Friedhöfe in Alsdorf: Viele Bestattungen „nicht würdevoll“

Von: Karl Stüber
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Großer Aufwand für ein Grab: Damit das per Bagger ausgehobene Rechteck nicht einstürzt, müssen Hermann-Josef Mommer (l.) und sein Kollege Dominik Schwartz, beide Mitarbeiter der GSG Grund- und Stadtentwicklung GmbH, bis zur Beerdigung Spundwände setzen. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Der Stadt Alsdorf laufen die Kosten für die Pflege und das gesetzeskonforme Herrichten der Friedhöfe davon. Im Zeitraum von anderthalb Jahren wurden rund 525.000 Euro mehr als veranschlagt ausgegeben. Zudem gibt es massive Probleme mit der Qualität von Gräberfeldern auf dem Nordfriedhof und dem in Mariadorf.

Sogenannte Wachs- bzw. Fettleichen müssen aufwendig umgebettet werden. Schuld ist nicht oder schlecht ablaufendes Grund- bzw. Oberflächenwasser.

Die städtische Tochtergesellschaft GSG Grund- und Stadtentwicklung GmbH hatte im Jahre 2012 nach Willen der Verwaltung und des Stadtrates die Bewirtschaftung der Friedhöfe im Alsdorfer Stadtgebiet übernommen, nachdem es massive Beschwerden aus der Bevölkerung über den Zustand der letzten Ruhestätten auch gegenüber Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) gegeben hatte, der sich ein „Sauberes Alsdorf“ auf die Fahnen geschrieben hat. Der bis dahin im Auftrag der Stadt auf den Friedhöfen tätige externe Gartenbaubetrieb ist übrigens zwischenzeitlich insolvent, wie es jetzt im Stadtentwicklungsausschuss dazu hieß.

Die Stadt wies der GSG im letzten Jahr pauschal 565 000 Euro zur Bewirtschaftung der Friedhöfe zu. Dieser Ansatz wurde um fast 319.000 Euro überschritten. Auch in diesem Jahr zeichnet sich ein dickes Minus ab. Die GSG spricht von zu erwartenden Mehrkosten in Höhe von 206.000 Euro bei der Friedhofspflege.

CDU-Sprecherin Ulrike Wagner zeigte sich für ihre Fraktion angesichts der Ausgabensteigerung „schockiert“. Sie nahm die GSG, namentlich deren Geschäftsführer Günter Jansen ins Visier. Die GSG könne doch nicht einfach Nachforderungen stellen. Wenn schon im Jahre 2012 festgestellt worden sei, dass Geld fehlt, warum habe das die Gesellschaft der Stadt nicht beizeiten gemeldet, lautete ein Vorwurf, den Wagner mit einem Fragenkatalog ergänzte. Wagner erinnerte daran, dass seinerzeit auch der Eigenbetrieb Technische Dienste (Bauhof) auf Geheiß der Stadt ein Angebot zur Übernahme der Friedhofsbewirtschaftung abgegeben hätte, das aber deutlich höher ausfiel. Konnte der Eigenbetrieb besser als die GSG kalkulieren, lautete ihre Frage.

Das wollte GSG-Geschäftsführer Günter Jansen nicht auf sich sitzen lassen. Jansen stellte klar, dass die GSG auf Betreiben der Kommunen die Bewirtschaftung „treuhänderisch“ übernommen hatte. Die Stadt ist weiterhin Eigentümerin mit allen Rechten, aber auch Pflichten. Dazu gehöre es, dafür Sorge zu tragen, dass die einschlägigen Gesetze und Verordnungen für das Bestattungswesen eingehalten werden. Hier verwies Jansen auf das Bestattungsgesetz, wonach die Friedhöfe den Erfordernissen des Wasserhaushaltsrechts und des Gesundheitsschutzes entsprechen müssten. Es sei dafür zu sorgen, „dass von Toten keine Gesundheitsgefahren ausgehen“. Weitere Regelungen sehen laut Jansen das Bundesbodenschutzgesetz, das Wasserhaushalts- und Landeswassergesetz vor.

„Wir haben die Friedhöfe in einem schlimmen Zustand übernommen und begonnen, erhebliche Pflegerückstände aufzuarbeiten“, nannte Jansen einen wichtigen kostentreibenden Aspekt. Zudem habe die GSG mit Blick auf Oberflächenwasser und die Beschaffenheit von Gräberfeldern vor allem auf dem Nordfriedhof und in Mariadorf erheblichen Mehraufwand bei den Bestattungen treiben müssen. So müssten immer wieder nach Ausheben von Gräbern aufwendig Spundwände bis zum Wiederverfüllen gesetzt werden, um den Einbruch von Gräbern zu vermeiden. Vorhandene Drainage sei selbst mit Hilfe eines Spülwagens nicht mehr zu reinigen gewesen und habe neu angelegt werden müssen.

Eindringlich schilderte Jansen, dass beileibe noch nicht alle Probleme behoben sind und auf die Stadt weitere erheblich Kosten zukommen. „Nicht würdevoll“ sei, was zwischenzeitlich mit Beigesetzten im Erdreich geschehen ist. Die GSG-Mitarbeiter hätten mit Schutzkleidung aus „abgelaufenen“ Gräbern nicht nur Leichenteile, sondern ganze Körper holen müssen, die an anderer, trockener Stelle wieder beigesetzt werden müssen, um endlich verwesen zu können.

„Wenn ich das alles vorher gewusst hätte, hätte ich die Übernahme der Friedhöfe nicht angestrebt“, zürnte Jansen. Der GSG-Geschäftsführer empfahl dem Eigentümer Stadt, eindringlich zu prüfen, ob sie sich überhaupt noch im rechtlichen Rahmen bewege. Und Jansen legte nach. Viele Wege seien schlecht oder stünden bei Regen unter Wasser. Hier habe die GSG teilweise mit der Neuanlage begonnen.

Die acht Leichenhallen weisen laut Jansen „erhebliche Unterhaltungsrückstände auf“. Die Heizungen seien weder gepflegt worden, noch seien sie funktionstüchtig. Schimmelbildung sei festzustellen, die Toilettenanlagen im bedenklichen Zustand. Jansen forderte eindringlich die Aufstellung eines Friedhofsentwicklungsplans, um zum Beispiel basierend auf hydrologischen Gutachten den Nordfriedhof und den in Mariadorf umfänglich zu sanieren. Zudem gelte es, ineffiziente Belegungsstrukturen aufzuzeigen. Jansen: „Der Eigentümer muss sich seiner Verantwortung stellen!“

Zur Kritik seitens der CDU sagte der GSG-Verantwortliche, ein Wirtschaftsprüfer habe die Korrektheit der Ausgaben klar bestätigt. An Hinweisen gegenüber der Stadt habe es nicht gemangelt. Und der Eigenbetrieb Technische Dienste sei mit Blick auf Mehrwertsteuer und Mindestgewinnregelung nicht mit der GSG zu vergleichen und deshalb schon teurer. Jansen machte zudem Sparvorschläge, um notwendige Investitionen zu ermöglichen: Reduzierung des Pflegeaufwands; Aufgabe des „Territorial-Prinzips“ des Personals, also Anwesenheit auf allen Friedhöfen; keine ergänzenden Pflegeaufträge an Dritte; Einstellung des Wegebaus; Wegfall der Bestattungen an Samstagen oder Kostenausgleich. Drei Vollzeitstellen würde die GSG bereits abbauen.

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