Flüchtlingsschicksal wird zum Stoff für Filmprojekt der Falken

Von: Elisa Zander
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Klappe und Action: Beim Filmdr
Klappe und Action: Beim Filmdreh in der Gesamtschule Alsdorf entstehen die Szenen zum Thema Ausgrenzung. Foto: Elisa Zander

Alsdorf. Abgewandt sitzt das Mädchen mit den braunen Locken am Tisch, den Kopf auf die Hände gestützt. Ihr Blick ist abwesend, aber sie bekommt genau mit, was um sie herum passiert. Mitschüler bewerfen sie mit Papier, der Lehrer steht daneben, blendet das offensichtliche Mobbing an der jungen Schülerin aber aus.

Szenenwechsel: In der Stadtbücherei versucht das selbe Mädchen, ein Buch auszuleihen. Doch ihr fehlt ein entsprechender Mitglieds-Ausweis, den aber bekommt sie ohne Pass nicht. Der jedoch ist irgendwo auf dem Postweg zwischen Syrien und Deutschland hängen geblieben.

Zwei Alltagssituationen, mit denen Flüchtlinge ständig zu kämpfen haben. Besonders Kinder leiden unter den Extremsituationen, denen sie ausgesetzt sind, weil in ihrer Heimat Krieg herrscht oder die Familie verfolgt wird.

Andrea Klij ist eine von Tausenden Menschen, die in Europa Schutz gesucht haben. Gerade zwei Jahre alt war sie, als ihre Eltern 1996 aus Syrien fliehen mussten. Im Asylbewerberheim an der Aachener Süsterfeldstraße fanden sie eine erste Unterkunft. Dieses Erlebnis hat die heute 20-Jährige nachhaltig geprägt. Sie erinnert sich an viele Einzelheiten, etwa an „einen kleinen Raum mit Doppelbetten”. Zu fünft hätten sie dort geschlafen, Bad und Küche wurden mit der Gemeinschaft geteilt.

Alle diese Erinnerungen wurden wach, als Andrea Klij mit ihrer Freundin Chantal Martin die neuen Räume der SJD - Die Falken in Merkstein besuchte, die im ehemaligen Asylbewerberheim an der Herzogenrather Straße im Stadtteil Busch untergebracht sind. „Es sah fast genau so aus wie in Aachen, der Geruch war gleich.”

Während des Erzählens kam ihr die Idee, das Thema aufzugreifen. Ein Filmprojekt sollte es werden, um jungen Menschen die Probleme, denen Flüchtlinge ausgesetzt sind, anschaulich zu verdeutlichen.

Bei den Falken fanden sie mit Koordinatorin Beate Kuhn eine perfekte Ansprechpartnerin, die ihnen die Rahmenbedingungen ermöglichte, „damit Kinder und Jugendliche sich ausprobieren können”. Gedreht wurde schließlich im Alsdorfer Rathaus, in der städtischen Gesamtschule, an einer Tankstelle und auch im Gebrauchtwarenkaufhaus „Patchwork” an der Kirchrather Straße in Merkstein. „Die Mitarbeiter haben ganz toll mitgearbeitet, auch Statistenrollen übernommen”, freut sich Beate Kuhn über den Einsatz „von außerhalb”.

Sieben Kinder zwischen 11 und 13 Jahren sind an dem Projekt, das als Ferienfreizeit über eine Woche lang angelegt war, eingebunden. Sie alle sind begeistert von der Abwechslung. „Wir versuchen, dass jeder gleich viel in dem Film vorkommt”, gibt Meissa Bentahar, 10, einen Einblick in den Ablauf.

Sie mimt in dem bewegenden Streifen einen Flüchtling. Sie selbst hat dieses Schicksal zwar nicht erlebt, kann sich aber nach den vielen Gesprächen mit Andrea Klij, die eindringlich aus ihrem Leben berichtete, in die Situation hinein versetzen. „Ich hoffe, dass sie es verstehen, etwas mitnehmen und auf Betroffene zugehen”, sagt die geborene Syrerin.

Das scheint zu gelingen, etwa bei Meissas Bruder Sami. „Wir hatten mal einen Flüchtling in der Klasse. Keiner hat mit ihm geredet.” Heute, so sagt der Elfjährige, würde er das nicht mehr machen, jemanden so ausgrenzen.

Von Erfahrungen wie dieser ist Andrea Klij bis heute gezeichnet. Die vier Jahre in der Grundschule war sie eine Außenseiterin, erst auf der weiterführenden Schule - etwa ab der sechsten Klasse schätzt sie - wurde es besser. Beate Kuhn kennt dieses Phänomen: „Das Problem ist der Alltagsrassismus, der trifft Flüchtlinge oft sehr. Die Pöbler wissen nicht um die Rechtslage, können sich nicht vorstellen, welche Torturen die Menschen erlebt haben.”

Kompetenzen stärken

Das Filmprojekt läuft bei den Falken im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern - Kompetenzen stärken”. Begegnungen zu schaffen „zwischen der ?Normalbevölkerung und den Betroffenen” und neue Perspektiven zu öffnen, sind Ziele, die sich die engagierten Falken mit allen ihren Angebote und Projekten schon seit Jahren setzen.

Dass die Lebensgeschichte von Asylbewerbern letztlich auch eine positive Wende nehmen kann, zeigt die Lebensgeschichte von Andrea Klij. Im nächsten Schuljahr wird sie ihr Abitur an der Gesamtschule Alsdorf machen, will danach Deutsch und Geschichte auf Lehramt studieren. Dann wird sie auch weiter daran arbeiten, jungen Menschen die komplexe Flüchtlingssituation zu vermitteln.
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