Alsdorf - Führerschein soll Spaß am Lernen wecken

Führerschein soll Spaß am Lernen wecken

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
mofafuehrer_bu
Fit für den Führerschein: Die Teilnehmer des Projektes „Motivia” sind mittlerweile richtig sattelfest. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Nicht alle Klötzchen bleiben stehen. Ein paar fegt es schon mal weg, wenn einer der Jugendlichen auf seinem Mofa durch den Parcours fährt. „Mit ein bisschen Übung klappt das aber schon”, sagt René.

Dazu noch ein wenig Glück - und er hat seinen Mofa-Führerschein in zwei Wochen in der Tasche. Mit der Theorie hat er jedoch noch ein paar Probleme. Das Lernen fällt ihm überhaupt schwer.

Deshalb nimmt der 15-Jährige derzeit am Projekt „Motivia” teil. Seit 2005 werden Schulverweigerer aus dem Kreis Aachen in Alsdorf Schritt für Schritt wieder an die Schule herangeführt. Es sind Jugendliche, die sich in anderen Schulen verweigert hatten, oft monatelang nicht zum Unterricht gekommen waren. Ohne Aussicht auf einen Abschluss. Ohne Aussicht auf eine Chance.

Die sollen sie nun bekommen. In dem Projekt lernen sie, wieder Spaß am Lernen zu finden. Dazu gehören auch Angebote wie der Mofakurs. Ein Erfolgserlebnis für die Teilnehmer soll er vor allem sein.

Der Weg dorthin ist lang. „Das Üben mit dem Mofa ist cool, aber das Lernen für die theoretische Prüfung macht nicht ganz so viel Spaß”, sagt René. Seit Beginn des Schuljahres sind die ersten Teilnehmer unterwegs. In wenigen Tagen will sich René der Prüfung beim TÜV stellen. Damit das klappt, hat er mit den übrigen Teilnehmern ein Straßen-Modell auf einem Holzbrett gebaut. Auf dem haben die Jugendlichen mit kleinen Autos knifflige Verkehrssituationen nachgestellt.

Dass Lernen auf diese Weise Spaß machen kann, wollen Heiko Gatzke und Ulli Frank den Jugendlichen vermitteln. Die beiden betreuen das Projekt „Motivia” in Trägerschaft des Aachener Vereins „In Via”. Nicht bloß auf dem Verkehrsübungsgelände am Alsdorfer Weiher ist das Fahren ein Thema. Wie man den Bremsweg berechnet oder die Fliehkraft auf Fahrer und Fahrzeug wirkt, sind Dinge, die im Unterricht auf dem Plan stehen. So finden auch Mathematik und Physik Platz im Mofakurs.

Alle zwei Wochen steht die Praxis auf dem Stundenplan. Sozialpädagoge Heiko Gatzke hat für das Projekt eine Fortbildung besucht, um Mofaunterricht geben zu dürfen. Er weiß, wie spaßig so ein Gefährt sein kann. „Ich hatte früher selbst ein Mofa.” Wie Sonderschullehrer Ulli Frank ist er von dem Projekt „Motivia” insgesamt überzeugt. Nur drei Abbrecher in diesem Jahr - das sei eine erfreulich niedrige Quote. Nicht alle der Zwölf- bis 16-Jährigen hatten zuvor eine Förderschule besucht. Auch Haupt- und Realschüler sind darunter.

Finanziert wird das Mofaprojekt vom Träger. Lediglich die Prüfungsgebühr müssen die Jungen und Mädchen selbst tragen. Mit 25 Euro kommen sie aber recht günstig zu ihrem Mofa-Führerschein. Doch bevor das so weit ist, stehen noch ein paar Übungsrunden im Klötzchen-Parcours auf dem Programm.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert