Herzogenrath - Folker Moschel verlässt nach 30 Jahren den Herzogenrather Stadtrat

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Folker Moschel verlässt nach 30 Jahren den Herzogenrather Stadtrat

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Nach 30 Jahren im Stadtrat ist nun endgültig Schluss: Folker Moschel (75/Grüne), Träger des Ehrenrings der Stadt Herzogenrath, hängt sein Mandat zugunsten der Enkel an den Nagel. Foto: Katrin Fuhrmann

Herzogenrath. Seine allerletzte Ratssitzung war am Dienstag, da war er aber schon nicht mehr Mitglied des Stadtrats, wurde Margarete Flaßwinkel als seine Nachfolgerin vereidigt: Nach 30 Jahren intensiven Einsatzes in der Lokalpolitik hat sich Folker Moschel (Bündnis 90/Die Grünen) jetzt zurückgezogen.

Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) würdigte ihn eingangs der Sitzung für seine gute Arbeit. Im Gespräch mit Katrin Fuhrmann wirft Folker Moschel einen Blick darauf:

Mitten in der Wahlperiode haben Sie sich zum Rückzug aus dem Ratssaal entschieden – was ist der Grund?

Mosche: Der Rückzug nach der Hälfte der Wahlperiode war innerhalb der Fraktion vereinbart. Am 11. November in diesem Jahr bin ich 75 Jahre alt geworden. Ich wollte mehr Zeit für meine Familie, insbesondere unsere drei Enkel haben. Irgendwann müssen ja auch mal die Jüngeren nach vorne.

30 Jahre lang haben Sie bei den Grünen in Herzogenrath den Ton mit angegeben: Was waren die Ideale, für die Sie einst an den Start gingen?

Moschel: Ich habe erst spät den Weg in die Politik gefunden. Damals hatte die SPD die absolute Mehrheit in Herzogenrath. Die Politik der SPD war mit den Ideen der Grünen konträr. Ich wollte die Kommunalpolitik im Sinne der grünen Ideale mitgestalten. Dies ist uns in Kooperation mit der CDU, die mehr als drei Wahlperioden gehalten hat, gut gelungen.

Grüne Ideen prallten in Herzogenraths Stadtrat vor Jahrzehnten oft genug auf Granit, nicht wahr?

Moschel: Richtig, zu Zeiten der absoluten Mehrheit der SPD wurden grüne Anträge rundweg abgelehnt oder später und leicht geändert als eigene Ideen eingebracht. Das waren harte Zeiten, in denen auch persönliche Angriffe vorkamen. Mit dem Kooperationspartner CDU war das anders. Hier konnten grüne Ideen umgesetzt werden. Und das ist von den Bürgerinnen und Bürgern auch honoriert worden.

Und was ist nach all der Zeit von diesen Idealen übriggeblieben? Oder anders gefragt: Wie viel Relevanz haben die Grünen in Herzogenrath heute noch?

Moschel: Unsere Ideale sind geblieben, und es gibt viele Bürger, die unsere Ideale teilen. In der heutigen Konstellation mit der großen Koalition ist es natürlich schwierig, grüne Ideen auch umzusetzen. Aber ich bin mir sicher, dass sich früher oder später viele grüne Ideale verwirklichen werden. Ich denke da ganz besonders an die Energiepolitik und an den Klimaschutz.

Nun ist politisches Handeln vielfach schlichtweg Abbildung des gerade mal Machbaren – wo mussten die Grünen in den Jahrzehnten besonders zurückstecken?

Moschel: Zu Zeiten der Kooperation mit der CDU mussten wir eigentlich nur bei der Ansiedlung von Windkraftanlagen zurückstecken. Auf der anderen Seite konnten wir Neubauten in Landschaftsschutzgebieten verhindern und so der Zersiedelung der Landschaft Einhalt gebieten.

Wie Sie schon erwähnten, hat es in Herzogenrath drei Auflagen einer schwarz-grünen Kooperation gegeben, die schließlich mit Pauken und Trompeten von der CDU aufgekündigt wurde. Die Grünen hatten sich mit dieser Konstellation aber offenbar ganz gut arrangiert, oder?

Moschel: Ja, das war aber auch nicht schwierig. Die Alternative mit der SPD scheiterte, da die SPD sich weiterhin so verhielt, als ob sie über eine absolute Mehrheit verfügte. Die schwarz-grüne Kooperation funktionierte hingegen auf Augenhöhe, durch gegenseitiges Vertrauen und strikte Einhaltung des Vereinbarten. Nach 18 Jahren änderte sich dies. Es kam mehrmals vor, dass Absprachen nicht eingehalten wurden.

Was würden Sie als größten Erfolg der Grünen in der Rodastadt kennzeichnen?

Moschel: Da gibt es einiges. Die Einrichtung der Euregiobahn anfangs bis Merkstein und später bis Alsdorf. Die Erhaltung des ehemaligen Burkhard-Parks des EBV an der Roermonder Straße, dem heutigen Generationenpark in Kohlscheid. Der Erhalt des Bahnhofs Herzogenrath. Die Einrichtung des Forums für Kunst und Kultur und des Frauenkommunikationszentrums. Der Erhalt des „Klösterchens“ in Merkstein durch die Einrichtung des Kulturzentrums Klösterchen. Schließlich die Einrichtung des Bürgerbüros im Rathaus.

Wenn Sie heute in Herzogenrath das Sagen hätten: Wo würden Sie sofort den Hebel ansetzen?

Moschel: Diese Gedanken sollen sich jetzt andere machen! Aber vielleicht setzen die den Hebel bei der Stadtverwaltung an?!

Jetzt noch die unvermeidliche Frage: Womit werden Sie künftig Ihre frei gewordene Zeit füllen?

Moschel: Meine Frau und ich kümmern uns gerne um unsere drei Enkel, denn selbstverständlich sind auch unsere beiden Schwiegertöchter berufstätig. Ich freue mich auf mehr Zeit für meine Familie. Meine Frau und ich gehen auch gerne in die Oper und das Theater. Außerdem möchte ich endlich auch mal ein Buch zu Ende lesen.

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