Forum Medizin: Nach Schlaganfall zählt jede Minute

Von: Karl Stüber
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Gestatten, „Harvey“: Um Patienten und Angehörigen das Thema Schlaganfall plausibel nahe bringen zu können, greift Prof. Dr. Christoph Kosinski gerne auf diesen Demo-Schädel zurück, bei dem die entscheidenden Blutgefäßbahnen in Rot markiert sind. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Gibt es Vor- und Anzeichen für einen Schlaganfall, die auch den Laien alarmieren sollten? Die Antwort lautet: im Regelfall ja. Aber: „Weit mehr als die Hälfte der Patienten erkennen einen Schlaganfall nicht, reagieren nicht schnell genug, falsch oder gar nicht“, weiß Prof. Dr. Christoph Kosinski aus Erfahrung.

Der Mediziner ist nicht nur Chefarzt der Klinik für Neurologie am Medizinischen Zentrum (MZ) Würselen, sondern leitet dort auch das Schlaganfall-Zentrum (englisch Stroke Unit). Der Arzt weiß also, wovon er spricht.

Rund 1300 Schlaganfallpatienten jährlich werden nun am Standort Marienhöhe in Würselen-Mitte – vor einigen Monaten noch in Bardenberg – behandelt. Mit dem Umzug ging eine weitere Aufwertung des Schlaganfall-Zentrums sowohl personell als auch technisch einher – zugunsten einer noch effektiveren Behandlung von Betroffenen, wie Kosinski betont.

Typische Schlaganfallsymptome sind halbseitige Lähmungen und Gefühlsstörungen, Sprach- oder Sehstörungen. Diese erkennbaren Auswirkungen hat eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung eines Teils des Gehirns, eben ein Schlaganfall. Hervorgerufen durch eine Verstopfung der Blutzufuhr mit einem Thrombus, einem Gerinnsel. Zu vergleichen ist dies etwa mit Schmutz, der den Ablauf von Wasser aus einem Becken blockiert. Die Beschwerden treten „schlagartig“ auf. Zumeist ist ein Schlaganfall auf den besagten Verschluss einer Hirnarterie zurückzuführen, aber auch eine Hirnblutung kann dies auslösen, wobei eine Arterie im Hirn „undicht“ wird oder reißt.

Was genau ein Schlaganfall ist und was dabei im Kopf geschieht und warum es so wichtig ist, nicht nur schnell die Gefahr zu erkennen, sondern auch zu handeln, das wird Kosinski beim nächsten und schon vierten Forum des MZ und unserer Zeitung am 24. November anschaulich erläutern und mit Kollegen auf Aspekte der Vorbeugung, Akutbehandlung und Nachsorge hinweisen.

„Das Schlimmste wäre, darauf zu warten, dass die Beschwerden wieder von selbst zurückgehen“, warnt Kosinski.

Die Devise „Was von allein kommt, geht auch wieder von alleine weg“ kann tödlich sein oder zu schweren Schädigungen des Gehirns und entsprechenden Behinderungen und Verlusten von Fähigkeiten wie Sprechen, Erinnern oder Bewegung führen, die trotz aller erstaunlichen Erfolge moderner Möglichkeiten der Rehabilitation allzu oft nur teilweise oder gar nicht mehr auszugleichen sind.

Mit jeder vertanen Minute ohne medizinische Behandlung droht mehr Gewebe im Gehirn auf Grund des mangelnden oder gänzlich abgeblockten Zustroms von arteriellem Blut abzusterben.

„Lieber einmal mehr den Notarzt alarmieren, als einmal zu wenig“, rät Kosinski dringend. Aber nicht nur der Patient – soweit er denn überhaupt noch in der Lage ist zu handeln – ist da „gefordert“. Gleiches gilt für Familienangehörige, Kollegen am Arbeitsplatz oder andere Zeugen des abrupten Veränderungsprozesses bei dem vom Schlaganfall Betroffenen. Ein Auge für den anderen haben und beherzt handeln, ist da angesagt.

Um nach der Erstversorgung durch den Notarzt eine möglichst effiziente Akutbehandlung zu gewährleisten, haben sich seit kurzem vier Schlaganfallzentren in der Region zu einem besonderen Netzwerk zusammengefunden, wie der Neurologe sagt. Dies sind neben dem MZ die Uniklinik in Aachen sowie die Einrichtungen in Düren-Lendersdorf und Erkelenz.

Der Hintergrund: Nur das MZ und die Uniklinik verfügen über das Potenzial, um Thromben selbst aus kleinen Äderchen des Gehirns mechanisch zu ziehen. Dies setzt eine aufwändige Technik nebst bildgebender mehrdimensionaler Steuerungs- und Überwachungstechnik voraus – und speziell befähigtes Personal. Mit dem Austausch der Kliniken untereinander werden zwei Effekte erzielt: Zum einen können die Schlaganfallpatienten schnell dieser effizienten Behandlungsform zugeführt werden. Zum anderen werden die teuren Geräte möglichst ausgelastet und wirtschaftlich gefahren.

Netzwerkarbeit ist auch bei der Nachbehandlung und -betreuung der Patienten wichtig. Kosinski weist dabei unter anderem auf die „Deutsche Schlaganfall-Hilfe“ hin, deren Regionalbeauftragter er ist.

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