Formal zulässige „Holzernte“

Von: bea
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Abgeholzt und aufgestapelt: Im Further Wald zwischen Herzogenrath und Bardenberg fällte ein privater Waldbesitzer einen Großteil des Baumbestands. Das empört Naturfreunde, Politiker und Aufsichtsbehörden. Foto: Daniel Gerhards, imago/biky

Herzogenrath. Einen Fragenkatalog bezüglich des Kahlschlags im Further Wald hatte die SPD an die Verwaltung gerichtet. Obschon eine juristische Prüfung hinsichtlich der Naturschutz- respektive Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien erfolgt sei? Es handelte sich um eine „ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung, die weder im Sinne der Verwaltungsvorschrift (VV)-Artenschutz noch Projekt im Sinne der VV-Habitatsschutz ist, so dass sie grundsätzlich nicht einer Artenschutz- oder einer FFH-Prüfung unterliegt“, lautet die Antwort.

 Die Verwaltung bezieht sich neben einer juristischen Stellungnahme der Städteregion auch auf Aussagen des zuständigen Regionalforstamts Rureifel-Jülicher Börde anlässlich einer Ortsbesichtigung. Die „Form der Holzernte“ im Further Wald widerspreche „ausdrücklich nicht der üblichen Auslegung zur ordnungsgemäßen fortwirtschaftlichen Nutzung“.

Mit Blick auf die Wegeschäden wollte die SPD wissen, ob der Verursacher, ein Eifeler Holzhändler, aufgefordert worden sei, die Wege wieder instand zu setzen? Bei einem Ortstermin habe die Firma „verbindlich zugesichert“, sämtliche Schäden zu beseitigen. Es bedürfe allerdings zunächst einer frostfreien Periode von vier Wochen, um einen „Erdhobel“ einzusetzen. Der Termin werde mit dem Fachbereich Bau und Betrieb abgestimmt. Im Anschluss erfolge durch das Gemeindeforstamt Aachen eine Bestandsaufnahme.

Rot markierte Bäume, so teilt die Verwaltung mit, stünden auf Würselener Grund. Laut Revierförsterin Susanne Gohde handele es sich um Buchen, die gemäß Forstwirtschaftsplan abgeholzt werden sollen. Gelb markierte Bäume seien „Zukunftsbäume“.

Grundsätzlich auf eigene Gefahr

Die SPD sorgt sich auch um die Verkehrssicherung. Diese obliege zwar dem Waldbesitzer, doch grundsätzlich, so weist die Stadt hin, betrete jeder Besucher einen Wald auf eigene Gefahr. Für „waldtypische“ Gefahren hafte der Besitzer gemäß Bundesgerichtshof (Urteil 2. Oktober 2012) nicht. Ihm sei nur eine Sichtkontrolle vom Boden aus bei Bäumen an Wegen zuzumuten. Sofern Bäume keine erkennbaren Schäden aufweisen, sei der Besitzer auch im Falle von Sturm „in der Regel von Schadensersatzansprüchen freigestellt“.

Analysieren lassen hat die SPD auch die Besitzverhältnisse im Wald. „Zahlreiche Flächen“, so die Verwaltung, gehören dem EBV bzw. Tochterfirmen. Da weitere Verkaufsabsichten nicht ausgeschlossen werden, sei eine Anfrage mit Bitte um Parzellenkennzeichnung gestellt worden. Was die Möglichkeit einer einstweiligen Verfügung angeht, verweist die Verwaltung auf die nötige Einzelfallprüfung – was die Kenntnis des Vorhabens voraussetze... Es sei „unstreitig“, bilanzieren Bürgermeister Christoph von den Driesch und Rolf Kalmbach, Fachbereichsleiter Bau und Betrieb, dass die „formal zulässige Vorgehensweise“ des Holz-Unternehmers „im Ergebnis sowohl für das Schutzgebiet wie auch für die Erholungssuchenden unbefriedigend ist“. Von Vorteil sei, dass die Notarkammer nun wieder alle Grundstückskäufe in bestimmten Schutzgebieten der Städteregion vorlegen soll.

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