Friedhof: Gärtner entfernen Blumen und Lichter

Von: Nadine Tocay
Letzte Aktualisierung:
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Vor den Pflegearbeiten wird der Schmuck von den Reihengräbern mit liegender Gedenktafel (amerikanischen Gräbern) entfernt. Foto: Nadine Tocay

Alsdorf. Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist schwer. Neben der Bewältigung der Trauer stehen im Todesfall für nahe Angehörige zusätzlich eine Menge Entscheidungen an. In welchen Rahmen soll die Beerdigung stattfinden und welche Art von Grab ist die richtige? Das ist nur zwei der Fragen auf die schnell eine Antwort gefunden werden muss.

Beraten werden Angehöre dabei in der Regel von Bestattungsunternehmen, die über verschiedene Möglichkeiten aufklären. Fällt die Entscheidung auf eine Bestattung in einem „Reihengrab ohne gärtnerische Gestaltung“ oder in einem „Urnenrasenreihengrab“ sind die Kosten zwar höher, es bedeutet aber auch, dass die Stadt die Pflege für das Grab übernimmt.

Damit die städtischen Gärtnerarbeiten ohne Verzögerungen durchgeführt werden können, dürfen Angehörige keine individuelle Grabgestaltung vornehmen, heißt: das Grab nicht mit Blumen, Kerzen oder anderen Gegenständen schmücken. Das ist vertraglich festgelegt; die Erklärung wird vor Ort von den Angehörigen zur Kenntnis genommen und unterschrieben.

Auf dem Kellersberger Friedhof übernimmt seit Anfang Juli die Stadt Alsdorf respektive der Eigenbetrieb Technische Dienste die Pflege. Die Stadt sagt, an der Verfahrensweise habe sich nichts geändert.

Eine 83-jährige Angehörige sieht das jedoch anders und wandte sich mit ihrem Unmut an unsere Zeitung. Sie fühlt sich von der „radikalen“ Vorgehensweise, die Devotionalien von den Steinen zu entfernen, angegriffen. Bevor die Stadt die Pflege übernahm, sei das nicht so gewesen. „Wie können die Leute so etwas tun? Da liegen keine Tiere. Das sind Menschen“, betont sie.

Der Gärtner sei auf sie zugekommen und meinte: „Sie schneiden den Rasen, sie machen immer alles so schön, aber ich muss Ihnen leider sagen, dass wir das alles runternehmen müssen“, erzählt sie. Jetzt habe sie selbst alles entfernt und entsorgt, berichtet sie aufgewühlt. „Ich bin das ja nicht alleine. Da sind Leute, die sind vor ein paar Tagen gestorben. Denen haben sie die Blumen vom Grab genommen“, klagt die Kellersbergerin.

Vor viereinhalb Jahren sei ihr Mann gestorben, damals habe sie in der Trauer das Formular unterschrieben, daran habe sie sich bis vor kurzem jedoch gar nicht mehr erinnern können. 60 Jahre sei sie mit ihm verheiratet gewesen. Viel hätten sie gemeinsam durchgemacht. „Und jetzt darf ich nicht einmal Blümchen auf sein Grab stellen“, merkt sie traurig an.

Zentral angelegte Stelle

Auf Nachfrage erklärt Marion Wingen vom Presseamt der Stadt, es gebe eine zentral angelegte Stelle an jedem Gräberfeld. Dort können Besucher ihre Präsente, wie Blumen, Gestecke, Lichter und Ähnliches ablegen.

Stehen Instandhaltungsarbeiten auf dem Friedhof an, und sind die genannten Gräber unerlaubterweise mit Devotionalien versehen, räumt der Friedhofsgärtner sie ab und bringt sie an diese zentrale Stelle.

„Außer vom 15. Oktober bis zum 15. Januar. Da wird es geduldet, dass die Leute an den Gräber etwas abstellen – als Entgegenkommen“, erklärt Wingen. Zu der Zeit sind Arbeiten auf dem Friedhof wegen der Witterungsbedingungen nur eingeschränkt möglich, und viele christliche Feiertage, an denen Angehörige häufig Blumen auf den Friedhof bringen, fielen in diese Zeitspanne.

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