Flüchtlinge: Hilfsbereitschaft ist größer als erwartet

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
10659169.jpg
Tütenweise Hilfe: Werner Wilfling (l.), Leiter des „Patchwork“, freut sich über das große Engagement der Bürger. Auf dem Parkplatz hinter dem Gebrauchtwarenkaufhaus fährt ein gut gefüllter Wagen nach dem anderen vor. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Ich will helfen“, sagt Jürgen Rubner knapp. Mehr braucht es für den Merksteiner nicht, um zu erklären, warum er an diesem verregneten Montagmorgen ins Gebrauchtwarenkaufhaus „Patchwork“ gekommen ist.

Zum Glück denken viele Herzogenrather wie er: „Nach dem Aufruf in der Tageszeitung sind schon am Samstag überraschend viele Spender gekommen“, berichtet Kaufhausleiter Werner Wilfling und zeigt auf eine stattliche Tütensammlung. Und auch am Montag herrscht Hochbetrieb auf dem Parkplatz hinter dem „Patchwork“: Säckeweise kommt weiterhin die dringend benötigte Hilfe an.

Martina Bredohl, Leiterin der Nähwerkstatt im „Patchwork“, organisiert Sichtung, Sortierung und Präsentation. Ein Riesenberg Arbeit für die insgesamt 28 Helfer, die zusammengezogen worden sind, um die neue Herausforderung zu stemmen.

Eine Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, erzählt, dass sie den ganzen Sonntag mit Waschen, Bügeln und Verpacken ihrer Kleiderspenden verbracht habe. Schilder mit Inhalts- und Größenangaben kleben auf ihren Tüten.

„Alles muss ordentlich sein, die Leute brauchen das ja sofort“, sagt auch Anni Keufgens, die mit ihrem Mann Josef eigens aus Straß gekommen ist, um drei große blaue Plastiksäcke voller Textilien abzugeben, sorgfältig nach Männer- und Frauenkleidung getrennt. Das erleichtert Martina Bredohl und ihrem Team die Arbeit.

Denn gleichzeitig muss ein kompletter Lagerraum freigeräumt werden, in der die Flüchtlinge ab Mittwoch die ausgelegte Kleidung in Augenschein nehmen und bei Bedarf auch anprobieren können. Dazu werden improvisierte Umkleidekabinen aus Bettlaken und Decken aufgebaut. „Und hier vorne neben die Tür stellen wir auch noch einen Tisch mit Mineralwasser und Gläsern hin“, beschreibt Wilfling. „Die Leute sollen sich hier ja willkommen und wie Gäste fühlen.“

Kofferspenden, so stellt sich heraus, sind ebenfalls sehr sinnvoll: einerseits, um die zur Verfügung stehenden Kleidungsstücke ordentlich auslegen zu können, anderseits aber auch, damit die Flüchtlinge sie mitnehmen können, die meist nicht viel mehr von ihrem früheren Leben retten konnten als das, was sie am Körper tragen.

Leider gibt es auch Negativbeispiele an diesem Morgen: Martina Bredohl zeigt auf einen Haufen beschmutzter Gardinen. Die auch im Gebrauchtwaren-Kaufhaus nur noch entsorgt werden können. Aufwand, der nur ärgerlich ist.

Beim „Patchwork“-Trägerverein Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen ist allen klar, welche enorme Herausforderung die gerne übernommene Erstausstattung der Flüchtlinge sein werde. „Doch es war für uns keine Frage, auch diese neue Aufgabe zu übernehmen“, sagt Werner Wilfling.

Vereinsvorsitzender Wilfried Hammers richtet seinen Blick auch auf das große Ganze: „Wir werden uns nicht auf die Ausputzerrolle in der ganz aktuellen humanitären Frage vor Ort beschränken. Wir werden vielmehr auch weiterhin politische Flüchtlingsarbeit machen“, kündigt er an. Kopfschüttelnd über alle jene, die immer noch behaupteten, die sich verschärfende Situation sei nicht vorhersehbar gewesen. Statt endlich EU-weit gemeinschaftlich zu handeln, blockiere sich Großbritannien etwa weiter gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, und Ungarn baue neue Grenzen auf.

Hammers erinnert im Gegenzug an die Geste von Papst Franziskus, der bei seinem Besuch auf der italienischen Insel Lampedusa vor zwei Jahren bereits mahnende Worte gegen die Globalisierung der Gleichgültigkeit gesprochen habe.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert