Forum Medizin zu Rückenleiden: Aufrecht durchs Leben gehen

Von: Karl Stüber
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Ein muskulär „starker“ Rücken unterstützt die Wirbelsäule: Orthopädin Dr. Marlies Plum-Schunk weiß, dass gezieltes Training – hier geht es um die Stärkung der Seiten-Neige – hilft. Foto: Karl Stüber

Würselen. „Halt Dich gefälligst gerade am Tisch!“ Welcher Heranwachsende hat das nicht schon von seinen Eltern gehört. Echt ätzend! Oder? Ein Orthopäde würde in diesem Appell durchaus Sinn sehen. Kümmert sich doch dieser Mediziner aus guten Gründen darum, dass sich der Mensch möglichst gerade und aufrecht durchs Leben bewegt und seinen Stütz- und Bewegungsapparat pfleglich behandelt.

„Wir sind nicht gemacht für die sitzende Welt“, weiß Orthopädin Dr. Marlies Plum-Schunk, die beim 1. Forum Medizin unserer Zeitung und des Medizinischen Zentrums Würselen (MZ) am Mittwoch, 7. Mai, im Kulturzentrum Altes Rathaus mitmacht (siehe Info). Heißt: Es fehlt angesichts unserer Konstruktion als Jäger und Sammler an aufrechter Bewegung, Durchblutung, Herz-Kreislauf-„Animation“ und Training der Balance, sowie Förderung des Stützapparats (Muskelbildung und -erhalt).

Aber nicht nur diese Defizite sorgen für Probleme und Pein, schon von Kind an gilt es, Obacht zu geben. Ein Beispiel: Zu den vorgeschriebenen U3-Untersuchungen gehört die Säuglingssonographie, durch die einer Hüftgelenkserkrankung und damit verbundenen Haltungsschäden – Stoßdämpfer Wirbelsäule kann es nicht allein richten – vorzubeugen. Vor allem Mädchen sind durch Luxation gefährdet. Schienen sorgen im Zuge des Wachstums für das Geraderücken.

Patienten ganzheitlich betrachten

Ebenfalls vornehmlich Mädchen sind von Skoliose („krummer Rücken“) betroffen. Eine Wirbelsäulen-Ganzaufnahme trägt zur Klärung bei. Um die Seitenabweichung zu korrigieren, kann ein Korsett notwendig werden, notfalls muss per Operation die Wirbelsäule versteift bzw. stabilisiert werden, sagt die Alsdorferin Plum-Schunk, die am MZ in Würselen ihren Facharzt „machte“, in Eschweiler ein Orthopädiezentrum leitet und weiterhin beste kollegiale Kontakte und intensive Kooperation mit dem MZ pflegt.

Zumeist wird die Orthopädin nach Erstkontakt des Patienten mit dem Hausarzt von diesem konsultiert. Plum-Schunk betont, dass es wichtig ist, den Patienten als Person ganzheitlich zu betrachten und seinem Leiden auch durch Klären der Lebensumstände auf den Grund zu gehen.

„80 Prozent der Schmerzen kommen aus der Muskulatur“, konstatiert sie. Das bedeutet natürlich, dass der Patient mit Begleitung durch Mediziner etwas für diese Muskulatur tun muss, um den Bewegungsapparat zu stärken und ein natürliches Korsett um die Wirbelsäule zu bilden.

Training und bewusstes Bewegen sind angesagt, begleitet durch Psychotherapie, wenn sich herausstellt, dass familiäres und berufliches Umfeld für Stress sorgen und der Patient auf Grund seiner eigenen Geschichte ein Kreuz zu tragen hat. „Das alles hat viel mit konsequentem Verhalten zu tun“, betont Orthopädin Plum-Schunk.

Oft können schon Physiotherapie, gezieltes Bewegungstraining, Stoßwellen- oder Lasertherapie helfen, Hydrobetten sorgen für Massage, Akupunktur und biologische Präparate (anstelle von „hartem“ Kortison) für Linderung.

Natürlich gilt es auch, andere Ursachen auszuschließen oder eben zu diagnostizieren. Dazu gehören Ursachen für Rückenleiden wie Morbus Bechterew, rheumatische Erkrankungen, Osteoporose, Tumore oder Bandscheibenvorfälle.

Laut Dr. Marlies Plum-Schunk ist es wichtig, bei Beschwerden vor der Entwicklung zur chronischen Erkrankung zu bewahren oder den Teufelskreis zu durchbrechen. Aber nicht immer ist eine Operation zu vermeiden.

Letzte Gewissheit gibt die Vorstellung des Patienten beim Fachchirurgen, womit wir wieder beim Medizinischen Zentrum in Würselen angelangt sind. Dort ist wichtiger Kooperationspartner für Plum-Schunk der Chefarzt der Orthopädie, Dr. Rolf Sobottke, der sich auf Wirbelsäulenchirurgie spezialisiert hat. Auch Sobottke ist einer der Referenten des Forums Medizin zum Thema „Rückenleiden“.

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