Baesweiler - Frühzeitig sparen, bevor der Saft abgestellt wird

Frühzeitig sparen, bevor der Saft abgestellt wird

Von: Stefan Schaum
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Unterwegs in Sachen Stromsparc
Unterwegs in Sachen Stromsparcheck: Walter Moede berät ALG-II-Empfänger. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Hauptsache, die Glotze läuft. Auch schön hell soll es überall in der Wohnung sein und mollig warm. Dass sich dabei im Hintergrund die Scheibe eines Stromzählers dreht, ist oft gerade denen nicht bewusst, die kaum genug Bares haben, um ihre Stromrechnung zu bezahlen.

Nicht selten kommt es vor, dass Energieversorger einkommensschwachen Haushalten den Saft abdrehen. Denen will nun auch in Baesweiler die Aktion „Stromspar-Check” helfen. Seit 2009 gibt es das vom Bundesministerium für Umwelt geförderte Projekt. In Trägerschaft des Rheinischen Vereins für Katholische Arbeiterkolonien ist das Qualifizierungsprojekt „Spectrum” in Aachen für die Beratung zuständig. Wer Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II bezieht, kann die Berater zu sich nach Hause bitten. Die kennen die Situation gut, denn sie waren selbst mal in dieser Lage. „Bei uns werden Langzeitarbeitslose zu Beratern qualifiziert”, sagt Spectrum-Geschäftsführer Frank Brünker. Sechs sind es aktuell, bislang wurden in der Region knapp 1300 Haushalte beraten. Zwei Mal besuchen die Berater dazu die Wohnungen.

„Beim ersten Mal schauen wir, was man optimieren könnte”, sagt Spectrum-Mitarbeiter Walter Moede. Fast immer sind die Lampen dabei. Die werden beim zweiten Besuch ausgetauscht: Glühbirnen raus, Energiesparleuchten rein. Auch neue Duschköpfe haben die Berater zur Hand, damit der Wasserverbrauch sinkt. So genannten Perlatoren mischen Luft unter den Wasserstrahl. „Dasselbe Wohlgefühl beim Duschen aber nur halb so viel Wasser”, sagt Moede, „da spart man was”. Steckerleisten mit Aus-Schalter gehören ebenfalls zu den Dingen, die die Berater kostenlos spendieren. „Damit die ganzen Stromfresser nicht ständig im Stand-by-Betrieb sind.” Solches Zubehör ist die eine Seite. Die andere ist die, überhaupt ein Bewusstsein für den Stromverbrauch zu schaffen. „Es gibt viele, die gar nicht wissen, dass ein alter Kühlschrank mehr Strom frisst und ein moderner Flachbildschirm viel Strom. Dann wird darüber gesprochen, dass es den Geldbeutel schon, wenn man mal vor die Tür geht, statt sich vor den Fernseher zu hocken.

Viele verlieren den Überblick

Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens begrüßt die Kooperation, die in seiner Stadt von dem Versorger EWV unterstützt wird. „Viele verlieren den Überblick über die Energiekosten und wissen gar nicht, wie sie eigentlich sparen können. Denen wollen wir helfen.” Dass das nötig ist, weiß Sozialamtsleiterin Angelika Breuer. „Mancher sitzt mit richtig hohen Rechnungen bei uns und hat keine Ahnung, wie er die bezahlen soll.” Deshalb laute das Motto nun: Früh ansetzen, damit die Rechnungen gar nicht erst ausufern. Ein Hinweis auf das Beratungsangebot wird für die Verwaltungsmitarbeiter künftig Standard sein.

Rund 130 Euro im Jahr spart im Schnitt ein Haushalt nach einem Besuch der Stromspar-Checker. Moede: „Das ist viel Geld, dass diese Menschen ganz dringend benötigen.”

Hier kann man sich anmelden

Erreichbar ist das Qualifizierungsprojekt „Spectrum” in Aachen, Kasinostraße 37, unter der Telefonnummer 0241/94352807. Etwa drei Wochen dauert es nach der Anmeldung bis zum ersten Hausbesuch der Stromsparchecker.
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