„Frauen holen auf” beim Thema Rechtsextremismus

Von: jk
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Die Referentin Silke Peters vo
Die Referentin Silke Peters von der Städteregion (3.v.l.) im Kreise der Organisatorinnen der Vortragsveranstaltung: (v.l.) Ursula Best, Arbeitskreis Kein Vergessen, Demet Jawher, stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates, und Silke Tamm-Kanj, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würselen. Foto: Jule Klieser

Würselen. Zur Rolle der Frau im „modernen” Rechtsextremismus referierte Silke Peters vom Integrationsbüro der Städteregion bei einer Veranstaltung von VHS, Gleichstellungsstelle und anderen im alten Rathaus.

Mit Rechtsextremismus verbinden die meisten das Bild von aggressiven jungen Männern, doch mehr und mehr gebe es auch Frauen, die beispielsweise bei Aufmärschen mitgingen. „Frauen holen auf”, wusste Silke Peters zu berichten.

Sie hatte den Text eines Liedes von Annett mitgebracht, der vor allem Frauen ansprechen soll. Unterschwellig und auch offen geht es darin um nationalistische Ideen. „Ich habe einen Sohn für Deutschland geboren”, heißt es in dem Song. Die Sängerin erzählt darin von einer Frau, die sich zu kurz gekommen fühlt gegenüber dem „Anderen”, der mit seinen sieben Kindern durchgefüttert werde. Sie ruft ihre Geschlechtsgenossinennen dazu auf, Widerstand zu leisten.

Es gibt zwei rechtsextreme Frauengruppierungen in Deutschland, führte Silke Peters aus. Der Ring nationaler Frauen (RNF) ist eine Unterorganisation der NPD, gegründet 2006. Ihre Themen sind Mutterschaft und der soziale Bereich. Die NPD-Frauen bieten Kinderbetreuung, Hartz-IV-Beratung und ähnliche Dienste an, veranstalten kostenlose Familienfeste und ähnliches vor allem in Ostdeutschland, um sich beliebt und ihr Gedankengut salonfähig zu machen. Ein Flyer der RNF zeigt Fotos einer Frau im Mutterglück, der Text warnt unter anderem vor der „Vergreisung Deutschlands” und verspricht Frauen ein Muttergeld von 1000 Euro monatlich. Natürlich nur für deutsche Mütter. Dazu die suggestive Überschrift „Familienförderung - Vaterland - Kinderglück”.

Die „Gemeinschaft Deutscher Frauen”, GDF, ist parteiunabhängig, wurde 2001 gegründet und ist die Nachfolgeorganisation der „Skingirlfront” bzw. des „Skingirl Freundeskreis”. Deren Mitglieder träumen vom Widerstand. Ihre Themen sind unter anderem Brauchtum, Bildung und gegenseitige Hilfe zu Hause.

„Das rechte Frauenbild ist heterogen bis ambivalent”, stellte Silke Peters fest. Die Bewegung sei auf der einen Seite geprägt vom Ideal der Mutterschaft und Familie, auf der anderen Seite von dem Wunsch, zu kämpfen und in der NPD mitzuwirken. „Die Frauen treten zwar selbstbewusster auf als früher, im Zweifel treten sie aber hinter die Männer zurück”, so Silke Peters.

Die Situation sei erschreckend, resümierte die Politikwissenschaftlerin, doch es passiere auch viel dagegen in Arbeitskreisen, Bündnissen und runden Tischen, die unter anderem Programme für Aussteigerinnen anbieten und Präventionsarbeit leisten. Eine davon sei die Städteregion, in deren Auftrag sie Infoveranstaltungen und Beratungen anbietet.

Bei der Städteregion gebe es außerdem Mittel für Projekte (zum Beispiel an Schulen), die man beantragen kann.

Cliquen zu einem Drittel aus Frauen

Die Hälfte aller Bürger ist der Meinung, wir hätten zu viele Migranten im Land. „Die bauen keine Bomben, doch sie sind die Meinungsmacher”, sagt Silke Peters. Weitere Zahlen, die Silke Peters im Gepäck hat, belegen, dass rechtsextremes Gedankengut unter den Frauen auf dem Vormarsch ist. Im Jahre 2008 befürworteten 2,6 Prozent der Frauen eine Diktatur, zwei Jahre später waren es 4,6 Prozent.

Ausländerfeindliche Einstellungen waren 2008 bei 2,6 Prozent der Frauen zu beobachten, 2010 war diese Zahl um 4 Prozent gestiegen. Zwar werden nur drei bis fünf Prozent der rechtsmotivierten Gewalttaten von Frauen verübt, doch sind ein Drittel der NPD-Wähler weiblichen Geschlechts. Rechtsextreme Cliquen rekrutieren sich zu einem Drittel aus Frauen.

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