut 60 Stundenkilometern unten an.

Dass Wasser bei dem Tempo richtig hart ist, hat sie schon erlebt. Das staucht ganz schön zusammen. Im vergangenen Jahr hat sie bei den Europaspielen in Baku die Bronzemedaille geholt, Mitte Juni wurde sie Deutsche Meisterin. Wichtige Erfolge, um sich einen der acht Starplätze für deutsche Springer in Rio zu sichern.

Größer als viele andere

Was die Körpergröße betrifft, hat Elena für eine Springerin keine Traummaße. 1,75 ist sie groß. Gerade mal genug, um bei „Germany’s Next Topmodel“ mitmachen zu dürfen – aber deutlich größer als viele andere Springerinnen. Vor allem die meist kleinen Chinesen dominieren im internationalen Vergleich. „Wenn man nicht so groß ist, ist es leichter, die Drehungen hinzubekommen“, sagt Elena.

Na ja – sie bekommt sie ja auch recht gut hin. Und das will sie vor Rio noch mal in Italien beweisen. In wenigen Tagen findet in Bozen der „Grand Prix“ für Wasserspringer statt. Den nimmt Elena gern mit, denn dort wird draußen gesprungen – genau wie in Rio. „Sicher ein gutes Training“, sagt sie. Ins brasilianische Joao Pessoa fliegt sie dann zunächst. Zum Akklimatisieren. Dorthin wird Christina sie begleiten und die jüngere Schwester beim Abschlusstraining anfeuern. Später, in Rio, fiebern die Eltern aus der Ferne mit.

Mutter Bettina hofft, dass die Sprungwettkämpfe „wenigstens im TV übertragen werden, und nicht bloß als Live-Stream im Internet“. Das sei schon blöd, sagt sie, dass ihre Mädels ausgerechnet in einer Randsportart so erfolgreich sind. „Die holen richtig große Erfolge – und kaum einer merkt‘s.“ Dem Stolz auf die Zwei tut das freilich keinen Abbruch. Auch die Nachbarn und andere aus Baesweiler fragen immer wieder mal bei den Wassens nach, „was die Mädchen noch so machen“. Wenn die jetzt hören, dass Elena ihre Stadt bei den Olympischen Spielen repräsentiert, dann finden die das ganz schön gewaltig.

Baesweiler, das muss man an dieser Stelle noch einmal unterstreichen. Denn weil Elena im Eschweiler Krankenhaus geboren wurde, wird sie von den Medien – national und international – gern mal als Eschweilerin bezeichnet. „Völliger Quatsch“, sagt die 15-Jährige, „schließlich hab‘ ich nicht einen Tag dort gelebt.“

Kleidung bereits da

Repräsentieren wird sie in Rio nicht bloß Baesweiler, sondern als deutsche Athletin gleich mal das gesamte Land. Das Outfit dazu hat sie bereits, aber tragen darf sie es noch nicht. Es gibt Sportkleidung in ihrer Größe mit dem Namen des Sponsors darauf und „Zivilkleidung“ für alle Anlässe – ebenfalls mit Logo. „Ich darf im Grunde gar keine eigenen Sachen anziehen.“

Das gehört dazu. Die Stimmung im Olympischen Dorf und bei anderen Wettkämpfen, die sie sich anschauen möchte, will sie jedenfalls aufsaugen. Und wer weiß? Sollte es am Ende doch zum Sprung aufs Treppchen reichen, dürfte ihr Name durchaus noch ein wenig bekannter werden. Kann ja noch viel kommen, wenn man mit 15 schon ganz oben mitspringt.

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