Forum Medizin zu Rückenleiden: Operationen im Blick

Von: Karl Stüber
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Navigationsunterstütztes Operieren: Aufwändige Technik kommt bei Operationen an der Wirbelsäule zum Einsatz, wie hier Orthopäde Dr. Rolf Sobottke demonstriert, der am Mittwochabend einer der Referenten beim Forum Medizin um Thema Rückenleiden in Würselen ist. Foto: Karl Stüber

Würselen. Wer wegen akuten Rückenleidens im Krankenhaus behandelt werden muss, landet noch lange nicht im Operationssaal. Im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie des Medizinischen Zentrums (MZ) Würselen wurden im vergangenen Jahr etwa 1200 Patienten mit Rückenleiden behandelt, von denen der größte Teil konservativ, also ohne operativen Eingriff behandelt werden konnte, betont Chefarzt Privatdozent Dr. med. Rolf Sobottke.

„Wir unternehmen alles, um den oft hohen Leidensdruck der Patienten zu lindern.“ Als konservative Therapieoptionen stehen Infiltrationen (Spritzen) an die Gelenke der Wirbelsäule oder an die aus dem Spinalkanal tretenden Nerven, Schmerzmittel, Physiotherapie und Krankengymnastik und Korsettbehandlungen zur Verfügung. Operiert wird nur, wenn es nicht mehr anders geht, die Chronifizierung der Schmerzen droht, schwere Deformitäten bestehen oder bei akuten Krankheitsbildern wie instabilen Wirbelkörperbrüchen und höhergradigen Lähmungen, sagt Sobottke, der als Wirbelsäulenspezialist am Mittwochabend, 7. Mai, zum Thema Rückenleiden referiert.

Deutsche besonders „belastet“

„Es geht im wahrsten Sinne des Wortes darum, die Patienten wieder aufzurichten.“ Also sie neben der Linderung der Schmerzen wieder möglichst aufrecht durchs Leben gehen zu lassen.

Der Wirbelsäulen-Fachmann hält nichts von der Ansicht, dass der Mensch mit seinem aufrechten Gang eine „Fehlkonstruktion“ ist. Im Gegenteil: Die Evolution hat ihn mit der S-förmig geschwungenen Wirbelsäule praktisch perfekt ausgestattet. Aber der Mensch „geht“ einerseits nicht pfleglich genug mit ihr um (Fehlhaltungen und zu wenig Bewegung) und andererseits ist die Wirbelsäule, ja der ganze Bewegungsapparat, nicht auf eine so lange „Laufleistung“ ausgelegt. „In der Gesamtzeit seines Daseins wurde der Mensch noch nie so alt.“ Und es kommen weitere Faktoren hinzu: Die Menschen werden immer größer und schwerer. Die Deutschen gehören statistisch gesehen zu den „Größten“ und „Schwersten“ der Welt.

Das alles geht zu Lasten des Bewegungsapparates, sagt Sobottke. Und die häufigste Ursache für Rückenschmerzen ist letztendlich der Verschleiß. Wann wird operiert? Eine paar Beispiele:

– Etwa bei hochgradiger oder absoluter Einengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose). Durch die Wirbelsäule verlaufen Nervenbahnen von zentraler Bedeutung. Das Einquetschen dieser Nerven führt zu Problemen. Die Patienten geben typischerweise über Jahre zunehmende, in das Gesäß oder die Beine ausstrahlende Beschwerden an.

Sehr häufig bestehen zeitgleich starke Rückenschmerzen (Lumbalgien). Man spricht von der „spinalen Schaufensterkrankheit“ (Claudicatio spinalis), da sich die Symptome insbesondere beim Gehen und Stehen bemerkbar machen. Bei nach-vorne-Beugung (zum Beispiel beim Sitzen) klingen sie ab. In schweren Fällen bestehen die Schmerzen auch in Ruhezuständen. Bestätigen radiologische Untersuchungsverfahren die Diagnose und helfen konservative Verfahren nicht mehr, rät der Wirbelsäulenspezialist zur Operation. Meistens reicht ein mikrochirurgischer Eingriff, bei dem der Spinalkanal geweitet wird, aus. Besteht jedoch zusätzlich ein Wirbelgleiten (Spondylolisthese), dann kommen Implantate, wie Schrauben und Platzhalter, zum Einsatz und verschaffen den Nerven im Spinalkanal wieder den notwendigen „Spielraum“.

– Nach Brüchen auf Grund von Osteoporose (Abnahme der Knochendichte) kann der Wirbelsäulenchirurg in minimalinvasiver Technik den Wirbelkörper mit einer Art Zement auffüllen und so stabilisieren. „Es kommt dabei sehr auf die Bruchform an“, schränkt Sobottke ein.

– Bei Skoliose (dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule) kann operativ aufgerichtet und stabilisiert werden.

– Bei Morbus Bechterew (entzündlich rheumatische Erkrankung) wird etwa die Fehlstellung im Halswirbel-, Brustwirbel- oder Lendenwirbelbereich (Rumpf stark nach vorne gebeugt) durch Brechen der Wirbelsäule korrigiert. Die entscheidende Frage ist hier und auch bei der Skoliosekorrektur, ob die Nervenbahnen dabei beeinträchtigt werden.

„Wir beobachten das während des Eingriffs genau“, verweist Sobottke auf das Kontrollinstrument Neuromonitoring. Das Neuromonitoring überprüft während der Operation, ob durch operative Manipulation Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden und verhindert durch ein Alarmsignal drohende Nervenschädigungen.

Bei Bedarf kommt ein weiteres hochmodernes und hochakkurates OP-Verfahren zum Einsatz: das navigationsunterstützte Operieren. „Das lässt sich am besten mit dem Navigationssystem im Auto vergleichen“, sagt Sobottke. Die Navigation ermöglicht eine hochakkurate Positionierung von Implantaten (zum Beispiel Schrauben), um das Risiko von Fehllagen derselben mit Nervenschädigungen auszuschließen. „So gelangt die Schraube sicher ans Ziel.“

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