Freizeit- und Tourismuskonzept: Wie viele Wege führen nach Alsdorf?

Von: Verena Müller
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Annapark mit Fördergerüst: Potenziale für den Ausbau des Tourismus hat Alsdorf eine ganze Reihe, entscheidend sind nun Profilschärfung und Vermarktung. Foto: Stadt Alsdorf

Alsdorf. Bislang ist der Nordkreis ein weißer Fleck auf der Tourismuskarte Nordrhein-Westfalens. Im Gegensatz zur Eifel etwa, die seit Jahrzehnten als Ausflugs- und Urlaubsziel gesetzt ist. Oder zum Ruhrgebiet, bei dem die Menschen inzwischen ebenfalls sofort ein bestimmtes Bild im Kopf haben: Industriekultur, Zeche Zollverein – Ablösung vom verrußten und verqualmten Schmuddelimage, Bergbaukulisse mit grünen Anstrich. So etwas in der Art schwebt der Stadt Alsdorf vor. Aber wie kommt man dahin?

Am Dienstag hat die Stadt ihr „Handlungskonzept Freizeit und Tourismus in Alsdorf“ vorgestellt. Neben vielen alten Bekannten – oder den „big six“ (Tierpark, Stadthalle, Cinetower, Sportforum, Bowlingcenter und Energeticon), wie der Bürgermeister sie spaßenshalber nennt – stößt man beim Durchblättern vor allem auf ein Wort recht häufig: Potenzial.

Vorgeschlagen wird unter anderem, was andernorts bereits vielfach gemacht wird: Angebote zu bündeln und gemeinsam dafür zu werben. Ein erster Schritt ist hier das Faltblatt „Bock auf Alsdorf“, ein Übersichtsplan mit elf Anlaufstellen, der im Rahmen des Duathlons an Pfingsten erstmals rausgebracht wurde. Neben den sechs genannten Attraktionen, die sich gegenseitig bewerben sollen und auf der Rückseite ausführlicher in vier Sprachen beschrieben werden, sind beispielsweise auch das Schaffrathhaus oder der „Weg der Energie“ im Annapark eingezeichnet.

Zielgruppen und Unterbringung

Wer den Flyer in Händen hält, befindet sich in der Regel aber schon in Alsdorf. Entweder bei einem der „big six“ oder im Rathaus. Denn dort liegen die Blätter aus.

Eine Antwort auf die Frage, wie Menschen den Weg hierhin finden sollen, lautet so: Für Bustouristen sollen Gruppenangebote entwickelt und übers Internet beworben werden, „vor allem für Schulklassen, Vereine oder Seniorengruppen“. Für diese Zielgruppe müsse aber das Übernachtungsangebot ausgebaut werden. Drei-Sterne-Standard sei erstrebenswert.

Oder wie es Alfred Sonders bei der Vorstellung des Konzepts, bei dem Citymanager Holger Bubel federführend tätig war, mit Blick auf eine mögliche weitere Zielgruppe formulierte: „Wir haben mit Stadthalle, Cinetower und Energeticon drei top Veranstaltungs- und Tagungsorte, aber kein Businesshotel.“ Auch das Camping-Angebot müsse man erweitern.

Und schon steckt man tief in den Details: Energiespielplatz auf dem Außengelände des Energeticons, Fahrradverleih am Tierpark, überhaupt: Umgestaltung des Tierparkgeländes, Einrichtung eines Tourismus-Büros im Energeticon und so weiter.

Ein buntes Allerlei, kleinteilig und Ausdruck von Fluch und Segen zugleich: Die Stadt hat nicht nur ein Pfund, mit dem es über die Grenzen des Nordkreises hinaus wuchern kann. Laut Konzept soll das hauptsächlich über den Kanal „Grünmetropole“ erfolgen, ein grenzüberschreitendes, von der EU gefördertes Projekt im Dreiländereck, das sich zum Ziel gemacht hat, aus der „Last des Alten die Lust auf die Zukunft zu schaffen“. Mit Last ist die gemeinsame Bergbauvergangenheit gemeint.

„Wir müssen uns so aufstellen, dass unsere Angebote einspeisbar sind“, sagt Sonders. Er hofft, dass der Verein Grünmetropole, dem auch die Kreise Düren und Heinsberg angehören, die Kontakte zum Eifel-Tourismus oder Aachen-Tourist-Service nutzt, um eine entsprechende Platzierung auf deren Homepages zu erhalten. Verpackt in einen größeren räumlichen Kontext. „Was wollen Sie fünf Tage in Alsdorf?“, lautet seine realistische Einschätzung.

Und: „Der Bergbau muss die Klammer sein.“ Das geht im Konzept eher unter, ist aber entscheidend bei der Frage, was denn nun eigentlich der Hauptmagnet in Alsdorf sein soll. Die Stadt braucht ein Profil und ein gutes Marketing, dem stimmt auch Sonders zu. „Der Unterbau sind die einzelnen Angebote“, so der Bürgermeister. Und weiter: Städteregion Aachen und die drei anderen Nordkreisstädte seien sich darin einig, dass man gemeinsam ein Oberthema entwickeln müsse. Eine Studie sei schon in Auftrag gegeben. Das Ergebnis dürfte wenig überraschen.

Wenn man nun darüber nachdenkt, wie sich Besucher die Stadt oder die Region erschließen können, ist das Fahrrad eine mögliche Antwort. „Die grüne Lunge ist ein verbindendes Element“, sagt Sonders. Ab Mariadorf/Blumenrath könne man bis Herzogenrath an einem Stück durch geschlossenes Waldgebiet fahren, nur von der Blumenrather Straße und der Dorfstraße kurz unterbrochen.

Das Konzept sieht deshalb vor, den Haldenparcours inklusive Carl-Alexander-Park und Grube-Adolf-Park durch Jaspersberg und Maria zu erweitern. 365.000 Euro sind im Rahmen des Regionalen Wirtschafts-Förderungs-Programms (RWP) bereits berücksichtigt. Ebenfalls berücksichtigt ist mit 150.000 Euro die „Erlebnisinszenierung Energeticon“.

Die Förderung belaufe sich auf 80 Prozent, der Rest sei Eigenanteil, heißt es gen Ende der 48 Seiten. Und darunter: „In den Folgejahren könnten gegebenenfalls weitere Förderaufträge für größere Projekte im Tierpark gestellt werden.“ Wenn sich irgendwo ein Fördertopf auftut...

Denn darum geht es im Wesentlichen: Die Stadt sortiert sich, positioniert sich, formuliert Potenziale und Ziele, um auf eine solide Basis zur Akquirierung von Mitteln zurückgreifen zu können.

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