Forum Medizin: Trotz Rheuma in Bewegung bleiben

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
9943390.jpg
Vielfältige Hilfsmittel, die Rheuma-Patienten im Alltag zugute kommen: Ergotherapeutin Jessica Krifft und der Leitende Physiotherapeut am Medizinischen Zentrum, Willi Gube, werden schon beim Einlass zum Forum Medizin am Mittwoch ab 19 Uhr im Alten Rathaus Würselen Interessierten einige anschauliche Beispeile aus dem „Rheuma-Koffer“ zeigen und erläutern. Foto: Karl Stüber

Würselen. Löffel mit zur Seite geknicktem Kopfteil, eine Tasse mit Griff für die ganze Hand, spezielle Messer, Tintenroller mit dickem „Körper“ und eine Bänderkonstruktion als Hilfe beim Anziehen von Strümpfen. Das und noch viel mehr dient dazu, unter chronischen Schmerzen leidenden Rheuma-Patienten die Bewältigung des Alltags zu erleichtern und Gelenke zu entlasten.

Neben der eigentlichen Therapie, die in der Regel der behandelnde Rheumatologe festlegt und in Kooperation mit dem Betroffenen umsetzt, und der bei Bedarf ergänzenden Behandlung durch den Schmerztherapeuten spielen Ergo- und Physiotherapie eine wichtige Rolle. Deshalb nehmen der Leitende Physiotherapeut des Medizinischen Zentrums (MZ) Würselen, Willi Gube, und die Ergotherapeutin Jessica Krifft am Forum Medizin zum Thema Rheuma teil, das Mittwoch um 19.30 Uhr im Alten Rathaus in Würselen beginnt. Schon eine halbe Stunde zuvor, also ab 19 Uhr, stehen Krifft und Gube vor dem Saal bereit, um Betroffenen und Angehörigen interessante Utensilien aus dem „Rheuma-Koffer“ zu zeigen, die der Unterstützung der Patienten dienen. Speziell auf Rheuma-Kranke „zugeschnittene“ Gehhilfen haben sie im Gepäck.

Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Wie der Verband der Deutschen Ergotherapeuten definiert, ist es Ziel, diese Menschen bei den für sie bedeutungsvollen Betätigungen in Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.

Ganz in diesem Sinne befasst sich Jessica Krifft im Zuge der Akutbehandlung mit den Patienten im MZ, um sie auf den Alltag, der nach der Entlassung aus dem Krankenhaus auf sie wartet, vorzubereiten und Gelenke schonende Bewegungsabläufe einzuüben. Für jeden einzelnen Patienten wird dabei ein individueller Rehabilitationsplan aufgestellt. „Ziel ist, die Patienten in Gelenkschutz zu schulen und Gelenkschutz auch zu trainieren“, sagt Krifft. Dabei werden Hilfsmittel vorgestellt und deren Handhabung vermittelt. Das Kaleidoskop der Unterstützung reicht von Hilfen bei der Bad- und Toilettenbenutzung, Anzieh- und Schreibhilfen bis hin zur Beratung zur behindertengerechten Umgestaltung der Wohnung und des Arbeitsplatzes.

Wichtig ist dabei der Aspekt psychosoziale Ergotherapie. Es gilt, die durch die Krankheit und die damit verbundenen Schmerzen angeschlagene psychische Grundhaltung zu verbessern und depressive Verstimmungen der Patienten zu überwinden.

„Für Rheuma-Patienten ist wichtig, dass sie nicht zu viel auf einmal wollen und die wichtige Bewegung nicht zur Belastung wird“, sagt Physiotherapeut Willi Gube. Physiotherapie nutzt als natürliches Heilverfahren die passive – zum Beispiel durch den Therapeuten geführte – und die aktive, selbstständig ausgeführte Bewegung des Menschen sowie den Einsatz physikalischer Maßnahmen zur Heilung und Vorbeugung von Erkrankungen, heißt es seitens des Deutschen Verbandes für Physiotherapie. Dabei stehen in der Akutphase passive Bewegungsübungen im Mittelpunkt. Schmerzen werden je nach Patient durch Wärme oder Kälte gelindert, wie Gube beschreibt.

Massagen bewirken die Lockerung verhärteter Muskeln und steigern die Durchblutung. Per Elektrotherapie wird der Schmerz bekämpft. Packungen und Wickel können eingesetzt werden. In der anschließenden chronischen Phase gilt es, mit Hilfe des Physiotherapeuten, aber auch entsprechender Selbstdisziplin durch „aktive Übungen“ die Funktion betroffener Gelenke möglichst weitgehend wieder herzustellen sowie die Muskelkraft und die Beweglichkeit zu trainieren. Das entsprechende Funktionstraining erfolgt behutsam, aber konsequent, wie Gube beschreibt. Hilfreich ist dabei zum Beispiel Gymnastik im Wasser, weil durch den Auftrieb das eigene Körpergewicht entsprechend reduziert wirkt.

Eine für Rheuma-Patienten zu empfehlende Sportart ist Radfahren, weil der Patient nicht durch das eigene Körpergewicht belastet wird – gerne auch mit dem Elektro-Bike. „Allein schon das Bewegen der Gelenke beim Mittreten der Pedale ist gut, weil dabei der Knorpel mit Nährstoffen versorgt wird.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert