Förderkreis Asyl befürchtet „Ghettoisierung von zwei Personengruppen“

Von: -ks-
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Derzeit hat das Haus bei voller Belegung – im Wesentlichen in Zweibettzimmern – Platz für 40 Personen. Foto: Karl Stüber

Würselen. Dass die Obdachlosenunterkunft Neustraße 40 in einem schlechten Zustand dringend sanierungsbedürftig ist, ist dem Haus schon von außen anzusehen. Verschiedene Fenstersorten sind mit der Zeit bei Reparaturen verbaut worden, die Fassade ist grau-braun gefleckt. Immer wieder war von Feuchtigkeitsschäden und Schimmel im Innern die Rede.

Vor der Unterkunft hängt eine ausgeblichene Deutschlandfahne an einem Mast. Es rollt ja wieder der Ball: Europameisterschaft der Frauen. Ein paar Meter weiter wird an der Straße gearbeitet, vorübergehend ist sie deshalb nur in einer Richtung zu befahren.

Versuche, mit Anliegern Kontakt aufzunehmen und sie zu befragen, scheitern. Zwei auf das Straße Angesprochene wollen sich zu dem Thema Unterbringung von Obdachlosen und Asylbewerbern nicht äußern. Das war in der Ratssitzung vor ein paar Tagen noch anders. Dort wurden Ausbaupläne der Kommune von Anliegern scharf kritisiert.

Sozialbetreuung angedacht

Und das ist der bisherige Plan: Das Dach muss nach Angaben der Verwaltung komplett erneuert werden. Derzeit hat das Haus bei voller Belegung – im Wesentlichen in Zweibettzimmern – Platz für 40 Personen. Im Zuge der unumgänglichen Sanierung des Daches biete sich nach Angaben der Stadt Würselen eine Aufstockung um eine Etage an, ohne dass dadurch statische Probleme entstehen würden.

So könnte in Zweibettzimmern für maximal 16 Personen zusätzlicher Raum geschaffen werden. Allerdings sollte pro Wohneinheit nur eine Person untergebracht werden. Dies würde die Möglichkeit eröffnen, eine Sozialbetreuung mit dem Ziel der Wiedereingliederung einzurichten – finanziert über den Landschaftsverband Rheinland.

Aber: Eine derart umfangreiche Sanierung ist angesichts der Belegung nicht möglich, so die Stadt. So will man nun einen zweigeschossigen Anbau mit ausgebautem Dachgeschoss (18 Wohneinheiten) neben dem bestehenden Gebäude errichten. Wenn dies fertiggestellt wäre, könnten die Bewohner des Altbaus während der Umbaumaßnahmen in den Neubau umziehen.

Anschließend könnten dort Asylbewerber einziehen. „Derzeit angemietete, teurere Unterkünfte könnten dann aufgegeben werden.“ Für das Gesamtvorhaben seien in diesem Jahr 791.000 Euro und in 2018 weitere 659.000 Euro eingeplant.

Der Vorsitzende des Förderkreises Asyl, Jürgen Hohlfeld, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir halten diese Entscheidung für sehr risikoreich. Hier entsteht eine relativ große Unterkunft und damit die Ghettoisierung von zwei Personengruppen, die Obdachlosen und die Asylbewerber, und jede dieser Gruppen hat ihre eigenen Probleme, so dass Konflikte vorprogrammiert sind. Das sähe allerdings anders aus, wenn die Stadt dieses Vorhaben mit einem sozialpädagogischen Konzept versehen würde, denn dann könnte durch die fachliche Begleitung durchaus ein sinnvolles Integrations- und Inklusionsprojekt sowohl für die Obdachlosen als auch für die Asylbewerber entstehen. Da dies aber offensichtlich nicht vorgesehen ist, finden wir die Entscheidung sehr problematisch.“

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