Würselen - Förderverein: „Die Bücherei im Kulturzentrum lassen“

Förderverein: „Die Bücherei im Kulturzentrum lassen“

Von: Karl Stüber
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Sie sprechen sich für den Verbleib der Stadtbibliothek im Alten Rathaus aus: Christa Ross und Günter Kölling vom Vorstand des Fördervereins. Im Kulturausschuss wurde dagegen vorgeschlagen, die lichten Räume (in Hintergrund) zu einer Kulturpassage umzuwandeln. Foto: Karl Stüber

Würselen. „Es ist besser, die Stadtbücherei am Standort Altes Rathaus zu lassen“, sagt Günter Kölling. Der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei hält es für keine gute Idee, die Einrichtung in das Gebäude der auslaufenden Hauptschule an der Lehnstraße zu verlegen.

Zuletzt hatte das von der Stadt Würselen beauftragte Aachener Architekturbüro Paulssen + Schlimm ein Konzept zum Umbau des Alten Rathauses im Zuge der geplanten Sanierung nebst Nutzungsvorschlägen im Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur vorgestellt.

Hierbei war vom Planer präferiert worden, die derzeit von der Stadtbücherei genutzten lichten Räume in eine Kulturpassage umzuwandeln und unter anderem einen Jugendtreff einzurichten. Beigeordneter Roger Nießen hatte jedoch zugesichert, dass später noch genau geschaut werden müsse, wie die Nutzung der verschiedenen Räume am Ende wirklich aussieht.

Jugendtreff besser an einer Schule

Kölling hält einer Verlegung der Stadtbücherei entgegen, dass 1989 beim Umbau des Alten Rathauses zum Kulturzentrum Konzept war und auch entsprechend hoch gelobt wurde, dass die Bücherei in mit Licht durchfluteten Räumen untergebracht wird, die den Besuchern ein besonderes Ambiente bieten, anregen, zufrieden stimmen und zum Verweilen einladen.

Genau dieser Zweck sei seinerzeit mit öffentlichen Mitteln gefördert worden. Es sei damals um rund 2,2 Millionen Mark gegangen. Ein Jugendtreff würde viel besser in die Nähe einer Schule passen, in ein Haus mit vielen kleineren Räumen für unterschiedliche Aktivitäten.

Keine Einschränkungen

Das Gymnasium Würselen, so war es erneut im Ausschuss zu hören, plädiert für die Verlegung der Stadtbücherei in die auslaufende Hauptschule, wenn die dort heranwachsende Gesamtschule nach Fertigstellung des Neubaus an der Krottstraße ausgezogen ist. Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts Innenstadt (IHK) soll das Hauptschulgebäude vom Gymnasium mitgenutzt werden, wobei das Erdgeschoss für eine öffentliche Nutzung vorgesehen ist, beispielsweise für die Unterbringung eines Medienzentrums, eben der Stadtbücherei.

Aus Sicht des Gymnasiums wäre ein solches Medienzentrum wesentlicher Bestandteil des schulischen Konzepts. Demnach soll die Bibliothek im Rahmen neuer Lernkonzepte, insbesondere für die Sekundarstufe II, genutzt werden.

Genau diese Verknüpfung der schulischen Nutzung der Stadtbücherei im Rahmen neuer Lernkonzepte sieht der Förderverein kritisch. Christa Ross, ehemalige Leiterin der Grundschule in Bardenberg und bei dem Verein zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, sagt, eine städtische Bücherei müsse uneingeschränkt allen Bürgern gleichermaßen und ohne Bevorzugungen und Einschränkungen durch bestimmte Gruppen zur Verfügung stehen.

Außerschulischer Lernort

Würde die Einrichtung jedoch vom Gymnasium schulisch genutzt, so würde sich der Charakter der Bücherei wesentlich ändern. Dagegen fordert der Förderverein in einem Positionspapier: „Eine städtische Bücherei muss eigenständig handeln, arbeiten und Angebote machen“ – ohne Zwänge.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, stellen Kölling und Ross klar, dass umgekehrt betrachtet zeitgemäße Funktion einer Bibliothek natürlich auch sei, als außerschulischer Lernort zu dienen. „Das bietet die Stadtbibliothek seit Jahren in zentraler Innenstadtlage“ – eben im alten Rathaus.

Zur Programmarbeit gehörten Besuche von Kita-Gruppen, Rallyes, Lesenächte für Grundschüler, Vorlesestunden, Schreibworkshops, Lyrik- und Kunstprojekte für weiterführende Schulen. Ross und Kölling befürchten, dass sich diese vielfältigen Aktivitäten nach Verlegung an die Lehnstraße störend auf den Schulbetrieb auswirken, vielleicht sogar unmöglich seien – je nach Konzept des Gymnasiums.

Begrüßen würden die Vorstandsmitglieder des Fördervereins, wenn die Bücherei in den jetzigen Räumen im Rahmen des IHK zu einem aktuellen Medienzentrum zukunftsweisend umgestaltet werden würde. Dies entspreche vollkommen den pädagogischen Aufgaben.

Es sollten nach derzeitigem Bibliotheksstandard zwei neue EDV-Bildschirmarbeitsplätze nebst Druckern für Benutzer eingerichtet werden. Dadurch könnte eine jüngere Nutzerschicht (Migranten etc.) erschlossen und die Bibliothek als Begegnungsstätte weiter ausgebaut werden.

Wichtige Aufgabe sei, besonders für benachteiligte Kinder und Erwachsene Leseförderung zu betreiben und Medienkompetenz zu vermitteln. Außerordentlich bedauerlich ist aus Sicht des Fördervereins, dass die Bücherei seit Jahren von der Stadt Würselen personell und finanziell stark zurückgefahren wurde.

Eine Vollbibliothekarin wurde nach Pensionierung der letzten Funktionsträgerin nicht mehr eingestellt. Der „Vermehrungsetat“ wurde halbiert, die Öffnungszeiten verkürzt.

Die Folge: weniger Besucher, weniger Ausleihen. Ross und Kölling möchten, dass die Stadt diese Abwärtsspirale stoppt. Es solle unbedingt wieder ein(e) Diplom-Bibliothekar(in) eingestellt werden.

Dies sei die Voraussetzung dafür, weiterführende Konzepte und Projekte entwickeln und spezielle Fördermittel beantragen zu können.

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