Freibad ist für erhofften Wetterumschwung gerüstet

Von: Alisa Gartzen
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Stets die Wasserqualität im B
Stets die Wasserqualität im Blick: Schwimmmeister Jos Reulen prüft mehrmals am Tag Chlorgehalt und ph-Wert. Foto: Alisa Gartzen

Herzogenrath. Die Sonne ist hinter den Wolken versteckt, der kalte, böige Wind lässt die wenigen Besucher im Merksteiner Freibad frösteln. Hier, wo bei halbwegs ordentlichem Sommerwetter das Leben tobt, herrscht Tristesse. Regentropfen ziehen auf dem fast leeren Becken ihre Kreise.

Schwimmmeister Jos Reulen mag in diesem Sommer ein ganz einsamer Mensch sein, mag man da vermuten. Und dennoch: Es gibt immer noch mehrere Schwimmer, die sich ihren Spaß im Wasser auch vom schlechtesten Wetter nicht vermiesen lassen. „Es gibt Gäste, die über 80 Jahre alt sind und schon seit 40 oder 50 Jahren kommen”, weiß der Schwimmmeister. „Denen macht die Wetterlage nichts aus.” Jeden Tag zählt er von 6.45 bis 11 Uhr zwischen 40 und 50 Schwimmer - die meisten davon sind Frauen.

„Die Frühschwimmer bleiben uns treu. Die meisten kommen vor der Arbeit”, sagt Reulen. Und auch auf die Spätschwimmer ist trotz des miserablen Wetters Verlass: Diese erfrischen sich regelmäßig meistens nach der Arbeit im Merksteiner Freibad. „Das sind dann zwischen 20 und 25 Besucher jeden Abend.” Erwachsene bezahlen für ein Einzelticket bis 18 Uhr 3,50 Euro. Die Ermäßigung, die alle Erwachsenen ab 18 Uhr bekommen - der Eintritt kostet nur noch 2 Euro -, macht den Spätschwimmern den Eintritt am Abend noch schmackhafter.

Ungebetene Gäste gibt es auch. Nachtschwimmer nämlich statten dem Bad illegal ab und an einen Besuch ab. Schwimmmeister Reulen: „Das sieht man an den Schuhen und Flaschen, die dann morgens rumliegen.” Meistens kühlt sich diese Spezies bei schwülem Wetter zu nachtschlafender Zeit am Wochenende ab. In diesem Jahr hat Reulen morgens noch nicht viel gefunden. Schlechtes Wetter kann manchmal auch sein Gutes haben.

Hoffen auf Besserung, dies ist auch bei Reulen angesagt. Vielleicht gibt es dann doch noch in den kommenden Wochen Sonnenschein und höherer Temperaturen, damit sich das Freibad wenigstens halbwegs mit Menschen füllt. Zwar scheint eine Besucherzahl von 112 000, wie sie es im „Sommermärchen”-Rekordsommer von 2006 gegeben hatte, utopisch. Doch wenigstens ein kleiner Wetterumschwung darf es dann doch sein, meint Jos Reulen. „Wollen wir hoffen, dass es jetzt umschlägt. Hoffen wir, dass die warme Luft aus dem Süden kommt!” Eine gute Nachricht für alle Freibadliebhaber ist, dass sich die Freibadsaison möglicherweise noch um zwei Wochen verlängert und nicht Ende August ausläuft. Aber nur unter einer Bedingung: Wenn die Sonne jetzt Vollgas gibt.

Schwimmmeister Reulen jedenfalls ist gut für den erhofften Schönwetter-Ansturm gerüstet. Denn ob schlechtes oder Kaiserwetter: Auf die Qualität des Wassers muss bei geringer Besucherrate genauso gut geachtet werden wie bei einer hohen. Sind viele Gäste da, sind Filtersäuberung und pH-Wert-Messung besonders wichtig. Außerdem nimmt ein Labor einmal im Monat Proben, um das Wasser auf Bakterien zu prüfen. „Bisher haben wir noch keine gehabt”, sagt der Schwimmmeister. Das Rezept für sauberes Wasser: „Nicht zu viel und nicht zu wenig Chlor.” Und da wäre dann noch die besonders bei Jugendlichen unbeliebte Diskussion zum Thema Schwimmshorts: „Weil wir hier so streng sind, tragen immer weniger Jungen Unterhosen unter den Badeshorts. Hygiene wird bei uns großgeschrieben. Es kommt auch vor, dass wir Gäste rausschicken.”

Langeweile hat Jos Reulen jedenfalls nicht. Falls es einmal etwas ruhiger ist, „dann erledigen wir Aufgaben, für die wir sonst keine Zeit haben, wenn wir Aufsicht am Beckenrand haben”. Zum Beispiel werden Duscharmaturen überprüft, Hecken zurechtgeschnitten oder die Wege von Moos befreit. Dreimal täglich werden die technischen Anlagen gewartet. Beispielsweise wird geprüft, ob Pumpen und Filteranlagen intakt sind. Um defekte Bauteile kümmert sich eine Elektrofirma.

Den Umgang mit der Technik schätzt Reulen an seinem Beruf sehr. Und natürlich die Begegnung mit den Menschen. Hoffentlich wird er in diesem Jahr im Merksteiner Freibad noch vielen begegnen.

In diesem Jahr erst rund 10.000 Besucher gezählt

Mieses Wetter, geringe Besucherzahl: Im Supersommer 2006 waren es 112.000 Gäste, 2009 noch um die 60.000, 2010 kamen 59.000 Besucher. Und man erinnere sich mit Grausen an 2011: Da waren es nur noch 26.000 Gäste.

Diese Zahl könnte allerdings sogar noch unterboten werden, denn das Ende der Saison im Merksteiner Freibad rückt immer näher. Bis jetzt sind es nach Angaben von Schwimmmeister Jos Reulen um die 10.000 Besucher.

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