„Forum Medizin“: Interesse am weiten Feld der Urologie

Von: Markus Bienwald
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Sie setzten sich intensiv mit den Fragen auseinander: Prof. Dr. Ziya AkÇetin, Dr. Verena Starke-Rueben und Dr. Thoms Pulte. Foto: Markus Bienwald
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Die Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Alsdorf hielt viele Informationen bereit. Foto: Markus Bienwald
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Moderator Karl Stüber ließ Betroffene und Interessierte zu Wort kommen. Foto: Markus Bienwald

Würselen. Auch das fünfte „Forum Medizin“ unserer Zeitung und des Medizinischen Zentrums (MZ) der Städteregion Aachen in Würselen erfreute sich – trotz laufender Fußball-EM und teils tropischer Witterungsverhältnisse – bester Nachfrage.

So kamen beim von unserem Redakteur Karl Stüber moderierten Abend im „Alten Rathaus“ in Würselen rund 100 Besucher, um sich dem weiten Feld der Urologie zu widmen. Natürlich ging es dabei auch um die harten Themen wie Prostata- oder Nierenkrebs.

Aber auch die vielen, teils sehr feinen Abstufungen im Bereich betreffender Beschwerden und Erkrankungen boten mehr als genug Redestoff für zwei höchst interessante Stunden. Die dabei von Moderator Karl Stüber eingangs formulierte Frage, ob „Mann“ mit Prostatakrebs auch alt werden kann, ohne daran zu sterben, beantwortete der erste der Experten, Urologe Prof. Dr. Ziya Akcetin, ebenso wie der niedergelassene Urologe Dr. Thomas Pulte und Hausärztin Dr. Verena Starke-Rueben mit einem klaren „Ja“.

Bei der Frage, welche Methodik bei der Behandlung die passende sei, zeigte sich aber schon alleine mit Blick auf verschiedene Diagnosen und Operationstechniken die große Bandbreite dieses medizinischen Feldes. Analog dazu befragte Stüber die drei Fachleute in der Reihenfolge, die wohl ein ganz normaler Patient bei einem urologischen Verdacht beschreitet.

Die erste Anlaufstelle dürfte dabei der Hausarzt sein, wobei Dr. Verena Starke-Rueben in ihrem Vortrag nicht nur die verschiedenen Erkrankungs- und Diagnoseformen präsentierte. Sie setzte sich mit Nachdruck für Vorsorgeuntersuchungen ein, auch wenn diese teilweise als Wahlleistungen dann in der Entscheidungsgewalt der Patienten liegen.

„Ich mache meinen Patienten immer das Angebot für eine Vorsorgeuntersuchung“, so Dr. Starke-Rueben, die sich wie die anderen beiden Referenten für eine möglichst frühe Erkennung eben über die Vorsorge einsetzte.

„Eine deutsche Diskussion“

Dass Gespräche über die Vorsorge „eine deutsche Diskussion“ seien, betonte Dr. Thomas Pulte, der als niedergelassener Urologe die nächste Anlaufstelle für Patienten sein dürfte. „In Belgien gibt es die Diskussion gar nicht“, sagte er, dort würde gleich die erste Untersuchung, beispielsweise um den PSA-Wert für das prostataspezifische Antigen zu bestimmen, von den Kassen übernommen. Der Test des PSA-Wertes, der auch in der Fragerunde der Anwesenden und den diskutierten Leserfragen eine gewichtige Rolle spielte, ist für ihn derzeit alternativlos.

Nicht aussagekräftig an sich

Dennoch, so machte Prof. Dr. Ziya Akçetin, Leiter der Urologie und Kinderurologie am MZ, und damit letzte Anlaufstelle in Sachen Diagnose und Operation von Erkrankungen, deutlich, sei ein einmal festgestellter PSA-Wert für sich gesehen noch nicht aussagekräftig genug. „PSA ist immer ein Verlauf“, so Akçetin, der sich am besten per Monitoring kontrollieren lasse. Doch nicht nur PSA, sondern auch die meist harmloseren Ursachen für plötzlichen Harndrang oder Inkontinenz kamen zur Sprache.

„Wenn wir dann von einem Tumor sprechen, dann meint der Patient meist, dass es sich um Krebs handelt“, warf Dr. Pulte ein. Dabei steht der Begriff „Tumor“ lediglich dafür, dass es eine Schwellung, eine Raumforderung gibt, die da nicht hingehört. Was sehr wohl in die Diskussion gehörte, waren natürlich die operativen Behandlungsformen von gut- und auch bösartigen Tumoren. Hier stellte insbesondere Prof. Akçetin modernste Behandlungsmethoden vor, die er im MZ einführte. Dort wird beispielsweise mit einem extrem feinfühlig arbeitenden Operationsroboter gearbeitet, einer Technik, die so in der Region nur im MZ in Würselen zum Einsatz kommt.

Eindrucksvolles Video

Mit einem eindrucksvollen Video, bei der das millionenteure Gerät dem Operateur allerfeinste Arbeiten abnimmt, demonstrierte Akçetin die Möglichkeiten der feinen Technik. Dennoch stemmte er sich vehement gegen eine Form von Technik- und Forengläubigkeit, die sich in der vom uferlosen Angebot an Diskussionen, Wissenschaft und Grauzonen über das Internet unter den Menschen gefährlichbreit macht.

„Medizin bleibt ein individuelles Ereignis“, betonte der Professor. Er sagte zwar, dass man sich im Internet in verschiedenste Bereiche einlesen könne. Doch letztlich sei es das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, das bei allen Beschwerden und Erkrankungen die beste aller Lösungen sei. „Ich halte es für extrem gefährlich, sich im Internet einen Behandlungsweg zu suchen“, schloss er, und stieß dabei auf zustimmendes Nicken nicht nur unter den anderen Referenten. Auch die meisten Anwesenden konnten sich mit dieser Ansicht anfreunden, was der Applaus der Gäste bewies.

Im Laufe der Veranstaltung kamen nicht nur von medizinischer Seite viele Ansichten und Möglichkeiten zusammen. Es gab auch Informationen über Angebote beispielsweise der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Alsdorf. Allen gemeinsam war, dass es den einen Krankheitsverlauf und die eine, definitive Behandlungsform nicht geben kann.

Das galt übrigens auch für den Bereich der Nierenerkrankungen, wie Dr. Pulte am Ende feststellte. Er berichtete nicht nur über Therapien für den bei Männern ab Mitte 40 einsetzenden Testosteronmangel. Pulte wusste auch von Tumoren zu berichten, die vor zwei Jahrzehnten vielleicht noch dazu geführt hätten, dass das Organ operativ entfernt wurde. „Heute gilt aber die Devise, so viel vom Organ zu erhalten, wie möglich ist“, schloss Pulte.

Angesichts der modernen Operationsverfahren sei dies meist auch kein Problem, und dank feinerer Techniken könnten auch kleinere Tumore zuverlässig entfernt werden, ohne den Patienten zu sehr in seiner Lebensqualität einzuschränken. Am Ende des langen und mit zahlreichen Informationen, Diskussionen und Meinungen prall gefüllten Abends gab es dann nicht nur viel Applaus für die Beteiligten.

Im Herbst neues „Forum“

Moderator Karl Stüber kündigte an, dass im Herbst dieses Jahres das nächste „Forum Medizin“ stattfinden wird. Das Thema steht zwar noch nicht fest, klar ist aber, dass der Andrang auch bei andere Angebote und Wetterlagen gut sein dürfte.

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