Feuerwehreinsätze: Schon zum dritten Male alles für die Katz

Von: Karl Stüber
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Na, wo bleibt die Feuerwehr? Eine Katze sitzt auf einem Hausdach und wartet auf ihre „Rettung”. Foto: imago

Würselen. Hunde haben Herrchen und Frauchen, Katzen Dosenöffner - und Leute, die ihnen vom Dach helfen, wenn sie sich verstiegen haben. Bevorzugt werden dabei Feuerwehrleute, weil diese in der Regel entsprechend ausgebildet und ausgerüstet sind.

Katzen sind eben wählerisch. Im vorliegenden Fall hat es eine Samtpfote in Würselen geschafft, sich binnen weniger Monate dreimal von ein und demselben Dach retten zu lassen. Wenn das nicht eine echte Diva ist. Zuletzt kurz vor Jahreswechsel auf einem Haus an der Dorfstraße („Katze nach drei Tagen vom Dach geholt”, Ausgabe 30. Dezember 2011).

Hoffen auf einen Lerneffekt

Herbert Schaefer hofft darauf, dass bei dem Tier nun endlich ein Lerneffekt eingetreten ist, auf dass es sich nicht mehr auf Kosten der Allgemeinheit auf die Walz begibt, was allerdings bei Katzen ungewöhnlich wäre. Schaefer ist Leiter des Fachbereichs 1 in der Verwaltung Würselen, in dessen Zuständigkeit das Recht- und Ordnungsamt fällt. Er hatte den (erneuten) Einsatz der Feuerwehr auf Grund von Anrufen besorgter Bürger, die auf die jammernde Katze hinwiesen, veranlasst.

Vergeblich war versucht worden, das kleine Raubtier mit Futter von seinem Hochsitz zu locken. Beim letzten Mal war das Einschreiten der Wehr wohl besonders riskant, weil das Dach durch den Regen nass war und die Feuerwehrleute Kopf und Kragen riskiert hätten, wären sie auf dem Dach herumgekrochen. So sorgte eine Wasserspritze für die notwendige Motivation, sich zu bewegen - und Katzen haben es ja nicht so mit dem Nass. Das Tier trollte sich.

Allerdings hatte die Angelegenheit diesmal Folgen, denn es steht ein Schaden in Höhe von rund 1000 Euro im Raum, der beim Einsatz der Feuerwehr an dem Dach entstanden sein soll. Die Versicherung der Kommune und der Hauseigentümer müssten sich nun einigen, sagt Schaefer. Mal ganz zu schweigen von den Kosten, die der Einsatz der Wehr mit sich bringt. Und der wird gemessen am Aufwand, sprich Geräteeinsatz, Personal und notwendige Stunden.

Auch wenn in dem hier geschilderten Fall die Halterfamilie der Katze mit verspätet einsetzender Höhenangst bekannt ist, wird diese wohl nicht finanziell bluten müssen, denn der Einsatz zur Tierrettung wurde von Amtswegen angeordnet. Da zieht das Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung NRW.

Im Zweifelsfalle gilt der Feuerwehrgrundsatz Bergen, Löschen, Retten und Helfen - und das auch bei Tieren, sofern der Aufwand den Einsatz rechtfertigt und der Einzelfall es hergibt, wie Schaefer betont. Nicht selten werden die Stadt Würselen und ihre Feuerwehr wie andere Kommunen auch von Tierliebhabern bedrängt, Tieren aus der Not zu helfen. „Da wird auch schon mal auf kleine Wildvögel mit gebrochenem Flügel hingewiesen, die wir zu bergen und zum Tierarzt zu schaffen hätten”, berichtet Schaefer aus seiner langjährigen Erfahrung. Ob da zuvor die Katz dran war?

Wie dem auch sei: Keine Kommune möchte als tierfeindlich dastehen. Aber wo fängt unterlassene Hilfeleistung an? Könnte der Anrufer sich nicht auch selbst um den Vogel kümmern? Letztlich macht die Stadt Würselen einen Einsatz unter anderem von Art und der Größe des Tieres abhängig, wenn nicht ohnehin eine Gefährdung der Öffentlichkeit vorliegt, die ein Einschreiten zwingend nach sich ziehen würde. Da haben verunglückte Vögel in der Regel Pech, wenn sie nicht gerade eine seltene Spezies sind. Und ist es nicht auch Lauf der Natur, dass Vögel vom Himmel fallen oder Amseln leider gegen Fenster fliegen?

Bleibt zum Schluss noch eine aussagekräftige Anekdote. Diese Geschichte trug sich vor ein paar Jahren im Aachener Preuswald zu. Ein Stubentiger fiel beim Freigang vom Balkon mehrere Stockwerke tief auf eine Wiese, zog sich aber aufgrund der Fähigkeit von Katzen, sich im Flug so zu drehen, dass sie auf ihren abfedernden Beinen landen, keine Verletzung zu. Das Tier raste einen am Haus stehenden Baum hoch und versuchte, von dort wieder auf den Balkon zu gelangen, der aber zu weit weg war.

Kein Skelett im Baum gefunden

Nach Tagen des Jammerns lehnte die Feuerwehr den vom Halter des Tiers verlangten Rettungseinsatz ab mit dem dezenten Hinweis, man habe noch nie ein Katzenskelett aus einem Baum bergen müssen. Das (unverletzte) Tier werde herunterkommen, wenn es nur genug Hunger habe. Letztlich gelangte die Katze über ein Brett zurück in die Heimstatt, das der Dosenöffner vom Balkon aus ins Geäst gelegt hatte. Womit wieder mal bewiesen ist, dass Katzen ihre Leute gut im Griff haben.
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