Französische Jugendchor Morlaix: Modern, bunt und schrill

Von: eli
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Schrill und modern: Mit ihrem
Schrill und modern: Mit ihrem Musical „Eurydice” erlebten die Beteiligten des Austauschs der Jugendchöre aus Würselen und Morlaix einen Höhepunkt. Foto: Elisa Zander

Würselen. Es ist immer wieder der Höhepunkt des viertägigen Besuchs: Die abschließende musikalische Aufführung von Chor und Orchester. Die Schüler stehen bereits hinter der Bühne und warten auf ihren Einsatz.

Es ist das fünfte Mal, dass sie ihr Musical „Eurydice” zur Aufführung bringen - und doch ist es eine Premiere: Erstmals werden sie ihr Bühnenstück in Deutschland präsentieren.

20 Jahre ist es her, dass der Jugendchor des städtischen Gymnasiums Würselen erstmals nach Morlaix fuhr. Begeistert von der Performance war dieser Auftritt für Louise und Jean-Arthur Thepaut Anlass genug, den Jugendchor Morlaix „Babsingers” zu gründen. Seitdem besuchen sich die Chöre gegenseitig jeweils einmal im Jahr. Viele Freundschaften sind in den zwei Jahrzehnten entstanden, etwa 4000 Menschen waren am Austausch beteiligt, davon allein 1000 Schüler des Chores. Einer, der von Beginn an dabei war, ist Jörg Bartz. Während der Schulzeit noch aktiv beteiligt, kümmert er sich seit seinem Abitur besonders um Organisatorisches. Dazu gehört die Unterbringung von etwa 70 Jugendlichen nebst Lehrkörpern.

„Die Freundschaft zwischen den Chören ist besonders, so dass man dabei bleibt. Die Herzlichkeit und Anteilnahme ist groß. Wir sind mittlerweile in der fünften Generation, aber die Kern-Persönlichkeiten sind geblieben.” Damit meint er auch Bernhard Wiesemann, der seit Beginn der Städtepartnerschaft zwischen Würselen und Morlaix die Leitung des Jugendchores innehat und viel zu den bestehenden Austauschen beigetragen hat.

Normalerweise gestalten beide Chöre den Abschlussabend des Besuchs in der Partnerstadt gemeinsam, an diesem Abend in der Aula des Gymnasiums werden lediglich einige Deutsche das Orchester der Franzosen unterstützen.

Alte Sage neu interpretiert

Die von den Franzosen erarbeitete Fassung von „Orphée et Eurydice” ist modern, bunt und schrill. Musikstücke aus Musicals wie „Hair”, „Das Phantom der Oper” oder „Chicago” sind verarbeitet. Die Kostüme sind an die aktuelle Mode angepasst: Quietschbunte Leggins werden von den Frauen getragen, andere treten im Punk-Stil auf und Hades aus der Unterwelt trägt über seinem schwarzen Hemd einen grünen Kunstfellmantel. Zugegeben: Das, was die Babsingers präsentieren, ist anders als die klassische Darstellung der griechischen Sage. Aber es tut der Handlung keinen Abbruch, im Gegenteil. Die Schüler können sich mit der Geschichte um die Nymphe Eurydike, die durch einen Schlangenbiss starb, und Orpheus, der in die Unterwelt hinabstieg, um seine Frau zurückzuholen, identifizieren.

Die Spiel- und Sangesfreude der jungen Schüler überträgt sich auf das Publikum. Getragen vom Orchester hat jeder der Sänger eine Gelegenheit, sich zu präsentieren und seine Stimme zu entfalten. Um dem deutschen Publikum die Geschichte um die französischen Texte und Lieder verständlich zu machen, sprechen Mitglieder des Würselener Chors kleine Zwischentexte. Doch es reicht, die Inszenierung wirken zu lassen, die Musik und der Gesang füllen den Raum vollends aus. „Mit solchen Schülern zu arbeiten, ist großartig”, lobt Bernhard Wiesemann und sagt: „Man kann nur großes Vertrauen in unsere Zukunft haben, wenn wir diese Jugendlichen sehen.”
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