Feuer in Flüchtlingsunterkunft in Baesweiler: Brandstiftung vermutet

Von: Karl Stüber und Nina Leßenich
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Feuer Baesweiler
In der Nacht zu Donnerstag ist ein Feuer in einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Baesweiler ausgebrochen. Foto: Ralf Roeger
Feuer Baesweiler
Es wurden polizeiliche Ermittlungen wegen Brandstiftung aufgenommen. Foto: Ralf Roeger

Baesweiler-Setterich. Die schlechte Nachricht: Der Anbau der Sporthalle an der Ecke Wolfsgasse/Lessingstraße in Setterich, die bis vor einem halben Jahr noch als Notunterkunft für Flüchtlinge gedient hatte, ist bei einem Brand in der Nacht zum Donnerstag arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Das Ausmaß der  Zerstörung zeigte sich am Morgen danach schon von außen: Fenster und Türen sind zerstört, die Wände rußverschmiert, vor einem Seiteneingang liegen verschmorte Deckenteile. Angesichts des Zustands des Gebäudeteils dürfte fraglich sein, ob es den statischen Anforderungen noch entspricht.

Gegen 1.20 Uhr war die Feuerwehr alarmiert worden, weil in dem Anbau Feuer ausgebrochen war. Ein Übergreifen auf die Halle, die mitten in einem Wohngebiet steht,  wurde durch das Eingreifen der Wehrleute, die mit rund 60 Einsatzkräften vor Ort waren, verhindert, wie der Leiter der Feuerwehr, Dieter Kettenhofen, auf Anfrage unserer Zeitung sagte.

Die gute Nachricht: Niemand kam bei dem Feuer zu Schaden, weil sich laut Feuerwehr niemand in dem Gebäudekomplex aufhielt. Seitdem vor Monaten der letzte Flüchtling ausgezogen ist, wird die Turnhalle der ehemaligen Lessingschule noch als Unterkunft für Flüchtlinge vorgehalten. Die Stadt Baesweiler will gerüstet sein, falls kurzfristig wieder Flüchtlinge zugewiesen werden sollten.

Für die Anwohner rund um die Lessingstraße war es eine unruhige Nacht. „Ich habe als einer der ersten im Haus gehört, dass die Sirenen gehen“, erzählte etwa Karlheinz Arnecke, der mit seiner Familie in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Sporthalle lebt. „Als ich das ganze Blaulicht gesehen habe, bin ich dann einmal bis zur Ecke vorgegangen und habe nachgesehen, was los ist. Die ganze Straße war voller Feuerwehr.“ An Schlafen habe er danach nicht mehr denken können: „Wegen dem Einsatz hat es hier noch bis fünf Uhr Morgens dauernd gescheppert.“

Auch seine Nachbarin Ursula Rojewski wurde mitten in der Nacht von den Sirenen der Feuerwehr aus dem Schlaf gerissen. „Ich war sofort hellwach und habe erst einmal kontrolliert, ob in meinem und am Nachbarhaus alles in Ordnung ist“, sagte sie. Ähnlich unruhig war auch die Nacht von Christoph Biedenbach, der nur einige Häuser weiter wohnt. „Hier war ganz schön viel Lärm und Geschrei“, sagte er. Nachdem er die Sirenen gehört habe, habe er das Geschehen von seinem Fenster aus beobachtet – durchaus auch mit Bedenken. „Ganz wohl ist einem nicht, wenn so etwas in der eigenen Nachbarschaft passiert“, sagt Biedenbach.  Man wissen ja schließlich nicht, wie es zu solch einem Brand kommen würde.

„Wir haben Ermittlungen wegen Brandstiftung aufgenommen”, sagte Polizeisprecher Paul Kemen am Donnerstagmorgen. Er bestätigte, dass sich zum Zeitpunkt des Feuers keine Personen in dem Gebäude befunden haben. Es entstand jedoch erheblicher Sachschaden. Auf Nachfrage unserer Zeitung ergänzte Kemen, „dass die Summe der Indizien vor Ort“ auf eine Brandstiftung hinweisen.

So wurde festgestellt, dass eine Scheibe eingeschlagen worden sein muss. Es deute nach Stand der Ermittlung aber nichts auf die Verwendung von Brandbeschleunigern hin. Da ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht auszuschließen ist, wurde laut Kemen der Staatsschutz der Aachener Polizei in die Ermittlungen eingebunden. Konkrete Hinweise auf eine fremdenfeindliche Straftat liegen bisher allerdings nicht vor. „Es gibt da keinen Zettel oder dergleichen“,  sagte Kemen. Zudem wurde bislang kein Hinweis oder gar Bekennerschreiben gefunden. „Kripo und Staatsschutz ermitteln jetzt parallel. Natürlich ist die Staatsanwaltschaft mit im Boot“, sagte der Polizeisprecher.

Die Kriminalpolizei hat die Brandstelle beschlagnahmt. Am nicht geborstenen Glas der Eingangstür prangt ein entsprechendes amtliches Schreiben unter einem alten Aufkleber, der darauf hinweist, dass Rauchverbot besteht.
Feuerwehrchef Kettenhofen bestätigte, dass der Anbau, in dem sich Sanitäranlagen und der Lagerraum für Sportgeräte befinden, schwer in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Auch in die Halle sei Rauch eingedrungen. Am Tag danach sollten laut Kettenhofen Mitarbeiter des städtischen Bauhofes anrücken, um Türen und Fenster, die beim Brand zerstört wurden, in Absprache mit den Ermittlungsbehörden zu sichern.
Am frühen Morgen, so Kettenhofen, rückte die Brandwache – vorgesehen war hierfür der Löschzug Setterich – wieder ab.

Bürgermeister Dr. Willi Linkens (CDU), der nachts zur Brandstelle geeilt war und sich auch am Morgen nochmals dort umsah, zeigte sich gegenüber unserer Zeitung bestürzt. „Es ist sehr traurig, dass so etwas in unserer Stadt passiert ist.“ Die Turnhalle der ehemaligen Lessingschule sei noch im Besitz der Stadt, sagte er. Wie es mit dem Gebäudekomplex nun weitergeht, hänge vom Ergebnis der Begutachtung der Schäden ab.

Konkrete Pläne habe die Stadt deshalb noch nicht. Die nicht mehr genutzte Lessingschule hatte die Stadt längst veräußert. Dort, so Linkens, ist umgebaut worden. Altersgerechtes Wohnen nebst Pflege seien dort eingerichtet worden.

Dazu, ob die Tat einen rechtsradikalen Hintergrund habe könnte, gebe es derzeit noch keinerlei Erkentnisse, sagte Linkens. „Auch als die Flüchtlingsunterkunft hier noch mit über 100 Personen bewohnt war, hat es keinerlei rechtsradikale Tendezen und Äußerungen gegeben“, sagte er. „Im Gegenteil: In dieser Zeit sind die Bewohner auch von vielen Personen ehrenamtlich betreut worden. Wir sehen da also keine Anzeichen.“

Die Polizei sucht nun Zeugen, die zur fraglichen Zeit um den Brandort Wolfsgasse/Lessingstraße verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Hinweise bitte unter 0241/9577-35101 oder 0241/9577-34210 (außerhalb der Bürostunden).


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