Flurdenkmale: Schätze der Kulturlandschaft

Von: ehg
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Es ist vollbracht: (v.l.) Hein
Es ist vollbracht: (v.l.) Heinz Josef Küppers, Karl Heinz Klinkenberg, Michael Loogen und Hubert Wickerath überreichten im Kreise der Akteure dem stellvertretenden Bürgermeister Harald Gerling das erste Exemplar der Kreuz-Dokumentation. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Auf Spurensuche nach Flurdenkmalen der Stadt Würselen begab sich mehr als ein Jahr lang unter der Leitung des ehemaligen Verwaltungsangestellten der Pfarre St. Sebastian, Hubert Wickerath, der Geschichtskreis.

In erster Linie richtete er sein Augenmerk auf Kreuze, die, so Wickerath, nicht nur Zeichen der Frömmigkeit und der Verehrung, sondern auch Stein des Anstoßes und Ziel von Vandalismus, vor allem bei religiöser Unterdrückung wie zum Beispiel während der Säkularisierung im Jahre 1798 und der Nationalsozialistischen Zwangsherrschaft sind. „Die kleinen Flurdenkmale aus vielen Jahrhunderten sind ein bedeutender Schatz unserer Kulturlandschaft.”

Im Wappen der Stadt findet sich das Kreuz als Zeichen der Zugehörigkeit zur Erzdiözese Köln. Kreuze, Kapellen sowie Grenz- und Meilensteine sind in einer 75 Seiten umfassenden DIN A4 Dokumentation „verewigt”, deren erste Exemplare Wickerath bei deren Vorstellung am Wegkreuz in Tellebenden Vize-Bürgermeister Harald Gerling, Gemeindereferent Michael Loogen in Vertretung von Pfarrer Gattys und dem Leiter des Kulturarchivs der Stadt, Heinz-Josef Küppers, überreichte.

Bei der Dokumentation der Kreuzanlagen griff der Geschichtskreis auf ein Heimatblatt des ehemaligen Kreises Aachen aus dem Jahre 1989 zurück, in dem Flurdenkmale der Stadt Würselen durch Ingeborg Schild dargestellt sind. Das Material wurde von einer Gruppe von Studierenden der Architektur sowie der Kunst- und Baugeschichte der Technischen Hochschule Aachen zusammengestellt. Den Anstoß zu dieser wissenschaftlichen Arbeit gab eine Anfrage der Stadt Würselen, „ob es möglich sei, Kreuze und Male der Stadt, deren Aufnahme in die Liste der zu schützenden Denkmale erwogen werde, zeichnerisch und fotografisch zu erfassen und auf ihre künstlerische, geschichtliche und volkskundliche Bedeutung zu untersuchen”. Insgesamt wurden von den Studierenden 34 von zu ihrer Zeit 63 bekannten Anlagen erfasst. Auch die zu „katalogisieren”, die von ihnen nicht erfasst worden waren, darum bemühte sich auf Initiative von Hubert Wickerath der Geschichtsarbeitskreis.

Karl-Heinz Klinkenberg bannte bis Oktober 2011 bereits 71 auf die Platte. Doch er suchte weiter, so dass in der nun vorliegenden Dokumentation 91 Kreuze dargestellt sind. Kreuz Nr. 6 am Ende der Ravelsberger Straße ist das älteste. Das Missionskreuz aus Eichenholz stammt aus dem Jahre 1756. Ein eingeschnittenes Herz mit Strahlen liefert den Hinweis auf die Volksmission 1756, 1882, 1888 und 1950, eingeschnitten in den Kreuzfuß. Klinkenberg: „Es war nicht nur eine Arbeit von Stunden und Tagen, sondern von Wochen und Monaten”, was Wickerath nur bestätigen kann. Die Kreuze seien nicht immer leicht aufzufinden gewesen. Um einzelne identifizieren zu können, mussten sie erst einmal gesäubert werden. „Und wenn die Texte in lateinischer Sprache abgefasst waren, half nur noch der Humanist weiter.” In der Dokumentation „Spurensuche - Flurdenkmale” sind nicht nur Kreuze „katalogisiert”. Angereichert wurde sie darüber hinaus auch durch Bilder von Kapellen sowie Grenz- und Meilensteinen.

Dass die Dokumentation am Mitte der 1950er Jahre auf Initiative von Peter Pütz in Tellebenden errichtete Kreuz präsentiert wurde, hatte seinen tieferen Grund. Dort legten gerade zehn Firmbewerber der Pfarrfei St. Sebastian Hand an, die mit Schaufel, Bürste, Schmirgelpapier und Schraubenzieher eine Woche lang freiwillig in Sachen Verschönerung von Kreuzanlagen unterwegs waren, unterstützt vom städtischen Gärtner Heinz-Gerd Groten (Kommunale Dienstleistungen Würselen). Ihn hatte Gemeindereferent Loogen für diese Aktion zur Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung gewinnen können.

Sieben Kreuzanlagen machten eine Verschönerungskur durch. Zuletzt war noch das Kreuz Nr. 90 am Güterbahnhof an der Reihe. Es war 1988 von der St. Salmanus-Bogenschützen-Gesellschaft errichtet worden. An ihm hatte der Zahn der Zeit so stark genagt, dass auch Platten neu verlegt werden mussten. Hubert Wickerath dankte herzlich für ihren freiwilligen Dienst, aber auch bei allen in der Stadt, die sich in Vereinen um die Erhaltung vieler Kleinode kümmern.

Sein besonderer Dank galt Maria und Karl-Heinz Klinkenberg für die „geschossenen” Fotos, die Recherche „vor Ort”, die Vorbereitung der Drucklegung und die Finanzierung der bemerkenswerten Dokumentation, bei der es sich um einen vorläufigen Abschluss handele. Als Repräsentant der Stadt sprach Vize-Bürgermeister Gerling den Firmbewerbern für ihren beispielhaften Einsatz, aber auch der KDW und dem Geschichtskreis Lob und Anerkennung aus. An der Dokumentation hatten neben den Eheleuten Klinkenberg noch Monika Bergrath, Heinz-Josef Küppers, Brunhilde Pütz, Kurt Schneiders und Hubert Schoenen mitgearbeitet. Ausstellung ist für den September geplant

Eine Fotoausstellung „Würselener Wegekreuze” wird im Rahmen der Denkmaltage 7. bis 9. September einen Einblick in die Arbeit von Karl-Heinz Klinkenberg und des Geschichtskreises gewähren.

22 der am Computer gearbeiteten 20 mal 30 Zentimeter großen Fotos konnten bereits im Oktober 2011 in Augenschein genommen werden.

Zur Eröffnung der Denkmaltage wird Weihbischof Dr. Johannes Bündgens zum Thema „Die soziale Frage im 19. Jahrhundert und die Stellung der Katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung des Würselener Priesters Peter Josef Schings” sprechen. Der Priester aus Scherberg gilt als einer der bislang unbekannten Wegbereiter der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB).
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