Würselen - Fotografen rücken das Glockengießen in den Fokus

Fotografen rücken das Glockengießen in den Fokus

Von: ehg
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Die „Fotografische Gesellschaft Düren“ hat die „Glockengießerei Brockscheid“ bei ihrer Arbeit beobachtet: (v.l.) Wilhelm Vonken, Achim Scheffler, Gisela Scheffler, Jürgen Taeter, Paul Jacob. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Die jahrhundertealte Tradition des Glockengießens, die Schwere und Sorgfalt der Arbeit, aber auch die einzelnen Schritte von der Herstellung der Glockenformen aus Lehm und Ziegelsteinen über das Ausbrennen des Glockenmantels bis hin zum finalen Glockenguss mit flüssiger Bronze – all das spiegelt sich in einer Ausstellung wider, die derzeit im Pfarrheim St. Pius X. an der Ahornstraße in Würselen einer kritischen Würdigung unterzogen werden kann.

Vier Fotografen der „Fotografischen Gesellschaft 1925 Düren“ haben den Entstehungsprozess in der Eifeler Glockengießerei in Brockscheid verfolgt und fotografisch kunstvoll in Schwarz-Weiß zu Papier gebracht. Eine Auswahl der beeindruckenden Bilder gewährt den Betrachtern Einblicke in dieses selten gewordene Handwerk.

Schon in den 1980er Jahren hatten Gisela und Achim Scheffler die Gießerei in der Vulkaneifel entdeckt. Es reifte in ihnen der Wunsch, diese einmal besichtigen und die Herstellung von Glocken mit der Kamera begleiten zu dürfen. Auch Paul Jacob und Wilhelm Vonken bekundeten ihr Interesse, das Projekt „Glockenherstellung“ für die „Fotografische Gesellschaft“ in Angriff nehmen und aufarbeiten zu wollen.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit waren bereits Ende 2016 in einer Ausstellung in der „Galerie 104“ in Düren zu bewundern. Nun können auch Würselener Interessenten bis Januar 2018 die schwarz-weißen Kunstwerke in Augenschein nehmen.

Zur Eröffnung der Ausstellung im Rahmen eines Gitarrenkonzerts begrüßte Hubert Wickerath die Fotografen. Schillers „Lied von der Glocke“ erklang mehrfach in Abschnitten, als er einige interessante Informationen zur Herstellung von Glocken weiter reichte. Rund vier Jahrhunderte habe ihre Entwicklung angedauert, bis die bekannte Form mit dem heute gewohnten Klang ihre Stimme erhob. Es handelt sich um ein geweihtes Musikinstrument. Deshalb werden Glocken traditionell freitags um 15 Uhr gegossen, womit an die Sterbestunde Jesu erinnert werden soll.

Vom Mantel befreit

In aller Frühe wird der Schmelzofen angefeuert, damit die Glockenspeise, die aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn besteht, schmilzt. Wenn die Bronze eine Temperatur von circa 1100 Grad Celsius erreicht hat, kann der Guss beginnen. Wenn dann die rotglühende Glockenspeise aus dem Ofen fließt, Rauch aufsteigt und Gase abbrennen, dann hat der Glockenguss seinen Höhepunkt erreicht. In der ausgehobenen Glockengrube muss das jeweilige Exemplar noch einige Tage auskühlen, bis es von seinem Mantel befreit werden kann. Dann erst wird mit der Stimmgabel geprüft, ob der Guss gelungen ist und die Glocke wie gewünscht erklingt. Und, um mit Schiller zu sprechen: „Friede sei ihr erst Geläute.“

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