Fotoausstelluhng: „Rückkehr der Auswanderer“ im Fokus

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
5706544.jpg
Der Fotograf und sein Werk: Vladimir Shvemmer zeigt im Alten Rathaus Würselen seine Ausstellung „Die Rückkehr deutscher Auswanderer – Würselen wird Heimat“ - darunter auch dieses Porträt von Galina Emter im Kreis ihrer Enkel. Foto: Christoph Hahn
5706543.jpg
An prominenten Gästen zur Eröffnung bestand kein Mangel: Achim Großmann (Vorsitzender Kulturstiftung Würselen), Fotograf Vladimir Shvemmer, Bundesminister a.D. Wolfgang Tiefensee und die SPD-Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers (von links). Foto: Christoph Hahn

Würselen. Einst ostwärts ausgewandert, sind sie nach dem Zerfall der einstigen Sowjetunion auch in Würselen im öffentlichen Leben präsent: Deutsche, die aus Russland, Kasachstan und anderen Nachfolgestaaten der einstigen UdSSR den Weg in den Westen gefunden haben. Ihr Leben rückt jetzt ein Mann in den Mittelpunkt, der selbst zu diesem Kreis von Zuwanderern gehört.

Vladimir Shvemmer, Jahrgang 1946, präsentiert seine rund 100 Fotos bis zum 26. Juli unter dem Titel „Würselen wird Heimat – die Rückkehr der Auswanderer“ im Kulturzentrum Altes Rathaus an der Kaiserstraße mitten in der Düvelstadt.

Shvemmer, der seit 2005 in Würselen lebt und zuvor in Tscheljabinsk am Ural Prorektor einer Hochschule war, dokumentiert das Leben der Ermerts, Erlichs und anderer Zuwanderer in einem umfänglichen Sinn. Wesentlich an der Schau sind Familienporträts, die der Fachmann für die Geschichte der Pädagogik mit sichtbar großem Geschick inszeniert. Außer den Aufnahmen aus dem Familienkreis zeigt der Fotograf aber auch Szenen vom Arbeitsplatz oder in der Freizeit, beim Sport.

Hinzu kommen Bilder aus dem Leben von Wolgadeutschen in den Konzentrationslagern der Stalinzeit, die ein unbekannter „Kollege“ Shvemmers aufgenommen hat. Denn dem Wissenschaftler liegt auch am Herzen, den Terror dieser Epoche darzustellen – leidvolle Schicksale, die auch Bestandteil seiner eigenen Familiengeschichte sind.

Dem zollten auch die rund 70 Gäste, die der Einladung zur Eröffnung gefolgt waren, ihren Respekt. Sie alle, darunter viele Würselener Russlanddeutsche, hieß als Vorsitzender der Kulturstiftung Staatssekretär a.D. Achim Großmann herzlich willkommen. „Die Zuwanderer sind im öffentlichen Leben fest verankert“, hielt der prominente Düvelstädter fest.

Er forderte Alteingesessene auf, sich mit der Kultur der Neubürger zu befassen: „Wir sind der Meinung, dass man diese Menschen besser kennt, wenn man ihre Geschichte besser kennt.“ Bürgermeister Arno Nelles pflichtete ihm darin bei und ergänzte: „Transparenz ist im Zusammenleben der Menschen von großer Bedeutung – nur wenn man voneinander weiß, kann man miteinander leben.“

Die Prominenz seiner beiden Vorredner toppte Ex-Bundesminister Wolfgang Tiefensee (dem Großmann als Staatssekretär zur Seite gestanden hatte) noch um Einiges. Der Leipziger, Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“, würdigte die Ausstellung als „Initiative, die alles andere als selbstverständlich ist“.

Mit Blick nicht nur auf die deutschen Zuwanderer stellte Tiefensee seinen Zuhörern die rhetorisch gemeinte Frage: „Sind wir bereit, uns auf etwas Anderes einzulassen?“ Die Antwort folgte prompt: „Das bedeutet Training; das fällt nicht vom Himmel.“ Pointiert machte der Sozialdemokrat ein Defizit in der öffentlichen Debatte deutlich: „Wo wird thematisiert, was unter Stalin und in der Sowjetunion war?“

Ebenfalls in die Form einer Frage verpackte Tiefensee sein abschließendes Kompliment an Vladimir Shvemmer: „Darf ich die Ausstellung mal in Leipzig zeigen?“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert