Forum Medizin: Den Peiniger Rheuma richtig behandeln

Von: Karl Stüber
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Schmerzen in der Schulter: Das kann auf Rheuma hindeuten. Aber nur durch genauere Untersuchungen kann die Ursache hierfür ermittelt werden. Foto: stock&people
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Er ist Facharzt für Rheumatologie: Dr. Matthias Hemmerich.

Würselen. Glaubt man den Erzählungen Älterer, war Rheuma schon immer eine außerordentlich weit verbreitete Krankheit. Oma hatte es, deren Mutter natürlich auch, ganz zu schweigen von den männlichen Vorfahren, spätestens im Alter.

Wenn es zwickte und zwackte, aber auch bei großen Schmerzen ging oft das Wort Rheuma mangels anderer Erklärung über die Lippen, wie Dr. Matthias Hemmerich berichtet. Kälte, Feuchte, harte Arbeit wurden dafür verantwortlich gemacht. Heute sind Wissenschaft und Medizin zum Glück ein gutes Stück weiter. Schmerzen im Bewegungsapparat können auf rheumatische Erkrankungen hindeuten, wie der Aachener Facharzt für Rheumatologie sagt. Aber solche Schmerzen können verschiedene Ursachen haben, nur Fachleute können Rheuma sicher diagnostizieren.

„Echtes“ Rheuma ist tatsächlich ein weit verbreitetes Krankheitsbild. Nach Darstellung des Medizinischen Zentrums Würselen (MZ) leiden etwa 13 Millionen Deutsche unter chronischen Schmerzen. Davon sind neun Millionen von einer rheumatischen Krankheit betroffen. Aber das Krankheitsbild Rheuma ist vielfältig. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie spricht von mehr als 100 verschiedenen rheumatischen Krankheiten. Grund genug, das dritte Forum Medizin, das unsere Zeitung und das Medizinische Zentrum in Würselen organisieren, dem Thema Rheuma zu widmen. Hemmerich ist einer der Referenten.

Rheumatische Erkrankungen können in vier Gruppen eingeteilt werden. Zum einen geht es um entzündliche Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew. Zum anderen bilden degenerative Erkrankungen wie Arthrose und Wirbelsäulenverschleiß eine zweite Gruppe. Als dritte Gruppe werden Krankheiten des Bewegungssystems anderer Ursachen wie z.B. Stoffwechselstörungen (Gicht oder Diabetes) aufgeführt. Viertens geht es um rheumatische Schmerzerkrankungen der Muskel, Sehnen und Bänder („Weichteilrheumatismus“ bzw. Fibromyalgie).

Das Immunsystem spielt eine wichtige Rolle, besonders bei entzündlichen Rheuma-Erkrankungen. Hemmerich spricht von autoimmunen Erkrankungen. „Die Erkrankung kommt nicht von außen angeflogen wie eine Erkältung, aber es gibt äußere Faktoren, die rheumatische Beschwerden auslösen bzw. beeinflussen.“

In der Regel wird ein niedergelassener Rheumatologe wie Hemmerich erst dann von einem Patienten aufgesucht, wenn ein anderer Arzt, zumeist der Hausarzt oder ein Orthopäde, erste ernst zu nehmende Hinweise auf eine entsprechende Erkrankung ausgemacht hat. Zumeist bleibt es auch bei der Behandlung durch niedergelassene Ärzte, wie Hemmerich erläutert. „Rund 80 Prozent aller rheumatologischen Patienten sind ambulante Patienten.“

In der Regel werden vor allem die Betroffenen in Krankenhäusern bzw. Kliniken stationär behandelt, bei denen das Rheuma zu schweren Organschäden (Lunge, Niere, Herz) geführt hat oder Betroffene, die unter komplexen Begleiterkrankungen leiden. In Fachkliniken wird durch eine „aggressive Therapie“ dem Übel zu Leibe gerückt, was genau überwacht sein will. Je nach Fall wird dabei die Unterstützung durch einen Schmerztherapeuten sehr wichtig, vor allem bei einem chronischen Verlauf, um den Kreislauf des Leidens zu durchbrechen.

Außerordentlich wichtig ist es, die Anamnese (systematische Befragung) des Patienten sorgfältig vorzunehmen, betont er aus Erfahrung. So kann eine Hauterkrankung in der Kindheit (Schuppenflechte) über Jahre zeitversetzt zu einer rheumatischen Entzündung führen. Laboruntersuchungen des Blutes, oder der Gelenkflüssigkeit bzw. die damit verbundene Suche nach Botenstoffen bringen Aufschluss. Wichtig sind auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT oder CT, um Entzündung oder Verschleiß von Gelenken, Muskeln, Sehnen oder Bändern auf die Spur zu kommen. Hemmerich belässt es nicht bei der Untersuchung nur des schmerzenden Knies oder steif gewordener Fingergelenke. Stets wird der ganze Körper in Augenschein genommen, auch wenn der Patient verwundert reagiert. Der Zustand aller Gelenke, des Rückens, der Organe und der Haut, die weitere Hinweise liefern kann, sind wichtig, wie der Aachener Rheumatologe betont. „Früher hieß es oft, Rheuma sei unheilbar. Das kann man heute zum Glück in vielen Fällen relativieren“, sagt der Facharzt. Durch entsprechende Behandlung – gerade mit Medikamenten – könne oft ein Stillstand der Krankheit erzielt, Symptome und gerade Schmerzen beseitigt oder wesentlich gemildert und unterm Strich wieder eine normale Lebenserwartung als Perspektive eröffnet werden. Der Patient müsse indes lernen, mit seiner Erkrankung und deren Behandlung zu leben. Leider seien die verabreichten Mittel teilweise mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Dies sei mit dem Patienten abzuwägen.

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