Aachen/Herzogenrath - Filmreife Jagdszenen in Herzogenrather Parkhaus

Filmreife Jagdszenen in Herzogenrather Parkhaus

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Der Sachschaden, den der Niederländer verursacht hatte, geht an die 40.000 Euro

Aachen/Herzogenrath. Stunt-Szenen wie bei „Alarm für Cobra 11“, der deutschen Action-Serie, müssen es gewesen sein, die sich im Mai 2014 in einem Parkhaus nicht weit vom Herzogenrather Bahnhof abgespielt haben.

Für die Folgen der gefährlichen Crash-Szenen, die sich ein mutmaßlicher Autodieb damals mit der Polizei lieferte, muss sich seit Mittwoch der aus Heerlen stammende Kevin N. (26) wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung sowie wegen Widerstands gegen Polizeibeamte vor dem Aachener Schwurgericht verantworten.

Der Niederländer sollte, so heißt es jedenfalls in der Anklageschrift, einen in den Niederlanden gestohlenen und in Herzogenrath abgestellten BMW abholen. Was der Abholer nicht wusste: Die niederländische Polizei hatte den Wagen per GPS geortet und die Aachener Polizei um Amtshilfe gebeten.

Die wurde auch nach einigem Suchen auf dem offenen Oberdeck eines Parkhauses fündig, der 3er-BMW stand dort tatsächlich. Dann habe man sich auf die Lauer gelegt und bis zum Abend gewartet, berichteten die Polizeizeugen.

Gegen 19.45 Uhr sah der Einsatzleiter, wie ein einzelner, mittelgroßer Mann den Weg nach oben nahm. Und tatsächlich: Nach kurzer Zeit wollte der BMW das Parkhaus verlassen. Doch da hatte die Polizei bereits mit einem zwischen Parkhauspfeilern quer gestelltem Fahrzeug die Ausfahrt blockiert, gleichzeitig schnitten zwei weitere Fahrzeuge dem BMW den rückwärtigen Fluchtweg zurück nach oben ab, eine eigentlich hoffnungslose Situation für den Fahrer.

Doch der habe, als er von der Rampe kam und den Schlamassel sah, keineswegs aufgegeben. Er gab Vollgas und versuchte, sich den Weg neben der Sperre mitten durch andere parkende Autos hindurch frei zu rammen. Das klappte nicht beim ersten Mal, er setzte mit Vollgas zurück, rammte wieder Autos, eine Polizistin konnte sich nur mit einem Sprung zur Seite retten. Wieder im Vorwärtsgang fuhr er auf einen Beamten zu, der mit gezückter Pistole dort stand.

Der schoss nicht, hechtete mit einem beherzten Sprung über die Motorhaube des neben ihm parkenden Wagens in Sicherheit, wie er meinte. „Dann nahm er noch einmal Anlauf und schob die Autos so zusammen, dass ich wieder wegspringen musste“, berichtete der Zeuge auf Nachfragen der Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann. Dem Fahrer des BMW gelang es schließlich, sich frei zu rammen. Anschließend verschwand er über die Grenze.

Da allerdings stellte man ihn schließlich. Er saß in den Niederlanden einige Monate ein und wurde danach nach Deutschland überstellt. Der Schaden des Crash-Abenteuers im Parkhaus war beträchtlich, insgesamt acht Fahrzeuge wurden zum Teil schwer demoliert, der Sachschaden geht an die 40.000 Euro.

Der Angeklagte Kevin N. sagte auf Anraten seines Anwalts zunächst nichts zu dem Vorwurf, er habe in Kauf genommen, die Beamten zu töten. Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.

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