Friedhof verwüstet: Metalldiebe ohne Skrupel

Von: Stefan Schaum
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Schockiert: Wo die wertvolle L
Schockiert: Wo die wertvolle Lampe aus Messing stand, stellt Günther Koch nun ein einfaches Grablicht auf, im Gedenken an seine verstorbene Mutter. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Die Täter waren wählerisch. Und sie haben sich offenbar viel Zeit bei ihrer Diebestour gelassen. Nicht einfach eine Grablampe nach der anderen haben sie von den Sockeln gerissen, sondern nur die richtig großen, schweren.

Die, deren Metallwert beim Weiterverkauf ordentlich was einbringen könnte. An 178 Gräbern auf dem jüngeren der beiden Friedhöfe an der Broichweidener Friedhofstraße hatten sich wie berichtet Unbekannte in der Nacht zum Sonntag zu schaffen gemacht.

Gestern sieht man dort die Spuren ihres schändlichen Werks: herausgerissene Sockel, zersplitterte Grabplatten, Scherben. Hinterbliebenen, die vor den Gräbern ihrer Liebsten stehen kommen bei dem Anblick die Tränen: „Ich hab vor lauter Wut geheult”, sagt Karin Wohnaut, ihre Stimme ist leise, zittrig. Sie blickt auf das, was mal ein Betonsockel war, auf dem eine Lampe auf dem Grab ihrer Schwiegermutter festgeschraubt war. „Die saß bombenfest.” Und doch nicht fest genug. Vermutlich mit einem schweren Hammer wurde der Klotz zertrümmert. Gerade kommt Karin Wohnaut von der Polizei, hat dort Anzeige erstattet. „Bringt wohl nichts”, sagt sie, man habe ihr kaum Hoffnung gemacht, die Täter zu finden. „Aber ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen.” Und was hätte sie auch sonst tun sollen? Losgehen, um eine neue Grablampe zu kaufen? „Nein. Erst mal nicht.” Womöglich kämen die Täter ja noch einmal zurück. „Wenn ich dauerhaft Frieden haben will, muss es wohl eine Lampe aus Plastik sein.”

Grab gerade frisch bepflanzt

Die vielen Besucher, die gestern zu den Gräbern eilen, bilden immer wieder Grüppchen und sprechen über das Geschehene. Sie zeigen einander die Schäden an den Gräbern, blicken auf Löcher, auf herumliegende Splitter und schütteln fassungslos die Köpfe.

Ein paar Sekunden lang hatte Günther Koch am Sonntag gedacht, dass seine Tochter ja vielleicht die Lampe vom Grab seiner Mutter entfernt hatte. „Womöglich wollte sie sie ja mal richtig reinigen.” Ein Anruf bei ihr machte klar: Nein, die hat jemand gestohlen. „Ich kann das nicht fassen. Ich hatte am Samstag noch das ganze Grab in Ordnung gebracht, alles frisch bepflanzt.” Gestern hält er eine Kerze in Händen und hat nichts mehr, in das er sie hineinsetzen könnte. Das Schlimme sei nicht, dass er nun wohl an die 100 Euro ausgeben müsse, um eine neue Lampe zu kaufen. „Das Schlimme ist, dass es offenbar Menschen gibt, die gar keine Skrupel haben und nicht einmal die Totenruhe ehren.”

Es müssen mehrere Täter gewesen sein, offenbar gut vorbereitet. „Dafür braucht man schon einen großen Transporter und schweres Werkzeug”, sagt Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei. Zwar seien auch in der Vergangenheit immer wieder Diebstähle von Grablampen und Grabschmuck gemeldet worden, „doch so eine Dimension ist für uns neu”. Von organisierter Kriminalität mag er in dem Zusammenhang zwar noch nicht reden, aber „von einer gründlichen logistischen Planung”.

Belohnung ausgeschrieben

Das Schloss am Eingang mussten die Täter übrigens nicht knacken: Es war gar nicht zugesperrt. Zwar habe es einmal so genannte Schließerverträge gegeben, doch seien sie nicht verlängert worden, sagt Stadtsprecher Bernd Schaffrath gestern und verweist dabei auf die Höhe des Zaunes, der den Friedhof umgibt: gerade mal knapp 1,50 Meter. Soll heißen: Wer wirklich rein will, der kommt auch rein. „Wir können einfach keinen kommunalen Friedhof so schützen, dass nichts passieren kann.” Dass der Broichweidener Friedhof recht abgelegen ist, mag die Diebe besonders ermutigt haben. Sie konnten sich dort sicher fühlen. „Die Bestürzung über diese Tat ist in der Verwaltung enorm groß.” Gestern haben Mitarbeiter der Kommunalen Dienstleistungsbetriebe Würselen (KDW) einen Teil der allgemeinen Verwüstung beseitigt und Angehörigen geholfen, weggerissene Platten wieder auf die Gräber zu legen.

Zudem haben die KDW eine Belohnung ausgelobt: 200 Euro für denjenigen, der unter 02405/4133168 Hinweise zur Ergreifung der Täter gibt.
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