Nordkreis - Forum Medizin: Blutgerinnsel aus dem Gehirn entfernen

Forum Medizin: Blutgerinnsel aus dem Gehirn entfernen

Von: Karl Stüber
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Wird am Dienstagabend das Ziehen bzw. Absaugen eines Blutgerinnsels aus dem Gehirn eindrucksvoll erläutern: Prof. Dr. Georg Mühlenbruch vom Medizinischen Zentrum Würselen. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Kanäle können verstopfen. Im Haushalt sorgt das für Verschmutzung, Ärger und Kosten, wenn der Klempner anrücken muss, um das Rohr wieder frei zu machen. Sind wichtige Blutbahnen, eine besonders sensible Form von Kanälen, verstopft, kann dies dem Menschen schwere Schäden zufügen, ja das Leben kosten.

Beim Verschluss von Halsarterien und Blutgefäßen im Kopf spricht man von Schlaganfall. Ein Spezialist der besonderen Art, um wieder für freien Blutfluss zu sorgen, ist Prof. Dr. Georg Mühlenbruch. Er ist einer der Referenten des Forum Medizin des Medizinischen Zentrums Würselen (MZ) und unserer Zeitung, das am Dienstag, 24. November, im Alten Rathaus an der Kaiserstraße stattfindet.

Moderne Angiographieanlage

Der Chefarzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am MZ verfügt seit ein paar Monaten über modernste Technik im Diagnostik- und Behandlungszentrum im Neubau am Standort Marienhöhe – eine neue Angiographieanlage. Technik, die Leben retten und schwere Hirnschädigungen vermeiden hilft. Mit Hilfe dieser hochkomplexen Anlage können Blutgerinnsel mit einem Durchmesser von wenigen Millimetern auf engstem Raum geortet und mit einem Katheter aus dem betroffenen Blutgefäß und dem Gehirn entfernt werden.

„Das gelingt nur in effektiver interdisziplinärer Teamarbeit“, verweist Mühlenbruch auf die Kooperation mit Anästhesisten und Neurologen des MZ. Dies wird der Facharzt für Radiologie mit Schwerpunkt Neuroradiologie beim Forum Medizin zum Thema Schlaganfall am Dienstag im Alten Rathaus erläutern. Das Forum wird von der Stadt Würselen unterstützt.

Nur wenige Kliniken in Deutschland verfügen über eine so moderne Angiographieanlage, die uns dabei hilft, verstopfte Blutgefäße zu rekanalisieren. Der Eingriff ist nicht für jeden Patienten geeignet. „Ausschlaggebend ist dabei nicht nur die Stelle des Gefäßverschlusses im Gehirn, sondern auch die Größe des Gefäßes“, sagt Mühlenbruch. Die Entfernung des Blutgerinnsels (Thrombektomie) beginnt an einer ganz anderen Stelle des Körpers. „Wir kommen über die Leiste wie beim Herzkatheter“, sagt Mühlenbruch. Der „Schlauch“, der weiteres Werkzeug enthält, wird – überwacht durch mehrdimensionale bildgebende Verfahren – durch die Bauchschlagader bis zur Halsschlagader geschoben. Von dort aus wird ein Mikrokatheter vorsichtig durch die kleinen Schlagadern ins Gehirn bis an den Zielpunkt, das Gerinnsel, vorgeschoben.

Blutgerinnsel „gepackt“ oder angesaugt

„Auf dem Weg dahin können weitere Problemstellen entdeckt werden“, sagt Mühlenbruch. Dort müssen eventuell Stents gesetzt werden, um den Zugangsweg zum Gehirn freizumachen und einem weiteren Schlaganfall entgegen zu wirken. Am Zielpunkt angelangt, wird das Blutgerinnsel „gepackt“ oder angesaugt und vorsichtig aus dem Kopf bis zur Leiste gezogen. „Wir können auf diese Weise über 90 Prozent der Gefäße wieder öffnen“, sagt der Fachmann. Je nach Aufwand dauert diese Thrombektomie ein halbe bis zwei Stunden.

Nach erfolgreicher Therapie ist es darüber hinaus aber für den weiteren Krankheitsverlauf des Patienten auch extrem wichtig, dass ein spezialisiertes Schlaganfall-Team und eine neurologische Stroke-Unit zur Verfügung stehen.

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