Friedhöfe: Die Kosten in den Griff kriegen

Von: Karl Stüber
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Großer Aufwand beim Anlegen von Gräbern: Oft müssen aufwendig Spundwände gesetzt werden, um ein Nachrutschen der Erde zu vermeiden. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Die Kostenexplosion bei der Bewirtschaftung der Alsdorfer Friedhöfe durch die GSG Grund- und Stadtentwicklung GmbH (GSG GS) führt zwar dazu, dass Eigentümer und Auftraggeber Stadt Alsdorf die Mehrkosten für die Jahre 2012 und 2013 zuschießt.

Aber die Kommune will auch in engerer Kooperation mit der GSG GS die Kosten in den Griff bekommen und zugleich für einen guten (Pflege-)Zustand der Friedhöfe und der Leichenhallen sorgen. Dazu sollen jetzt eine entsprechende Konzeption und ein Friedhofsentwicklungsplan aufgestellt werden. Erster Beigeordneter Ralf Kahlen machte im Stadtrat deutlich, dass für den Nordfriedhof und den Friedhof in Mariadorf zwei hydrologische Gutachten die Grundlagen für eine fachgerechte Sanierung schaffen sollen, um die Entwässerungsproblematik (Stichworte: hoher Aufwand bei Anlegen von Gräbern, Wachsleichen, schlammige Wege) in den Griff zu bekommen.

Keine juristischen Konsequenzen

Zudem wird eine Friedhofskommission eingesetzt. Mandatsträger und Verwaltung wollen also in das laufende Geschäft stärker eingebunden werden. Der Stadtrat billigte jetzt, entsprechend der tatsächlich angefallenen Kosten für das Jahr 2012 die vertraglich vereinbarten Mittel in Höhe von 565.000 Euro um rund 318.000 Euro aufzustocken. Auch für das Jahr 2013 wird es deutlich teurer. Hier liegt die GSG GS bislang 206.000 Euro drüber. Das Geld soll durch den Posten Fonds Deutsche Einheit aufgefangen werden. Hier fällt der finanzielle Ansatz für die Stadt deutlich besser aus, als im Haushalt vorsorglich eingestellt.

CDU-Fraktionschef und Anwalt Helmut Brandt bekannte, dass ihm das Vertrauen in die GSG GS bezüglich Friedhofspflege und -bewirtschaftung „ein bisschen abhanden gekommen ist“. Er spielte mit dem Gedanken, die Stadt sollte eventuell die Leistungen neu ausschreiben. Brandt kritisierte, dass die Mehrkosten nicht mehr in die Friedhofsgebühren eingerechnet werden können, da keine rechtzeitige Meldung seitens der GSG GS gegenüber der Stadt erfolgt sei. Sollte dies aus Nachlässigkeit geschehen sein, so seien juristische Konsequenzen zu erwägen. Dazu konnte sich der Stadtrat nicht durchringen. Erster Beigeordneter Kahlen verwahrte sich dagegen, dass die Stadt ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sei.

GSG GS-Geschäftsführer Günter Jansen wiederholte seine bereits im Stadtentwicklungsausschuss vorgetragene Verteidigung. Vertraglich sei vereinbart, die Kosten per Vorauskalkulation und dann am Ende des Jahres per Spitzabrechnung zu ermitteln. So sei es auch geschehen. „Das Gebührenrecht ist Sache der Stadt.“ Mehrkosten seien entstanden, da vertragliche Leistungen vor Übernahme durch de GSG GS nicht erfüllt worden seien und nun in den letzten gut anderthalb Jahren hatten aufgearbeitet werden müssen.

Alle sitzen in einem Boot

„Hier von einer Fehlkalkulation der GSG GS zu sprechen, ist nicht richtig“, sagte Jansen. Das habe auch der Wirtschaftsprüfer bestätigt. Seine städtische Gesellschaft habe sich nur den Aufgaben gestellt. „Vieles war nicht vorhersehbar, kalkulierbar und aufschiebbar.“ Bürgermeister Alfred Sonders suchte die Wogen zu glätten: „Wir alle waren mit dem Zustand der Friedhöfe unzufrieden.“ Deshalb sei die Umstellung auf die GSG GS erfolgt. Die mittlerweile erzielten positiven Ergebnisse sehe man ja auch. Aber: „Die Erhöhung in dieser Größenordnung darf nicht die Regel werden.“ Und in Richtung Jansen sagte Sonders: „Es müssen frühzeitig Alarmglocken geschlagen werden“, wenn das Geld nicht ausreiche.

Friedel Wirtz (Grüne) erinnerte daran: „Das Problem ist nicht vom Himmel gefallen.“ Das habe Rat und Verwaltung die letzten „10 bis 20 Jahre begleitet.“ Wirtz sprach von einem Sanierungsstau, weil eben vieles liegen gelassen worden sei. Er sprach sich dagegen aus, jetzt wieder die Grünpflege einfach zurück zuführen. SPD-Fraktionsvorsitzender Detlef Loosz sagte: „Wir können mit dem jetzigen Zustand der Friedhöfe schon ganz zufrieden sein.“ „Unvorhergesehene Dinge wie Wasser“ seien nicht bekannt gewesen. Er sprach sich unterm Strich für ein kostenbewusstes Vorgehen aus.

Bürgermeister Sonders zog das Resümee: Seit 1991/92 habe man sich mit der Problematik auseinandergesetzt. „Alle sind mehr oder weniger mit der jeweiligen Mehrheit im Boot gewesen“, sagte er mit Blick auf die Fraktionen. „Keine der Alten sind mehr auf der Verwaltungsbank“, sagte er mit Richtung auf die Verwaltung. Alle sollten jetzt den Blick nach vorne richten und definieren, was die Stadt bezüglich Zustand und Pflege der Friedhöfe wolle und was sie von der GSG GS erwarte. Er erwarte aber auch, „dass uns die Gesellschaft die Problemfälle benennt“.

Dieter Lothmann (CDU) wollte indes nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen. Er sagte, gemessen an dem Leistungsverzeichnis hätten beizeiten Investitionen und Pflegeaufwand dem Fachausschuss vorgelegt werden müssen. Dabei sah er aber eher die Stadt als Auftraggeber und Kontrolleur in der Pflicht.

Was ist Ihre Meinung zum Thema Friedhöfe? Was halten Sie von der Diskussion um die Einrichtungen in Alsdorf? Was fällt Ihnen bei den Friedhöfen in Ihrer Stadt, in Ihrem Umfeld auf? Schreiben Sie uns dazu Ihre Meinung unter www.leser-meinung.de.

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