Fließende Übergänge: Schulen wachsen zusammen

Von: Verena Müller
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Bereiten den Umzug ihrer Schulen vor: Wilfried Bock, Reinhild Behr-Bennemann und Martin Wüller. Foto: vm

Alsdorf. Ein bisschen kurios ist das schon: Obwohl Realschule und Gymnasium bald den Neubau des Kubiz gemeinsam nutzen werden, werden ihre Eingänge weiter auseinanderliegen als am alten Standort, wo eine Straße die beiden Schulgelände voneinander trennt. Die Längsachse des Neubaus ist länger als die Luftlinie zwischen den beiden Eingängen in Ofden.

Dass die Wege zwischen den beiden Schul(form)en aber inhaltlich deutlich kürzer werden und man sich gegenseitig ergänzt, daran arbeiten derzeit die Köpfe der Einrichtungen, Reinhild Behr-Bennemann und Wilfried Bock mit seinem Stellvertreter Martin Wüller. Was die drei unbedingt vermeiden wollen, ist eine Situation wie an anderen Schulzentren in der Region, wo man mit zwei Problemen zu kämpfen hat: einer Konkurrenzsituation zwischen zwei Schulen sowie einer ungünstigen Lage.

Von letzterem kann wohl im Falle des Kubiz kaum die Rede sein. Nach dem Umzug von Ofden aufs Annagelände, ins Zentrum Alsdorfs, werden sich für die Schüler die Anfahrtszeiten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln verkürzen und die Innenstadt wird belebt.

Zum Schuljahreswechsel soll der logistische Teil des Umzugs vollzogen sein. „Was das anbelangt, sind wir gelassen“, sagt Bock. „Irgendwann im Mai sollen die Umzugskartons geliefert werden, dann fangen wir an zu packen“, ergänzt Behr-Bennemann. Auf die Kisten müsse der spätere Bestimmungsort geschrieben werden, das wäre es dann auch schon. „Wann die Kisten genau rübergebracht werden, wissen wir noch nicht“, so die Leiterin der Realschule. „Fest steht, dass im September garantiert niemand mehr hier unterrichtet wird“, scherzt Bock.

Dabei gibt es relativ viel zu bewegen: Nur die Fachräume werden komplett neu ausgestattet – „unser Bestand hat etwas von einem zweiten Deutschen Museum“, so Bock – das restliche Mobiliar zieht mit um. „Seit Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements bei der Stadt ist alles inventarisiert und mit einem Barcode versehen“, sagt Wüller. Wenn man bedenke, dass das Gymnasium einst 1200 und heute nur noch 662 Schüler besuchten, sei nach dem Aussondern von defekten Möbeln immer noch genügend Verfügungsmasse vorhanden.

„Und ob ich nun an einem runden oder einem geraden Tisch sitze – auf andere Ideen komme ich da auch nicht“, sagt Bock pragmatisch. So bleibt ihm also auch sein geschwungener Schreibtisch erhalten. „Die Software ist entscheidend, nicht die Hardware“, findet Bock. Gemessen an dem, was er im Jahr 2002 bei Dienstantritt vorfand, muss man eh fast von luxuriöser Möblierung sprechen: „Das Sekretariat war mit Sperrmüll ausgestattet“, erinnert sich Bock.

Das hat sich inzwischen geändert. Was sich nicht geändert hat, ist der Zustand der Bausubstanz: „In manchen Räumen lüften wir grundsätzlich nicht, weil wir die Fenster sonst nicht mehr schließen könnten“, sagt Bock. Nur eines von vielen Beispielen für den schlechten Zustand der beiden Schulen – von den immensen Heizkosten („Wir sorgen dafür, dass in ganz Ofden nicht gestreut werden muss“, so Bock witzelnd) ganz zu schweigen.

Und was passiert aktuell in Vorbereitung des Umzugs? Das Kollegium ist angehalten auszusortieren, die Archive werden angesichts geringerer Raumkapazitäten entschlackt und die Hausmeister erledigen die Entsorgung, während sich die Leitung über Modelle der engeren Kooperation Gedanken macht.

Beide Schulen sind auf dem Weg zur Ganztagsschule und wollen in der Nachmittagsgestaltung kooperieren (Stichworte außerschulische Bildungsangebote Sport und Musik).

Wo gibt es Schnittmengen?

Aber das alleine ist es nicht, was die Schulleiter planen. „Wir wollen, dass Schüler jederzeit zwischen den beiden Schulformen wechseln können und dass nicht mehr, wie bisher, nur am Ende der sechsten Klasse überlegt wird, ob die gewählte Schulform die richtige ist“, so Behr-Bennemann. Für die Schüler soll das praktisch nur noch bedeuten, „ein Zimmer weiter“ unterrichtet zu werden. Das Umfeld bleibt, Schulkameraden trifft man weiterhin in der Mensa oder am Nachmittag. Die Frustration soll damit verringert werden.

Auch bei den Berufsorientierungswochen soll stärker nach übereinstimmenden Zielen geschaut werden. „Die Realschule ist in dem Punkt traditionell erfahrener als wir“, sagt Bock. AGs und Herkunftssprachenunterricht seien weitere Bereiche mit großen Schnittmengen.

Seit einem halben Jahr befassen sich Bock, Wüller und Behr-Bennemann bereits mit solchen Fragen – und Wüller räumt ein: Eigentlich hätte man schon viel öfter den Weg über die Straße gehen können... Aber so ein Neubau ist eben auch ein guter Anlass, manches neu zu denken.

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