Alsdorf - Freies W-LAN in Alsdorf auf Vormarsch

Freies W-LAN in Alsdorf auf Vormarsch

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Das Prinzip ist recht einfach: Wer sich dem Netzwerk anschließen will, kann die Freifunk-Initiative kontaktieren und sich von ihr einen zusätzlichen Router an den eigenen anschließen lassen. Foto: dpa

Alsdorf. Freies Internet für alle, das ist das Ziel der Freifunk-Initiative. In Aachen ist man damit schon recht weit, nach dem Startschuss vor zweieinhalb Jahren waren bei einer kürzlichen Stichprobe rund 2100 Mitglieder gemeldet, 1500 hatten ihren Router zu dem Zeitpunkt eingeschaltet und 4100 Menschen haben von dem Angebot des freien W-LANs Gebrauch gemacht.

In Alsdorf soll nun auch ein Netzwerk aufgebaut werden. Die Grünen-Fraktion im Stadtrat hatte einen entsprechenden Antrag gestellt, auf Einladung der Verwaltung waren nun Jochen Demmer vom Freifunk Aachen und Dr. Christoph Herzog von der Regionetz (Tochter des regionalen Energie- und Wasserversorgers EWV mit Sitz in Stolberg) im Stadtentwicklungsausschuss zu Gast, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie für Alsdorf sehen, wie man sich einbringen kann und auch: um Rede und Antwort zu stehen.

Das Prinzip ist recht einfach: Wer sich dem Netzwerk anschließen will, kann die Freifunk-Initiative kontaktieren und sich von ihr einen zusätzlichen Router an den eigenen anschließen lassen. Je mehr Menschen sich anschließen, desto größer und dichter das Netz, das die Allgemeinheit frei nutzen kann. Mit dem mobilen Endgerät (Smarthphone oder Tablet) klickt man einmal das Netz an, danach wählt sich das Gerät automatisch ein, sobald es sich in einer Freifunkzone bewegt. Ein Passwort ist nicht erforderlich.

Das Ganze wird dezentral gepflegt, der gemeinnützige Verein kümmert sich selbst um Wartung oder Reparatur der Geräte. „Das Netzwerk ist unzensiert, nicht-kommerziell, im Besitz der Gemeinschaft. öffentlich und frei zugänglich“, erklärte Jochen Demmer den Ausschussmitgliedern. Das Ganze ist spendenbasiert, in der Regel zahlt derjenige, der sich für ein Aufschalten auf seinen Router entscheidet, für die Anschaffung „seines“ Freifunkrouters. Die Kosten liegen je nach Modell zwischen 20 und 80 Euro.

Demmer versicherte: „Fremde Nutzer können über den Knoten mit dem zweiten Router nicht ins private Netz rein.“ Das würde eine Firewall verhindern.

Für Alsdorf sieht er gute Chancen und auch einen großen Gewinn darin, öffentliche Plätze, die Einkaufsstraßen und beispielsweise den Tierpark mit Freifunk auszustatten. „Bislang haben sich uns nur ein paar Privatleute und Gastronome angeschlossen“, berichtete er. Er möchte deshalb nun einen Stammtisch in Alsdorf etablieren, zu dem Freifunker und Interessierte kommen können.

Auf Nachfragen von Dr. Andreas Brandt (CDU) und Johann-Josef Kuntz (Grüne) ging Demmer auch auf die kritischen Themen ein. Ob die eigene Leistung durch den zusätzlichen Router sinke, wollte Brandt zum Beispiel wissen. „Man kann das so einstellen, das nur so und so viel Prozent der eigenen Leistung abgegeben werden“, erläuterte Demmer. Die maximale Bandbreite hänge von der Leistung des Freifunk-eigenen Servers ab, ergänzte er auf die Frage von Kuntz.

Was möglichen Missbrauch, also das illegale Downloaden von Musik oder anderen verbotenen Inhalten anbelangt, betonte Demmer, dass mögliche Anwaltsschreiben beim Freifunk Rheinland landeten und nicht bei den Privatleuten. Es werde lediglich deren Leistung verwendet. Deren IP-Adresse, die sie als Teilnehmer identifizierbar mache, tauche aber nirgends auf. Der Internetzugang wird also über den Freifunk-Router ermöglicht, der eine eigene IP verwendet. Im Grunde ist so keiner haftbar zu machen.

Herzog gab die Ambitionen der Regionetz in dieser Sache unumwunden zu: „Die Energieversorgungsbranche steht nicht immer positiv in der Öffentlichkeit da“, aber hier könne man was fürs Image tun und nehme auch etwas Geld in die Hand. Was er sich vorstellen könne, ist, vorhandene Trafostationen oder ähnliches zu nutzen und dort auf eigene Kosten Router zu installieren. Ähnliches war bereits in Stolberg ausprobiert worden. Ergebnis: Ohne schützende Hülle sind die Router Vandalismus ausgesetzt, deshalb ist man vorsichtiger geworden. Herzog will nun schauen, welche Standorte für einen Router geeignet werden. Auch aus seiner Sicht die Ansage: „Wir tun das in Innenstädten, nicht am letzten Einsiedlerhof.“

Hartmut Malecha von den Grünen lobte, dass die Gespräche zwischen Stadt, Freifunk und Regionetz so fruchtbar verlaufen seien und fragte, ob die Stadt sich ebenfalls finanziell einbringen werde. Die Verwaltung antwortete ausweichend, so dass Fraktionsvorsitzender Horst-Dieter Heidenreich im Hauptausschuss noch einmal nachhakte. Die technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg betonte daraufhin, dass es ja gerade der Vorteil des Systems sei, dass man sich „additiv“ einbringen könne. Beispielsweise sei es der Foga (Stadthalle, Tierpark) überlassen, für sich zu entscheiden, wie sie mit dem Angebot verfahre.

Der Bürgermeister ergänzte: „Wir sind gerne bereit zu prüfen, welche Gebäude in der Nähe des Netzwerks sind.“ Aber alle öffentlichen Gebäude zu bestücken sei unmöglich.

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