Forum Medizin: Das beste Mittel gegen Kopfschmerzen

Von: Markus Bienwald
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Wissenswertes in Vorträgen, mit Fragen aus dem Publikum und Diskussionen gab es beim inzwischen fünften Forum Medizin unserer Zeitung und des MZ Würselen. Foto: Markus Bienwald
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Die Experten auf dem Podium im Gespräch Dr. Till Wagner, Dr. Patrick Schmidt und Bernd Heinrichs (v.l.).
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Physiotherapeutin Ute Gröling vom MZ Würselen zeigte die passenden Entspannungsübungen.
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Unser Redakteur Karl Stüber fing mit dem Mikrofon die Fragen aus dem Publikum ein.

Würselen. Ein Ziehen, ein Hämmern, das Gefühl, einen zu engen Hut zu tragen oder der Wunsch, die Welt einfach für ein paar Stunden ausblenden zu können: all das ist Teil des persönlichen Empfindens, wenn es um Kopfschmerzen geht.

Was dagegen zu tun ist, welche Wege es aus dem Teufelskreis von Medikamenteneinnahme und Kopfschmerz gibt und welche Alternativen zur chemischen Schmerzbekämpfung es geben kann, zeigte das fünfte Forum Medizin unserer Zeitung und des Medizinischen Zentrums (MZ) Würselen im Alten Rathaus von Würselen.

Unser Redakteur Karl Stüber begrüßte dazu an der Kaiserstraße nicht nur zahlreiche Gäste, sondern auch ein Podium voller Experten, die sich mit allen Arten des Kopfschmerzes und ihren Ursachen auskennen. Zwar waren die Fachärzte sich in ihren Vorträgen und bei den Antworten auf Publikumsfragen beispielsweise beim richtigen Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme oder auch den passenden Wirkstoffen nicht immer einig. Mit einer Stimme sprachen sie hingegen, wenn es darum ging, dass jeder Patient eine eigene Empfindung und eine eigene Behandlung seiner Schmerzen nötig hat.

Ein Experte auf dem Podium war Dr. Patrick Schmidt von der Klinik für Neurologie am MZ. Er riet den Menschen, die von Kopfschmerz heimgesucht werden vor allem zur Ruhe. „Sie sollten sich nicht verrückt machen lassen, wenn sie das Gefühl haben, sie kommen nicht weiter“, war sein wichtigster Tipp.

Wie seine Fachkollegen Dr. Till Wagner, Leiter der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin am MZ und der im Schmerzzentrum am Aachener Boxgraben niedergelassene Arzt Bernd Heinrichs hob er hervor, dass Untersuchungen mit bildgebenden Geräten wie beispielsweise bei einem CT in den meisten Fällen ohne Ergebnis ablaufen. Dennoch komme es darauf an, möglichst schnell abzuklären, ob hinter einem akuten unerträglichen Kopfschmerz ernste Erkrankungen oder beispielsweise ein Schlaganfall stecken.

Ein weiteres Problem beim Thema Kopfschmerz machte Dr. Schmidt dabei schon bei den Patienten selbst aus. Bei seiner Frage danach, wer im Publikum schon einmal Kopfschmerzen hatte, schnellten fast alle Finger hoch. Bei der Nachfrage, ob man damit auch beim Arzt gewesen sei, waren sehr viel weniger Hände oben. „Das ist das Problem, denn die Schmerzen werden oft selbst behandelt“, so Schmidt. Mit Kosten von mehr als zehn Milliarden Euro jährlich, die für Schmerzmittel ausgegeben werden, sei dies nicht nur eine sehr teure Behandlungsform, sondern auch eine sehr vage. Schließlich, schloss Schmidt, könne Kopfschmerz konkret gemessen werden.

Ein Eindruck, den auch Bernd Heinrichs unterstrich. Der Schmerzspezialist betonte, dass alles Schmerzempfinden immer subjektiv sei. Was für ihn wirklich helfe, sei eine ausführliche Anamnese durch den Arzt, eine Bestandsaufnahme und Untersuchung, damit die passenden Behandlungsformen für die Schmerzen gefunden werden könnten. Er riet beispielsweise beim Spannungskopfschmerz, aber auch bei anderen Schmerzen ein Tagebuch zu führen, und dies dann mit dem Arzt zu besprechen. Gerade beim Spannungskopfschmerz machte er Rezeptoren aus, die an anderer Stelle im Körper sitzen, und durch andauernde Reize schließlich zum Spannungskopfschmerz führen könnten.

Dann griffen die meisten zu rezeptfreien Medikamenten, „meistens, um dann weiter zu funktionieren“. Dabei sei gerade die Ruhe, Entspannung und Ausgeglichenheit ein medikamentenloser Weg dazu, sich vom Schmerz zu befreien. Die richtige Anwendung von Minzöl könne Patienten auch helfen, nicht aber die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln. „Dann entsteht unter Umständen Dauerkopfschmerz und das ist eine Falle, denn dann werden immer mehr Schmerzmittel genommen“, schloss Experte Heinrichs.

Als erklärter Gegner von Schmerzmitteln, aber als Freund ausführlicher Diagnostik zeigte sich Dr. Till Wagner. Er beschrieb die oft durchlittene Odyssee von Kopfschmerzpatienten auf, die vom Internisten über den Optiker bis zum Zahnarzt reichen könne. Dabei sei eine gründliche Erstuntersuchung der wichtigste Schritt, sich auf den Weg zur Schmerzfreiheit zu machen. „Form und Dauer sind wichtig, denn Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz“, betonte Dr. Wagner. Er forderte die Menschen auch auf, sich einmal in der Familie umzuschauen, denn Kopfschmerzen könnten auch als Kind „erlernt“ werden.

Dass Käse, Schokolade oder Rotwein bei Migränepatienten für einen Schub sorgen könnten, stellte er allerdings sehr in Frage. „Migränepatienten brauchen einen geordneten Tagesablauf“, machte er klar, hier könnten schon ein späteres Zubettgehen oder eine andere Zeit beim Aufstehen dafür sorgen, dass die Migräne kommt, und nicht bestimmte Nahrungsmittel. Und wer wisse, dass er beispielsweise nach einem Tag mit vielen Anstrengungen eine Migräneattacke bekommen kann, dem riet er ganz einfach, „mal ‚Nein‘ sagen, und sich einfach aufs Sofa setzen“.

Das gab es beim Beitrag von Ute Gröling, Physiotherapeutin am MZ natürlich nicht. Sie sorgte mit einfachen Lockerungs- und Bewegungsübungen nicht nur für Schwung während der gut zweieinhalbstündigen Veranstaltung. Sie zeigte auch, wie sehr ein wenig Bewegung und gezielte Entspannung Wunder wirken kann gegen Kopfschmerzen. Denn Prophylaxe über Bewegung und die richtige Behandlung durch den Hausarzt, Facharzt oder die Klinik kann dafür sorgen, dass Menschen auch ohne den Griff zu den frei verkäuflichen Schmerzhemmern dauerhaft vom Kopfschmerz befreit werden können.

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