Alsdorf - Flüchtlingsberater: Ahnung von Komplexität des Themas vermittelt

Flüchtlingsberater: Ahnung von Komplexität des Themas vermittelt

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Lisa Trümper-Loogen (l.) vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) koordiniert Flüchtlingspatenschaften in Alsdorf. Jetzt hatte sie Ali Ismailovski (r.) vom Café Zuflucht zu Gast. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Alsdorf. Warum flüchten Menschen aus ihrer Heimat? Mit welchen Erfahrungen kommen sie in Deutschland an? Wann kann ein Asylantrag gestellt werden? Flüchtlingsberater Ali Ismailovski war zum ABBBA-Stadtteilbüro gekommen, um über Flüchtlinge, Netzwerke und Paragrafen zu reden.

Seine Zuhörer waren Flüchtlingspaten oder solche, die es noch werden wollen. „Ich möchte Fäden zu Beratungsstellen spinnen, damit ich meiner Familie vieles sagen kann, was sie wissen müssen, um gut in Deutschland zu leben.“

Hedi Schrammeck, Rentnerin aus Alsdorf, betreut seit zwei Wochen eine Familie aus Eritrea. „Wir unterhalten uns auf Englisch. Wenn ich den Familienvater etwas frage, was seinen Aufenthalt in Deutschland betrifft, holt er eine schwarze Aktentasche und kippt den Inhalt aus. Dann fallen unzählige Briefe von Behörden aus der Tasche, die er nicht lesen kann.“ Die ehemalige Erzieherin weiß noch nicht, was die Familie erlebt hat.

60 Millionen Menschen, die Hälfte Kinder und Jugendliche, sind zurzeit auf der Flucht. Ali Ismailovski: „Die Menschen fliehen vor Krieg- und Bürgerkrieg, wenn sie politisch verfolgt sind, aber auch vor Verfolgung und Diskriminierung wegen Zugehörigkeit zu einer religiösen oder ethnischen Minderheit.“ Sie fliehen vor Zwangsmilitär- und Kriegsdienst, vor Kinderhandel und Kinderarbeit. Auch Gewalt in der Familie, Zwangsheirat und Beschneidung sind Gründe, die Heimat zu verlassen: Dazu Klimakatastrophen, Hunger, ein Leben in Armut und Perspektivlosigkeit.

Der Flüchtlingsberater des Café Zuflucht, dessen zentrales Anliegen die Sicherung des Aufenthaltes von Flüchtlingen ist, berichtete über das Schicksal des 20-jährigen David aus Asmara, der Hauptstadt Eritreas. Seit der Unabhängigkeit von Äthopien herrsche Gewalt in seinem Land. Die Regierung könne faktisch jeden zu Militär oder Arbeitsdienst einberufen. Da Davids linkes Bein gelähmt ist, habe er viele der Aufgaben nicht erfüllen können, sei deshalb bestraft worden, Folter sei ihm angedroht worden. Man lebe ständig in Angst. „Was sollte ich in diesem Land für eine Zukunft haben?“, habe David gefragt.

In Deutschland angekommen, müssen Flüchtlinge die Sprache lernen und brauchen Paten. „Eigentlich könnte ich mich rund um die Uhr einbringen“, sagt Barbara Thaens aus Würselen. Die pensionierte Lehrerin betreut drei syrische Familien mit Kleinkindern. „Sie kennen unser Bildungssystem, unsere Kultur nicht, sie verstehen unsere Bürokratie nicht und wissen nicht, wohin sie sich wenden müssen, um in Deutschland voran zu kommen.“

Ali Ismailovski berichtete auch über die Dublin-III-Verordnung, die in den EU-Staaten sowie Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz gültig ist. Damit sprach er über nur ein Gesetz, viele andere sollen noch folgen. „Die Dublin-III-Verordnung soll sicherstellen, dass ein Asylsuchender innerhalb der Mitgliedsstaaten nur ein Asylverfahren betreibt.“ Der Berater sprach über Aufenthaltsgestattung, Duldung und Besonderheiten bei minderjährigen Flüchtlingen. Seine Zuhörer bekamen eine Ahnung, wie schwierig es ist, das ganze Thema um die Flüchtlingshilfe zu verstehen. „Deshalb brauchen wir Netzwerke“, sagte Hedi Schrammeck: „Wir müssen wissen, an wen wir uns wenden können. Das Café Zuflucht ist eine gute Adresse, um schnelle und passgenaue Hilfe zu bekommen.“

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